Würzburg

Wie Cameron Wells die Baskets zum Sieg führte

Der 31-jährige Aufbauspieler von s.Oliver Würzburg scheint in der Form seines Lebens zu sein und sorgte maßgeblich für den 68:67-Erfolg gegen die Skyliners Frankfurt.
Er erzielte 24 Punkte, verteilte sechs Vorlagen, schnappte sich vier Rebounds, klaute dem Gegner zweimal die Kugel und blockte sogar einmal: Cameron Wells (beim Wurf) war der überragende Mann beim 68:67-Sieg der Baskets gegen Frankfurt. Foto: Heiko Becker

Nach 20 Sekunden hatte er den Körbereigen eröffnet, und zum Schluss, als es doch noch einmal eng wurde und um die Wurst ging, übernahm er einmal mehr die Verantwortung. Cameron Wells verbrachte in den finalen zehn Minuten jede Sekunde auf dem Parkett und bewies erneut, dass er derzeit vielleicht der wichtigste Akteur bei Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg ist. Der 31-Jährige aus Houston im US-Bundesstaat Texas ist womöglich in der Form seines Lebens und sorgte maßgeblich dafür, dass sich die Baskets am Sonntagnachmittag mit einem 68:67 (41:26) gegen die Fraport Skyliners Frankfurt über ihren dritten Erfolg in Serie und den fünften Saisonsieg freuen konnten.

Wells machte seine Statistikspalten ordentlich voll: Die Fleisch gewordene Basketball-Ästhetik warf 24 Punkte, verteilte sechs Vorlagen, schnappte sich vier Rebounds, klaute dem Gegner zweimal die Kugel  und blockte sogar einmal, was bei seinen 1,86 Metern eher die Ausnahme ist. Der Spielmacher, den sie in Würzburg gerne als "General" spitznamen, weil er eine im Basketballsprech absolute Inkarnation eines "floor general" ist, traf außergewöhnliche 62 Prozent seiner Würfe aus dem Feld (acht bei 13 Versuchen) und blieb an der Linie gänzlich ohne Fehl und Tadel (sieben Treffer bei sieben Freiwürfen).

Und weil Cameron Wells - so dominant er auf dem Parkett auch auftreten kann - im Grunde offenbar eher zum zurückhaltenderen und schüchterneren Menschenschlag gehört, der nur ungern auf den Putz haut, schnappte er sich bei der traditionellen Herumhampelei nach einem Sieg auch seinen verletzten Mannschaftskollegen Brekkott Chapman, der die Humba für die Fans anstimmte - und eben nicht der wertvollste Spieler der Partie. "Es war ganz okay, wie ich heute gespielt habe", sagt der Mann des Nachmittags hernach, "es waren aber ein paar Ballverluste zuviel. Wir müssen im vierten Viertel besser auf den Ball aufpassen und im Angriff konsequenter unser Spiel spielen."

Cameron Wells (oben) "überredet" Brekkott Chapman, die Humba anzustimmen. Foto: Heiko Becker

"Er ist stabiler geworden", sagt Baskets-Trainer Denis Wucherer über seinen Point Guard Nummer eins, mit dem er nach drei gemeinsamen Jahren in  Gießen bereits die fünfte Saison zusammenarbeitet. Das sei auch für Wucherer neu, der bereits mehrfach betonte, dass Wells die Rolle als Anführer nun offensichtlich endlich verinnerlicht hat und inzwischen "in fast jedem Spiel auf hohem Niveau" liefert. "Im Endeffekt haben wir das Ding wegen der Würfe von Cam aus der Mitteldistanz gewonnen", sagt Wucherer, der beklagte, dass seiner Mannschaft nach einer im zweiten Viertel herausgeworfenen 15-Punkte-Führung in der zweiten Halbzeit offensiv nicht mehr so viel eingefallen ist. Natürlich dürfe es nicht sein, dass Wells "dann unsere einzige Option ist". War sie gegen Frankfurt aber, weil den Baskets in der zweiten Hälfte etwas ihr Spielwitz verlustig ging.

Die Frankfurter hatten sich kurz vor der Begegnung in Würzburg von ihrem US-Aufbauspieler Anthony Hickey getrennt. Der 26-Jährige hatte sich im letzten Saisonvorbereitungsspiel eine langwierige Fußverletzung zugezogen und lediglich die jüngsten zwei Partien für die Hessen bestritten, die deshalb mit lediglich vier Importspielern in der Domstadt antraten. Und mit dem ehemaligen Würzburger Leon Kratzer, der die Baskets-Center Johannes Richter, der gegen seinen einstigen Arbeitgeber zum Sprungball randurfte, und Luke Fischer kräftig auf Trab hielt. Kratzer sorgte immer wieder für Wirbel unterm Korb, was man von seiner Saison in Würzburg ja nicht unbedingt behaupten kann, als er unter Trainer Dirk Bauermann über die Rolle des Ergänzungsspielers nicht hinauskam.

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"Wir haben versucht, uns zurückzukämpfen und haben das auch ganz gut gemacht", analysierte Frankfurts Coach Sebastian Gleim: "Wir haben dann die Chance bekommen, das Spiel noch einmal zu drehen, waren aber in bestimmten Phasen, sowohl im zweiten Viertel als auch am Schluss nicht geduldig genug. Da müssen wir mental dazulernen", meinte der Trainer ganz treffend. Und auch Wucherer hatte Recht, als er sagte: "Heute hat uns ein gutes Viertel gereicht, in dem wir sowohl offensiv als auch in der Verteidigung auf einem sehr hohen Niveau gespielt haben." Er meinte den zweiten Abschnitt, in dem sich die Baskets auch dank eines 10:0-Laufs absetzen konnten.

"Es war kein schönes Basketballspiel."
Baskets-Trainer Denis Wucherer

Zur ganzen Wahrheit dieser Partie, in der der 25-jährige Kongolese Junior Etou sein sehr ordentliches Debüt gab, gehört freilich auch, dass Freunde eines kultivierteren Balltangos nur wenig Freude haben konnten an der Veranstaltung. Zu dreckig und zu sehr aufs Zerstören bedacht agierten vor allem die Gäste. Viele Nickligkeiten prägten über weite Strecken die Begegnung. Insgesamt kamen die Baskets auf nur 13 Vorlagen, dafür hatten sie 18 Ballverluste - Werte, mit denen man nicht zwingend immer ein Spiel gewinnt. Die vielleicht erstaunlichste  Erkenntnis dieses Nachmittags: Die Würzburger, die nach Wucherers Philosophie ja schnelles, passdominiertes, ergo gepflegtes Team-Basketball bevorzugen, ließen sich von dem ordentlichen Geholze nicht sonderlich beeindrucken und hielten dagegen, ohne sich selbst zu viele Fouls anhängen zu lassen. "Stimmt, es war kein schönes Basketballspiel", meinte Wucherer, der es - zumindest öffentlich - freilich freundlicher formulierte: "In Frankfurt wird so gespielt wie in den letzten Jahren immer gespielt wurde: Mit viel Herz, mit viel Einsatz und einer gut organisierten und knüppelharten Verteidigung."

Dann blickte er etwas voraus und meinte, dass seine Mannen bei den nächsten Aufgaben - gegen "die großen und physisch starken Teams" - aus Ludwigsburg (23.11., 20.30 Uhr, zu Hause) und Bamberg (26.11., 19 Uhr, auswärts) "bessere Lösungen finden müssen als heute in der zweiten Hälfte, sonst bekommen wir da große Probleme".

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