Fußball

Ein halbes Jahrhundert für die SG Hettstadt im Einsatz

Sie haben ein großes Herz für die SG Hettstadt: Franz und Margot Rothenbucher.
Foto: Staphan Rinke | Sie haben ein großes Herz für die SG Hettstadt: Franz und Margot Rothenbucher.

Im Jahre 1960 wurde mit John F. Kennedy der seinerzeit jüngste Präsident der USA gewählt, mit Armin Hary lief ein Deutscher die 100 Meter erstmals in 10,0 Sekunden, bei den Olympischen Spielen in Rom holte sich ein gewisser Cassius Clay im Alter von 18 Jahren Gold im Boxen – und im beschaulichen Hettstadt nahm Franz Rothenbucher seine Tätigkeit bei der Fußballabteilung der Sportgemeinschaft auf. Sagenhafte 53 Jahre stand er seinem Verein mit Rat und Tat zur Seite. Mit 70 Jahren zog der Rentner nun einen Schlussstrich und beendete sein Engagement als Betreuer der ersten Mannschaft.

Er sei damals zu seinem Posten wie die Jungfrau zum Kinde gekommen sagt der 1943 in Hettstadt geborene Rothenbucher: „Ich war Vollwaise und mein Vormund erlaubte mir nicht, Fußball zu spielen. Ich hatte dann angefangen, die Spiele der Hettstädter zu dokumentieren und wurde irgendwann gefragt, ob ich nicht mehr Verantwortung übernehmen möchte.“ Eins kam zum anderen, mit gerade einmal 17 Jahren wurde Rothenbucher schließlich zum Spartenleiter Fußball gewählt, wo er bis 1981 tätig war. Als eine seiner ersten Amtshandlungen führte er mit Horst Ott einen Trainer ein. Bis heute folgten auf dieser Position 23 weitere Übungsleiter, unter ihnen „echte Typen“, wie etwa Paul Hupp. „Ich habe mit tollen Trainern und Spielern zusammengearbeitet“, erinnert sich der ehemalige Kfz-Mechaniker (45 Jahre bei Daimler) gerne zurück und wirft Namen wie Hochrein und Seuling in die Runde: „Es war eine geile Zeit, die ich nicht missen möchte.“

Ganz so einfach war es sicherlich nicht immer für seine Frau Margot, ebenfalls gebürtige Hettstädterin, mit der Rothenbucher seit 44 Jahren verheiratet ist: „Fußball kam bei ihm immer an erster Stelle. Da muss man als Frau schon einiges mitmachen“, erzählt Margot Rothenbucher, die aus der Not eine Tugend machte und sich schließlich mit der Verpflegung der Spieler und der Betreuung des Sportheims in den Verein mit einbrachte. Über Anekdoten aus der Vergangenheit können heute beide schmunzeln. So hatte es Rothenbucher bei der Taufe seines ersten Sohnes eilig – er musste wieder zum Fußball.

Leicht sei ihm die Entscheidung, endlich aufzuhören, nicht gefallen, sagt Rothenbucher: „Irgendwie ging es immer weiter. Erst hat mir die Mannschaft beim Hausbau geholfen, dann hat sie mir tolle Geburtstagsgeschenke gemacht – ich dachte jedes Mal, dass ich nicht so einfach aufhören könnte. Jetzt langt es aber, die Vorstellungen der Spieler und meine eigenen gehen einfach zu weit auseinander.“ Ein wenig Wehmut bei den Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“ kommt bei Rothenbucher allerdings schon auf: „Früher war der Fußball für die Spieler alles. Wir saßen nach den Spielen lange zusammen, haben was getrunken und gesungen. Der Zusammenhalt war einfach ein anderer. Wann wird heute noch ein Lied gesungen? Die meisten Spieler sind nach der Partie schnell wieder weg.“

Die Arbeit mit jungen Menschen

Der Spaß am Fußball und die Freude an der Arbeit mit jungen Menschen haben Rothenbucher, der nach seiner Tätigkeit als Spartenleiter 1981 Betreuer der ersten Mannschaft wurde, immer wieder motiviert, weiterzumachen. Verändert habe sich der Fußball seitdem sehr: „Früher hatte man auch mal Bälle notdürftig geflickt, es gab Plätze mit riesigen Steinen und ohne Kabinen. Da wuschen sich quasi 22 Spieler in einer Regentonne. Heute sind die Bedingungen überall gut. Außerdem ist der Fußball schneller geworden“, sagt Rothenbucher, dem man eigenen Angaben zufolge nach einer Niederlage seiner SG besser nicht über den Weg lief.

Die in Rot gekleideten Hettstädter sind übrigens nicht seine einzige Leidenschaft: Im Garten weht die Fahne des geliebten FC Bayern, lokal drückt Rothenbucher vor allem den Würzburger Kickers die Daumen: „Da sind wir früher zu Fuß zum Kickers-Stadion gelaufen. Als mir damals in der Zweiten Liga Richard Saller dort die Hand gedrückt hat, habe ich sie mir acht Tage lang nicht mehr gewaschen – so verrückt war ich!“

Eine große Abschiedsparty, die der Verein ihm anbot, wollte Rothenbucher übrigens nicht haben: „Ich weiß doch, dass der Verein kein Geld hat. Außerdem möchte man im Alter auch mal seine Ruhe haben.“ Ganz von der SG kann sich der Rentner aber nicht trennen: Nach wie vor wäscht er bei sich zu Hause die Trikots der ersten Mannschaft.

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