BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

Xavier Cooks führt die Baskets zum Sieg

Giessen46ers - s.Oliver Wuerzburg ,Basketball, easy Credit BBL, 19.Spieltag, 03.02.2019
Mann des Abends beim 101:84-Erfolg der Würzburger Baskets in Gießen: Xavier Cooks (am Ball), hier verfolgt von Gießens Larry Gordon, erzielte 21 Punkte und schnappte sich 13 Rebounds. Foto: Thomas Jäger, HMB Media

Das nennt man eine rundum geglückte Rückkehr. Für fünf aus dem Tross von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg war die Dienstreise nach Gießen am Sonntag ja auch eine Rückkunft an die alte Arbeitsstätte. Und sie wussten nur zu genau, dass es eine ordentliche Herausforderung werden würde, auch zufrieden die Rückreise wieder antreten zu können. Und das durften sie nach dem in der Höhe zwar genauso überraschenden wie verdienten 101:84 (51:42)-Sieg bei den Gießen 46ers. Die Zeiten, in denen die Baskets „über die Schulter in den Tabellenkeller schauen“ mussten, sind damit wohl endgültig vorbei – der zur Play-off-Teilnahme berechtigende Rang acht ist nach diesem wettbewerbsübergreifend siebten Erfolg in Serie nur noch einen Sieg entfernt. Ziemlich rosige Aussichten für die Baskets also vor den nächsten drei Heimpartien gegen Schlusslicht Crailsheim (9. Februar, 18 Uhr), den Vierzehnten Göttingen (12. Februar, 20.30 Uhr) und den Sechsten Ulm (14. Februar, 20.30 Uhr).

Neuzugang Oliver nicht eingesetzt

Denis Wucherer, einer der fünf Rückkehrer, war demnach auch hochzufrieden mit dieser „insgesamt gelungenen Auswärtsfahrt“. Und dann sagte der 45-Jährige etwas, was bislang so jedenfalls öffentlich noch nicht über seine Lippen kam: „Ich bin stolz auf diese Truppe.“ Aus der stach bei einer durchaus homogenen und geschlossen guten Mannschaftsleistung in Mittelhessen Xavier Cooks hervor, der die Baskets zum Sieg führte. 21 Punkte machte der Australier und schnappte sich auch noch 13 Rebounds. „Entscheidend für den Sieg war unsere Defense“, meinte der Matchwinner. „Wir wussten, dass Gießen viele Punkte erzielen kann, aber das haben wir gut im Griff gehabt.“ Viel treffender kann man das Geschehen nicht zusammenfassen. „Xavier entwickelt sich zu einem bärenstarken Spieler“, lobte Wucherer den 23-Jährigen, der bislang lediglich für die Winthrop University in den USA spielte. „Er hat einen guten Zug zum Korb und versteht das Spiel.“

Wucherer verzichtete auf einen Einsatz von Neuzugang Devin Oliver und vertraute erstmal seinen eingespielten Mannen. Oliver ist der siebte Ausländer im Kader, sechs dürfen in der Bundesliga auf dem Spielberichtsbogen stehen, der US-Amerikaner wird wohl am Mittwoch im letzten Europe-Cup-Gruppenspiel in Szolnoki seine Premiere feiern und viele Minuten bekommen, „damit er sich mit den Jungs einspielen kann“, wie Wucherer bereits vor der Partie in Gießen erklärt hatte.

Der Trainer und seine Akteure Gabriel Olaseni, Skyler Bowlin und Cameron Wells, zusammen mit Co-Trainer Steven Key einst allesamt in Diensten der Mittelhessen, bekamen bei der Mannschaftsvorstellung warmen und sehr herzlichen Applaus – mehr Gastfreundschaft benötigten die Baskets auch erstmal gar nicht. Vom von Mike Morrison gewonnenen Sprungball weg waren die Gäste hellwach und hochkonzentriert. Ihre Führung mussten sie zur Mitte des ersten Viertels zwar mal kurz abgeben, eroberten sie sich dann aber dank flotten und homogenen Team-Basketballs zurück. Die Kugel lief gut durch die Reihen, hinten langten die Würzburger beherzt zu, und vorne trafen sie auch ziemlich hochprozentig: Elf ihrer 18 Versuche aus dem Feld fanden ihr Ziel.

Bryant aus der Partie genommen

Der zweite Abschnitt war praktisch ein Abziehbild des ersten. Weil kurz vor der Halbzeit erst Cooks auf der einen Seite und dann John Bryant auf der anderen jeweils ihre zwei Freiwürfe versemmelten, gingen die Würzburger mit einer 51:42-Führung in die Pause. Überhaupt John Bryant. Dass es den Würzburgern gelang, ihn weitestgehend aus dem Spiel zu nehmen, war sicher auch ein Schlüssel für den Sieg. Der gebürtige Amerikaner, seit Dezember im Besitz eines deutschen Passes, dominierte in dieser Spielzeit die Liga, erzielte in Gießens bis Sonntag 18 Spielen durchschnittlich 20,5 Punkte in jedem und schnappte sich gut elf Rebounds – Klassenbestwerte in beiden Kategorien. „Wir werden John Bryant nicht komplett ausschalten können“, hatte Wucherer im Vorfeld geahnt. Aber zumindest in Halbzeit eins gelang dies fast. Die Würzburger hielten den Center, dessen Erscheinungsbild allenfalls bedingt auf einen Profi-Sportler schließen lässt, vor allem in der Defensive gehörig auf Trab – so dass ihm dann vorne des öfteren die Puste ausging. Insgesamt kam der 2,11 Meter-Hüne zwar wieder auf 16 Punkte (und holte sich sieben Rebounds) – aber so dominant wie sonst war er eben nicht. „Unser Gameplan war, viel Druck auf John Bryant auszuüben. Er ist ein so talentierter Spieler, aber wir haben ihn kaum zur Entfaltung kommen lassen, das war mitentscheidend heute“, analysierte Cooks.

Sehr aufgeweckt kamen die Würzburger dann auch aus der Halbzeit – und sie benötigten gerade einmal drei Minuten für einen 14:3-Lauf, den Felix Hoffmann nach einem Fastbreak zum 20-Punkte-Vorsprung krönte (65:45). Vor allem Cooks lief in diesem dritten Viertel zu treffsicherer Hochform auf und erzielte zehn seiner insgesamt 21 Zähler. Erst als er zum Verschnaufen auf den Stuhl hinter der Bande durfte, konnten die Gießener ihren Rückstand eindampfen.

Vierter Ligasieg in Serie

Mit zehn Punkten Differenz (64:74) ging es in die finalen zehn Minuten, in der die Mehrheit der zwischenzeitlich ziemlich verstummten Menschen in der mit 3752 Besuchern ausverkauften Sporthalle Ost plötzlich wieder erwachte und Gießens Aufholjagd dezibelstark befeuerte. Bis auf sieben Zähler kamen die Hausherren dann sogar heran – ehe erneut Cooks das Heft beziehungsweise den Ball in die Hand nahm und im Alleingang für einen 7:0-Lauf zum 82:68 sorgte. Und als dann Joshua Obiesie zwei Freiwürfe versenkte und Mike Morrison die Kugel durch den Ring stopfte, führten die Baskets fünf Minuten vor Feierabend wieder mit 16 Zählern (86:70). Womit der vierte Ligasieg hintereinander eingetütet war.

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