Würzburg

Wie Joshua Obiesie sein Länderspiel-Debüt erlebte

Der 19-Jährige von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg erzielte bei seiner Premiere gegen Großbritannien drei Punkte – und durfte mit seinem Auftritt zufrieden sein.
Joshua Obiesie bei seinem Dunk in Newcastle. Links von ihm sein Ex-Teamkollege Gabriel Olaseni.
Joshua Obiesie bei seinem Dunk in Newcastle. Links von ihm sein Ex-Teamkollege Gabriel Olaseni. Foto: Matthias Stickel, imago

So kann man es bei seinem Einstand natürlich auch mal krachen lassen. Es lief das zweite Viertel in der schmucken Eagles Community Arena in Newcastle, als Joshua Obiesie vor gut 3000 Zuschauern das erste Mal im Dress der A-Nationalmannschaft das Parkett betreten durfte. Ein paar Sekunden später vollendete er einen Fastbreak mit einem schönen einhändigen Dunking, bei dem er auch noch von seinem letztsaisonalen Würzburger Mannschaftkollegen Gabriel Olaseni gefoult wurde. Den Bonusfreiwurf verwandelte der 19-Jährige dann auch ganz cool. Drei Minuten und zehn Sekunden dauerte sein Länderspiel-Debüt, und natürlich hätte er auch gerne etwas länger mitgewirkt, war aber auch so "auf jeden Fall ziemlich stolz", weil ein erstes Spiel halt immer etwas Besonders sei.

Viel gedacht, sagt Obiesie, habe er sich nicht bei bei seinem Dunk: "Einfach dunken halt", und Freiwürfe sind ja auch "eine Routine so langsam". Genossen hat er die Woche im Kreise der Nationalmannschaft sehr, sagt der 19-Jährige: "Ich hatte megaviel Spaß mit den Jungs und habe auch viel gelernt." Zahlreiche interessante Gespräche mit den Kollegen und dem Betreuerstab habe er geführt - und jetzt fühlt sich Joshua Obiesie auf "jeden Fall ready für den Rest der Saison". 

Selbstverständlich ärgerte auch ihn die (sportlich unbedeutende) 73:81 (39:40)-Niederlage auf der Insel gegen Großbritannien, aber das große Basketball-Talent von Bundesligist s.Oliver Würzburg, das im Juli vergangenen Jahres die Bronzemedaille bei der U-20-Europameisterschaft in Israel gewonnen hatte, konnte jedenfalls mit sich und seiner Vorstellung im Reinen sein.

Was die meisten anderen im Team von Bundestrainer Henrik Rödl so nicht unbedingt von sich behaupten können. Unterm Strich legte die Nationalmannschaft nach dem überraschenden 83:69-Erfolg gegen Frankreich am Freitag einen ziemlich enttäuschenden Auftritt hin in ihrem zweiten EM-Qualifikationsspiel. Vor allem im Schlussviertel, dass die Deutschen mit 12:25 verloren, ging so gar nicht mehr viel zusammen gegen das internationale Basketball-Leichtgewicht, bei dem Obiesies Ex-Teamkollege Olaseni in knapp 18 Minuten Spielzeit vier Punkte machte und sich vier Rebounds schnappte.  Bester deutscher Werfer war mit 24 Punkten der Ulmer Andreas Obst.

"Es war aber auf jeden Fall eine gute Erfahrung für unsere vielen jungen Spieler, die natürlich Fehler machen, aber daraus lernen werden.“
Henrik Rödl, Basketball-Bundestrainer

„Es war lange ein knappes Spiel", meinte Rödl. "Großbritannien hat mit viel Energie gespielt und wichtige Würfe getroffen. Es war aber auf jeden Fall eine gute Erfahrung für unsere vielen jungen Spieler, die natürlich Fehler machen, aber daraus lernen werden.“ Die Niederlage wurmte Rödl bestimmt, aber er wird sich auch nicht allzulange mit ihr beschäftigen. Denn mit Blick auf das große Ziel Olympiateilnahme, das nach der verkorksten Weltmeisterschaft in China im vergangenen Herbst nun im Juni beim Qualifikationsturnier im kroatischen Split erreicht werden soll, hatte die Begegnung am Montagabend keine Aussagekraft. Schließlich fehlten wie beim Sieg gegen Frankreich sämtliche NBA-Profis um den Würzburger Maximilian Kleber und die Nationalspieler der deutschen Euroleague-Teilnehmer Bayern München und Alba Berlin.

Ziel ist die Qualifikation für Olympia

Das soll und wird sich vermutlich im Sommer ändern. Aus dem Kader, der in den vergangenen Tagen das Nationaltrikot trug, kommen lediglich ein paar Spieler für das Aufgebot in Kroatien infrage. Kapitän Robin Benzing, einst auch mal für ein Jahr in Diensten von s.Oliver Würzburg, ist gesetzt, auch Obst hat gute Chancen. Die übrigen Spieler dürften wahrscheinlich eher nicht dabei sein, wenn die deutsche Auswahl vom 23. Juni bis 28. Juni den miserablen 18. WM-Platz vergessen machen und sich nachträglich doch noch für die Spiele in Tokio qualifizieren will.

Joshua Obiesie in der Bundesligapartie in Braunschweig im Zweikampf mit Garai Zeeb.
Joshua Obiesie in der Bundesligapartie in Braunschweig im Zweikampf mit Garai Zeeb. Foto: Heiko Becker

Ab sofort wird der seit dem China-Debakel weiterhin unter Beobachtung stehende Bundestrainer seinen Fokus auf die Olympia-Qualifikation und vor allem auf die Frage richten, wie der Kader dann aussieht. Rödl steht vor einem komplizierten Personalpuzzle. Eigentlich will der Ex-Nationalspieler bereits Ende Mai mit der Vorbereitung beginnen. Das Problem: Die Play-offs in der NBA und in der Bundesliga sind dann in vollem Gange. Die NBA-Profis um Kleber, Dennis Schröder und Daniel Theis dürfen eh erst ab dem 8. Juni mit der Nationalmannschaft trainieren - erst dann beginnt die Abstellungsfrist der besten Liga der Welt. „Es ist keine einfache Situation, aber das geht allen Nationen so“, sagte Armin Andres, Vizepräsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB).

Als Co-Gastgeber bereits für die EM 2021 gesetzt

Rödl wird im kommenden Monat in die USA reisen, um mit seinen Stars die WM aufzuarbeiten und Perspektiven auszuloten. Abgesagt hat ihm bislang noch niemand, doch sicher ist vor allem ein Mitwirken von Schröder nach all der Kritik am Point Guard im Anschluss an die WM nicht. Rödl steht also vor wichtigen Wochen - weitaus wichtiger als die Pleite in Newcastle. Deutschland ist als Co-Gastgeber (eine Vorrundengruppe wird in Köln gespielt, die Finalrunde in Berlin) eh schon für die Europameisterschaft 2021 gesetzt.

Mit Informationen von dpa

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