HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

Wölfe klettern nach Nervenkitzel auf einen Aufstiegsplatz

Warum laut Trainer Klatt weder der aktuelle Rimparer Erfolg in der Liga noch der jüngste in Hüttenberg Glück ist – und wer ihn nach dramatischen Schlussminuten sichert.
Der finale Freiwurf für Hüttenberg: Markus Stegefelt überwindet zwar den Block der Rimparer Wölfe, doch Torwart Andreas Wieser lenkt den Ball mit den Fingerspitzen übers Lattenkeuz.  Foto: Steffen Bär

Komisch eigentlich, dass dieser Song in den Sporthallen nicht in der Dauerschleife läuft. Der Trainer der DJK Rimpar Wölfe hätte ihn sich gut als Einlauflied bei Heimspielen vorstellen können. Stattdessen hörte er ihn am Samstag eine Viertelstunde vor Anpfiff der Auswärtspartie beim TV Hüttenberg. "Erfolg ist kein Glück" sang Kontra K aus den Boxen, und Ceven Klatt versicherte später am Abend, er habe dem Hallen-DJ nicht seine persönliche Playlist gegeben.  

Mit 23:22 (11:7) gewannen die Unterfranken in Mittelhessen und eroberten mit ihrem fünften Sieg im siebten Spiel, dem vierten in Serie, einen Aufstiegsplatz in der zweiten Handball-Bundesliga: Punktgleich mit Spitzenreiter ASV Hamm-Westfalen sind sie nun Zweiter. "Wer schaut schon auf die Tabelle?!", meinte der DJK-Coach, konnte sich ein kurzes Grinsen aber nicht verkneifen. 

Klatt gibt den Klopp

Klatt, der an der Bank auch diesmal mitunter den Klopp gab, wechselte vom Emotionalen schnell ins Ernsthafte: "Wir arbeiten Woche für Woche hart und belohnen uns dann mit solchen Ergebnissen",  sagte der 36-Jährige. "Wir haben vielleicht nicht die individuelle Klasse wie einige andere Mannschaften, aber wir spielen diszipliniert, haben ein gutes System und einen guten Team- und Kampfgeist." Dazu komme ein gesteigertes Selbstvertrauen. "Aber auch das erarbeiten wir uns. Erfolg ist also wirklich kein Glück."

Pech wäre es gewesen, hätten die Rimparer in Hüttenberg in letzter Sekunde noch einen Punkt verloren - nachdem sie kurz zuvor mit 22:17 geführt hatten.

Sauer und Kaufmann warten mit dem 1000. Tor 

Bei diesem Stand brachen die letzten sechs Minuten im Sportzentrum an - und sorgten für unerwartete Dramatik. Rechtsaußen Julian Sauer, der bereits die Treffer 997, 998 und 999 für seinen Heimatverein erzielt hatte, scheiterte dreimal frei. Ebenso wie Steffen Kaufmann wollte ihm das 1000. Tor an diesem Abend einfach nicht gelingen. "Wahrscheinlich haben sie es sich beide für das nächste Heimspiel aufgehoben", unkte Klatt, der nur neun Feldspieler einsetzte und die Angeschlagenen allesamt schonte. Angepeitscht von den Fans in der engen Dorfturnhalle, verkürzte Hüttenbergs Regisseur Björn Zintel zum 22:23 (59).

Video

Wiesers finale Rettungsaktion

Schließlich ein finaler Freiwurf für die Gastgeber: Markus Stegefeldt lief an, stieg hoch, zog ab - und Andreas Wieser lenkte den Ball mit den Fingerspitzen übers Lattenkreuz. Der Keeper, der den kränkelnden Max Brustmann verlässlich vertrat, rettete den Gästen nach seinem 60-Minuten-Einsatz den Sieg. "Ich dachte eigentlich, Schulle (Michael Schulz, Anm. d. Red.) blockt den", äußerte Wieser nach dem Nervenkitzel mit valiumartiger Ruhe: "Wenn er mich abwirft, wirft er mich ab. Wenn er reingeht, haben wir trotzdem einen Punkt. Aber natürlich ist es geiler, dass wir beide Punkte mitnehmen." 

Mit Tempotoren gegen die 3:2:1-Abwehr

TVH-Trainer Frederick Griesbach musste nach der ersten Saisonheimniederlage "neidlos anerkennen: Unterm Strich ist der Rimparer Sieg verdient." Nur ganz am Anfang, bis zum 4:1 (6.), war sein Team das bessere gewesen. Doch dann antworteten die Gäste mit einem 5:0-Lauf, darunter vier Tempotore. Für Griesbach "der erste Schlüssel im Spiel". Für Klatt der Plan, der aufging, um gegen die unangenehme 3:2:1-Deckung der Gastgeber nicht in den Positionsangriff gezwungen zu werden. "In der ersten Halbzeit ist uns das besser gelungen als in der zweiten."

Rimpars Zweitliga-Handballer feiern nach dem Erfolg in Hüttenberg. Foto: Steffen Bär

Da verteidigten die Wölfe, die bis zur Pause nur sieben (!) Treffer zugelassen hatten, lange einen komfortablen Vorsprung. Und das, obwohl Hüttenberg "unseren Rückraum toremäßig nahezu neutralisiert hat", wie Klatt feststellte. Mehr ging über den Kreis und Außen. Und vom Siebenmeter. Dominik Schömig verwandelte alle fünf Strafwürfe und war bester DJK-Werfer. Aber auch er wusste freilich, dass weniger die erzielten Tore entscheidend waren: "Nur 22 kassiert, das ist wieder ein Spitzenwert." Es ist sogar Schnitt (21,7). Mit 152 Gegentreffern ist Rimpar aktuell Abwehrmeister. Eine Stärke, die Tradition hat. Und ein Erfolg, der ganz sicher kein Glück ist.  

Die Statistik des Spiels

Hüttenberg: Plaue (bei einem Siebenmeter), Weber (1.- 60.) - Fuß 1, Sklenak, Belter, Lambrecht 2, Rompf 2, Zörb 1, Fernandes, Stegefelt 7/4, Mubenzem 3, Hübscher, Zintel 4, Klein, Schreiber 2.
Rimpar: Wieser (1.- 60., 1 Tor), Brustmann (bei einem Siebenmeter) - Schömig 7/5, Böhm 2, Karle (n.e.), Gempp (n.e.), Schmidt, Kaufmann, Siegler 1, Meyer 2, Schulz 3, Backs (n.e.), Brielmeier 3, Herth (n.e.), Sauer 3.
Spielfilm: 1:1 (2.), 4:1 (6.), 4:6 (10.), 5:7 (16.), 7:8 (22.), 7:11 (Halbzeit), 8:13 (35.), 10:15 (40.), 12:15 (43.), 16:18 (48.), 16:20 (52.), 17:21 (54.), 20:23 (58.), 22:23 (Endstand).
Siebenmeter: 4/6 : 5/5.
Zeitstrafen: 4:4.
Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier (Korntal-Münchingen/St. Gallen).
Zuschauer: 1160.

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