Würzburgs weibliche Welle

WÜRZBURG Natürlich ist der Vergleich nicht gerecht, schon der Biologie wegen. Aber ein wenig verwunderlich ist es schon. "Wir Jungs sind immer schneller im Training als die Mädchen", sagt Philipp Weidinger, 19, vom Akademischen Ruderclub Würzburg (ARCW), "aber trotzdem sind die erfolgreicher."
Die Würzburger Medaillengewinner bei den       -  Die Würzburger Medaillengewinner bei den deutschen Jahrgangs-Meisterschaften: (von links) Anne Paul, Sebastian Eirich, Philipp Weidinger,
Konstantin Steinhübel, Ulrich Volmer, Claudia Schad und Laura Tasch. Es fehlen Hannelore Trafnick, Marie Strohmayer und Franka Tasch.
Die Würzburger Medaillengewinner bei den deutschen Jahrgangs-Meisterschaften: (von links) Anne Paul, Sebastian Eirich, Philipp Weidinger, Konstantin Steinhübel, Ulrich Volmer, Claudia Schad und Laura Tasch. Es fehlen Hannelore Trafnick, Marie Strohmayer und Franka Tasch. Foto: FOTO MAXIM STÖCKIGT
Würzburg glänzt wieder einmal in diesem Jahr mit Siegen und zahlreichen Medaillen, in keiner Sportart ist die Stadt derzeit wohl so erfolgreich wie im Rudern. Und das ist vor allem dem schwachen Geschlecht zu verdanken: Sechs der fünf Goldmedaillen, die kürzlich bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Essen erobert wurden, gingen an Athletinnen. So werden bei den Nachwuchs-Weltmeisterschaften im Spätsommer (U 17, U 19, U 23) nicht weniger als fünf Würzburger an den Start gehen - und alle fünf sind Mädchen.

Das überrascht, sehr lange war das Würzburger Rudern nämlich eine beinahe geschlossene Männergesellschaft: Ob Aushängeschilder wie der Bayern-Express oder olympischen Teilnehmer. Die Mädchen starteten erstmals in den Achtziger Jahren bei internationalen Regatten. Jetzt haben sie sich nicht nur emanzipiert, sondern dominieren sogar den Nachwuchsbereich am Main mit ihren Triumphen. So richtig weiß man noch nicht, woher das kommt.

"Mädchen müssen mehr trainieren, um gut zu sein, dadurch sind sie fleißiger", versucht Rudertrainer Philip Tibitanzl, 24, eine Erklärung, "zudem fehlen den Jungs gerade die männlichen Vorbilder." Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 holten schließlich die deutschen Frauen zwei Gold- und zwei Silbermedaillen, die Männer gingen komplett leer aus.

Als Laura Tasch (ARCW), 21, Goldsiegerin im Doppelzweier, 1996 an der Mergentheimer Straße das erste Mal ins Boot stieg, bettelte man sie noch an, bitte zu bleiben. "Damals hieß es, es gäbe viel zu wenig Mädels", erinnert sie sich. Das hat sich längst geändert, und damit auch das Klima. Um so mehr Frauen, um so mehr Erfolge. Aber auch um so zickiger gehe es manchmal am Main zu, gibt Tasch zu. Aber das ist immer noch nichts im Vergleich zu Auswahllehrgängen in der Fremde, wenn das weibliche Geschlecht unter sich ist, mit all dem Konkurrenzdenken und den Sensibilitäten: "So soll es hier in Würzburg nicht werden", sagt Tasch. Wenn die Jungs also schon ärmer an Medaillen sind, zumindest eine regulierende Rolle sollen sie im Verein noch tragen.

Lohn der harten Arbeit

Trotzdem ordnet Tibitanzl die weibliche Welle eher als Zufall ein: "Da steckt keine Systematik dahinter." Vielmehr sei der derzeitige Erfolg bei den Junioren Frucht der insgesamt aufgepäppelten Arbeitsbedingungen im ARCW und im Würzburger Ruderverein Bayern (WRVB). Tibitanzl erklärt, man habe in den letzten Jahren an Ausstattung und Logistik zugelegt, die Trainerzahl sei auf zehn verdoppelt worden, die Betreuung erfolge individueller, geplanter und effizienter und "nicht mehr so aus dem Buch heraus".

Tibitanzl erzählt dies, als sei eine wissenschaftlichen Aufrüstung vollzogen und fragt: "In welcher Sportart hat Würzburg denn schon sieben WM-Starter?" Denn auch in der offenen Klasse stellt Würzburg noch vier WM-Starter (Claudia Schad und Laura Tasch werden sich voraussichtlich in zwei Kategorien versuchen.

Daten & Fakten

Würzburger Medaillen bei den
Jahrgangsmeisterschaften in Essen
U-17, Silber, Doppelzweier (Leicht-
gewicht ± LG): Konstantin Steinhü-
bel, Ulrich Volmer (ARCW).
U-19, Gold, Vierer: Hannelore Traf-
nick, Marie Strohmayer (WRVB),
Qualifikation für die WM; Gold,
Doppelzweier (LG): Franka Tasch
(ARCW); Gold, Doppelvierer (LG):
Franka Tasch.
U-23, Gold, Doppelzweier (LG):
Claudia Schad (WRVB), Laura Tasch
(ARCW), Qualifikation für die WM;
Gold, Achter, Steuerfrau: Anne
Paul (ARCW), Qualifikation für die
WM; Bronze, Doppelvierer (LG):
Philipp Weidinger (ARCW), Sebas-
tian Eirich (WRVB).

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