HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

Warum sich die Wölfe nicht ungetrübt über ihren Sieg freuen

Mit neun Toren führen Rimpars Zweitliga-Handballer gegen Elbflorenz, am Ende gewinnen sie mit drei. Was dazwischen passiert, ärgert sie selbst und ihren Trainer.
Sie tanzen, aber sie freuten sich schon mal mehr: Die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe nach ihrem 25:22-Erfolg über den HC Elbflorenz aus Dresden. Foto: Meike Scheuring

Ceven Klatt konnte sich nicht erinnern, wann er sich nach einem Sieg mal nicht so richtig freute. "Ich muss eine Nacht drüber schlafen, dann kommt die Freude bestimmt", meinte der Trainer am Samstagabend nach dem 25:22 (15:8) seiner DJK Rimpar Wölfe über den HC Elbflorenz aus Dresden, dem dritten Sieg in Serie, dem vierten insgesamt am sechsten Spieltag der zweiten Handball-Bundesliga. Erst ein Blick auf die Tabelle entlockte ihm ein kurzes Lächeln. Da steht Rimpar weiter auf Rang drei, nun punktgleich mit dem Zweiten ASV Hamm-Westfalen, einer der Aufstiegsfavoriten.

Rimpars Angriff bleibt einer der torschwächsten

Doch vor allem haderte Klatt erst mal, mit heiserer Stimme. Die hatte unter beiden Halbzeiten gelitten, "wahrscheinlich mehr unter der zweiten". Da verspielte sein Team in den letzten 22 Minuten eine Neun-Tore-Führung (19:10, 38.) und verpasste einen möglichen Kantersieg. "Wir hätten heute mal mit sieben, acht, neun Toren gewinnen können, stattdessen gewinnen wir nur mit drei. Das ärgert mich", gestand der 36-Jährige. Der Angriff der Wölfe um den erneut gut aufgelegten Kapitän Patrick Schmidt, neben Linksaußen Domink Schömig bester Werfer, bleibt damit an Treffern trotz der Erfolge der viertschwächste der Liga. 

Steffen Kaufmanns Glanzpunkt

Klatt war nicht der Einzige, der sich ärgerte. Nachdem seine Spieler die obligatorischen Feierlichkeiten mit den Fans hinter sich gebracht hatten, verzog sich einer schnell und schweigend in die Kabine. "Ich muss mich erst mal sammeln", sagte Steffen Kaufmann auf dem Weg dorthin. Der Rückraum-Rechte, der mit einem fantastischen, verdeckten Kreisanspiel hinter dem Rücken für einen frühen Glanzpunkt gesorgt hatte, grämte sich freilich nicht darüber, dass er an diesem Abend "nur" die Schnapszahl von 999 Toren für die DJK erreicht und nicht die 1000 geknackt hatte. "Ich bin ein bisschen sauer, weil wir es wieder nicht geschafft haben, unsere gute erste Halbzeit zu vergolden."

6:0-Lauf vor der Pause

Die Voraussetzungen, mal richtig einen rauszuhauen, hatten sich die Wölfe erarbeitet. Nach ausgeglichenem Anfang zogen sie durch einen 6:0-Lauf von 9:8 (21.) auf 15:8 zur Pause davon - HC-Trainer Rico Göde, der auf seine Rückraumakteure Nils Holger Kretschmer (Meniskus), Marc Pechstein und Gabor Pulay (Trainingsunfälle) verzichten musste, nannte diese Phase später den "Genickbruch" für Elbflorenz. Die Schwierigkeiten mit Dresdens erstligaerfahrenem Kreisläufer Jonas Thümmler bekam die im Innenverbund zunehmend kompakter werdende DJK-Deckung bald in den Griff. Ihre Aggressivität zwang die Sachsen zu Fehlern, sie blieben bis zum Seitenwechsel ohne weiteren Treffer. Die Unterfranken dagegen kamen zu Tempogegenstößen.        

Zu früh zu siegessicher?

Als Benedikt Brielmeier in jener 38. Minute mit dem fünften verwandelten Konter zum 19:10 erhöhte und Göde eine Auszeit nahm, rissen die Rimparer bereits die Arme in die Höhe. Fühlten sie sich des Sieges zu früh zu sicher? "Siegessicher waren wir noch nicht, aber unser Selbstvertrauen war da schon enorm", meinte Kreisläufer Michael Schulz, der noch am meisten von der Erkältungswelle unter der Woche angeschlagen war. "Dass wir's immer spannend machen, ist irgendwie unser Ding."

Kaufmann fasste zusammen, was dann gegen die nun offensiver 4:2 und 5:1 versetzt verteidigenden Gäste passierte: "Wir haben völlig den Faden verloren und Dresden selber aufgebaut. Und dann wird's wieder eng hintenraus." Wie nicht zum ersten Mal in dieser Saison. 

Klatt kritisiert mangelnde Konsequenz im Abschluss

Klatt wurde konkreter: "Ausschlaggebend war, dass wir die Konsequenz im Abschluss haben vermissen lassen. Wir haben allein fünf Freie von außen verschenkt." Auch bei den frisch eingewechselten und noch nicht erschöpften Spielern wie Fin Backs (null Tore aus drei Versuchen) und Felix Karle (0/1)  fehlte dem Trainer "der letzte Wille": "Da muss ich mich in den letzten 20 Minuten einfach noch mal zusammenreißen und das bis zum Ende durchziehen. Das müssen wir lernen." 

Ceven Klatt, Trainer der DJK Rimpar Wölfe, mit Katharina Rappert von der Uniklinik Würzburg bei der Stammzellen-Typisierungsaktion des "Netzwerk Hoffnung" auf der Mainfrankenmesse. Foto: Silvia Gralla

Diesmal reichte den Rimparern der riesige Vorsprung. "Wir haben vieles vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht", sagte Klatt am Sonntag, nachdem er sich auf der Mainfrankenmesse zusammen mit mehreren Spielern als Stammzellenspender hatte typisieren lassen, das Samstagsduell noch mal im Video analysiert hatte und seinen Blick auf "das Positive" sowie die bevorstehende Aufgabe richtete.  Nächsten Samstag in Hüttenberg können es die Wölfe noch besser oder zumindest länger besser machen. Und sich dann vielleicht mehr freuen. 

Die Statistik des Spiels

Rimpar: Brustmann (1.- 49.), Wieser (50.- 60.) - Schömig 5/1, Böhm 2, Karle, Gempp (n.e.), Schmidt 5/1, Kaufmann 4, Siegler 2, Meyer, Schulz 2, Backs, Brielmeier 4, Herth, Sauer.
Elbflorenz: Huhnstock (1.-23., 31.-), Göres (24.- 30. und bei einem Siebenmeter) - Dierberg 1, Gugisch 7/1, Buschmann 2, Dumcius 3, Jungeman, Hoffman, Greß 1, Vanco 3, Quade, Kasal 1, Thümmler 4.
Spielfilm: 2:2 (7.), 5:5 (13.), 7:6 (18.), 9:8 (21.), 15:8 (Halbzeit), 19:10 (38.), 19:14 (45.), 20:17 (48.), 22:19 (55.), 25:2 (Endstand).
Siebenmeter: 2/3 : 1/2.
Zeitstrafen: 5:4.
Rot: Quade (Elbflorenz, 44., grobes Foul).
Schiedsrichter: Lucas Hellbusch/Darnel Jansen (Darmstadt).
Zuschauer: 1496.

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