Würzburg

Auf und zu: Unterfrankens Fußballern fehlt die Perspektive

Kontaktfrei und in kleinen Gruppen oder gar nicht: Nutzen Fußballer die Möglichkeit, wieder trainieren zu können? Und was gilt, wenn ein Verein in zwei Landkreisen spielt?
Thomas Redelberger (rechts) und Andreas Zehner vom TSV Unterpleichfeld stellen mit 'Trainingsdummies' auf. Ob und wie Sportler trainieren dürfen, hängt momentan von der Inzidenz in Stadt oder Landkreis ab. Obwohl sie könnten, verzichten auch einige Fußball-Mannschaften darauf, weil sie nicht wissen, wie es in der Saison weitergeht (Archivfoto).
Foto: Heiko Becker | Thomas Redelberger (rechts) und Andreas Zehner vom TSV Unterpleichfeld stellen mit "Trainingsdummies" auf. Ob und wie Sportler trainieren dürfen, hängt momentan von der Inzidenz in Stadt oder Landkreis ab.

Dass Sport im Freien bei einer Inzidenz unter 50 seit dem 8. März nur kontaktlos und in kleinen Gruppen von höchstens zehn Menschen möglich ist, hindert Thomas Redelberger, Trainer beim Fußball-Landesligisten TSV Unterpleichfeld, nicht: Passspiel, Koordination, Ballarbeit oder Torschuss – vieles sei möglich, nur Formen mit Zweikämpfen nicht.

Redelberger nimmt diese Möglichkeit, wieder trainieren zu können, gerne an. Die Unterpleichfelder Fußballer konnten sich in der vergangenen Woche in zeitlich versetzten Gruppen von zehn Mann auf dem Sportplatz treffen und mit Abstand zueinander kicken. Er betont, dass dieses Angebot freiwillig sei und jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob er daran teilnehmen möchte.

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Fußballer kritisieren: Sie wissen nicht, wie es mit der Saison weitergeht

Aber wie lange darf er noch? Liegt die Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen zwischen 50 und 100 können nur noch bis zu fünf Menschen aus zwei Haushalten individuell Sport zusammen treiben. Das gilt seit Sonntag in der Stadt Würzburg. Steigt sie sogar über 100, ist kontaktfreier Sport möglich, aber nur mit den Angehörigen des eigenen Haushalts und einer weiteren Person.

Selber Landkreis, selbe Liga, aber ein anderes Vorgehen: Beim ASV Rimpar bleibt zunächst alles, wie es war. Das bedeutet: "Wir trainieren schon seit Wochen individuell. Dabei bleiben wir auch, weil unter diesen Bedingungen kein konstruktives Training möglich ist", sagt Trainer Marcel Heck. Die aktuellen Lockerungen würden vor allem dem Kinder- und Jugendfußball helfen.

Kontaktfrei trainieren wolle er "nur im Notfall, falls sich das alles noch einige Wochen hinzieht". Heck vermutet: "Die Bedingungen ändern sich in den nächsten Monaten wohl nicht oder werden wieder schlechter." Er findet, dass es "langsam an der Zeit" sei, eine klare Entscheidung zu treffen, ob die Saison zu Ende gespielt oder abgebrochen werde. Denn für einen Sportler gebe es "nichts Schlimmeres, als auf etwas zu trainieren, das zeitlich noch nicht einmal definiert ist".

Auch Michael Hochrein, noch bis zum Saisonende Trainer beim TSV Lengfeld, bemängelt "das große Fragezeichen, wie die Saison weitergeht". Für ihn ist der 5. April der entscheidende Termin, an dem sich zeigen müsse, ob Kontaktsport im Freien bereits bei einer Inzidenz unter 100 ohne vorherigen Schnell- oder Selbsttest zulässig sei: "Alles andere ist für mich kein richtiges Training."

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Ein Verein und zwei Landkreise: Welche Inzidenz zählt dann eigentlich?

Alexander Ziegler, Vorsitzender der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach, stellt sich ebenfalls die Frage, "ob wir in dieser Saison überhaupt noch mal spielen". Der Verein hat Plätze in zwei Landkreisen: Schwebenried liegt im Landkreis Main-Spessart, Schwemmelsbach im Landkreis Schweinfurt. Nach welcher Inzidenz richtet er sich denn nun? "Wir trainieren mit unserer ersten Mannschaft wie bisher in Schwebenried und richten uns nach dem dortigen Wert", sagt Ziegler.

Obwohl er bei schwankenden Inzidenzen "ein ständiges Auf und Zu" befürchtet, wird Ziegler die Sportanlage generell für die Mannschaften der DJK freigeben: "Wer möchte, kann dann unter Einhaltung der jeweils gültigen Regeln trainieren."

Er stellt eine weitere Frage: "Wie soll eigentlich der Spielbetrieb in einer Liga mit sechs oder noch mehr verschiedenen Landkreisen funktionieren?" In der Fußball-Landesliga Nordwest, in der Schwebenried/Schwemmelsbach spielt, sind Mannschaften aus acht unter- und oberfränkischen Städten und Landkreisen mit dabei. Die Sieben-Tage-Inzidenzen (Stand: Sonntag, 14. März, Quelle: RKI) unterscheiden sich von Kitzingen (12,1) bis Kronach (205).

Bayernliga besteht aus 13 Landkreisen mit teils dunkelroten Inzidenzen

In der Bayernliga mit Mannschaften aus 13 Landkreisen ist das Bild noch diffuser: Sowohl die Stadt Hof (321) als auch der Landkreis Cham (195) haben noch dunkelrote Fallzahlen, beide weit weg von der 100er-Inzidenz.

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Der Landkreis Kitzingen hat bundesweit aktuell den niedrigsten Wert. Die Spieler des Bayernligisten TSV Abtswind können deshalb seit vergangener Woche "zweimal kontaktfrei trainieren", sagt ihr Trainer Claudiu Bozesan. Alle würden sich darauf freuen, "wieder mal was mit dem Ball zu machen". Schwierig sei jedoch, dass die Perspektive fehle: "Es gibt keine Signale in irgendeine Richtung." Falls die Saison fortgesetzt werde, befürchtet Bozesan eine nur kurze Vorbereitungszeit; er möchte deshalb die Zeit jetzt nutzen, um Grundlagen "vorzuarbeiten".

Harald Funsch ist derzeit vereinslos und froh, dass er sich mit solchen Dingen gar nicht erst befassen muss: "Ich leide mit meinen Kollegen und zolle ihnen großen Respekt, wie sie die Situation meistern. Ich wäre ein richtig schlechter 'Corona-Trainer'. Wenn ich am Donnerstag noch nicht weiß, ob ich am Samstag trainieren oder spielen kann – das hätte mich wahnsinnig gemacht."

Verband räumt zwar Probleme ein, wartet aber mit einer Entscheidung ab

Jedoch kann der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seinen Fußballern bis jetzt keinen verbindlichen Fahrplan nennen, wie es weitergeht. Die Verantwortlichen halten weiterhin an der 2019 begonnenen Saison fest. Sie verweisen darauf, dass noch Zeit sei zu entscheiden, wie die Saison fortgesetzt werde, räumen aber ein, dass der "Flickenteppich", der aus den lokal unterschiedlichen Inzidenzen entstehe, durchaus ein Problem sei.

Sie hoffen, dass nach der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März größere Klarheit bestehe, was erlaubt sei. "Wenn ein Biergarten öffnet, muss auch Training mit der Mannschaft wieder möglich sein", fordert BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher.

Der einzige bekannte Termin bislang: Bis 30. Juni muss die Saison in allen Ligen abgeschlossen sein. Um dieses Datum einhalten zu können, müsste aber wohl spätestens bis eine Woche nach Ostern eine Entscheidung getroffen sein, ob die Saison fortgesetzt werden kann.

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