Zellerau

Ein Leben für den Sport

Lesegeschichte* Fußballer Leo Langhans, Basketballspielerin Jessica Schiffer und Schwimmer Sebastian Beck besuchen die 12. Klasse des Deutschhaus-Gymnasiums und erzählen, wie sie Sport und Schule unter einen Hut bekommen.       -  Ziehen an einem Strang, um am Deutschhaus-Gymnasium schulische und sportliche Leistungen zu fördern: (von links) Schulleiter Michael Schmitt, Fußballer Leonard Langhans, Basketballerin Jessika Schiffer, Schwimmer Sebastian Beck und stellvertretender Schulleiter Hartmut Braun.
Foto: Heiko Becker | Ziehen an einem Strang, um am Deutschhaus-Gymnasium schulische und sportliche Leistungen zu fördern: (von links) Schulleiter Michael Schmitt, Fußballer Leonard Langhans, Basketballerin Jessika Schiffer, Schwimmer ...

Was vereint die Basketballerin Jessika Schiffer (17 Jahre), den Fußballer Leonard Langhans (19) und den Schwimmer Sebastian Beck (17)? Die drei Schüler besuchen das Deutschhaus-Gymnasium (DHG) am Zeller Berg in Würzburg, stehen kurz vor dem Abitur und sind erfolgreiche Sportler. Was trennt sie? Am augenfälligsten die Eigenheiten ihrer jeweiligen Sportart. „In der Regel ziehe ich alleine meine Bahnen im Schwimmbad, zweimal die Woche auch Frühs vor der Schule“, berichtet Beck, der beim SV 05 Würzburg von Stefan Lurz gecoacht wird.

Die Basketballerin Schiffer hat ebenfalls hin und wieder Individualstunden, trainiert – das bringt ein Mannschaftssport so mit sich – natürlich auch oft mit ihren Mitspielerinnen von den BVUK. Sharks Würzburg. Und Langhans? „Im Prinzip bin ich voll in den Trainingsalltag der Würzburger Kickers integriert, entweder bei der Drittliga-Mannschaft oder bei der U 23.“

Hoffen auf gutes Gehalt

Langhans darf darauf hoffen, später als Profi ein gutes Gehalt zu verdienen, die anderen beiden eher nicht. Doch alle drei haben sie gute Chancen, auch beruflich ihren Weg zu gehen. Wenn alles glatt läuft, dann hat das Trio im Juni sein Abi in der Tasche. „Leistungssportler haben in der Regel viel Selbstdisziplin und sind gut organisiert. Das hilft später auch in Studium und Beruf“, sagt der frühere Basketballer Efram Yaman, der als Lehrer und Sportkoordinator am DHG beschäftigt ist.

Für Schiffer war und ist dieses Modell besonders hart. Sie zog erst vor rund eineinhalb Jahren aus Bad Honnef in Nordrhein-Westfalen los, um in Würzburg schulisch und sportlich Fuß zu fassen. „Ich hatte es mir etwas leichter vorgestellt“, gesteht die Junioren-Nationalspielerin, die bereits in der Zweiten Frauen-Bundesliga zum Einsatz kommt und mit anderen DHG-Schülern im Internat des Matthias-Grünewald-Gymnasiums wohnt: „Doch mit großem Aufwand hat es sich eingependelt.“ Die Sport- und Schulstadt Würzburg habe sich in den letzten Jahren einen guten Ruf aufgebaut, findet Yaman, so dass mittlerweile auch Schüler von weiter weg „zu uns kommen“.

Leistungssport-Orientierung ermöglichen

Die Idee hinter der vor über zehn Jahren am DHG eingeführten Sportförderung ist unverändert geblieben, nämlich vor allem den heimischen Talenten die Gelegenheit geben, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen. Der stellvertretende Schulleiter Hartmut Braun, früher Zweitliga-Fußballer in Bayreuth, erklärt: „Wir sind der festen Überzeugung, dass dies am besten gelingen kann, wenn man im lokalen oder zumindest im regionalen Umfeld eine Schule findet, die eine Leistungssport-Orientierung ermöglicht.“

Langhans weiß, was es bedeutet zu pendeln. „Da stößt man schnell an seine Grenzen“, sagt der Fußballer. Fünf Jahre lang verbrachte er zwischen Würzburg und Nürnberg viel Zeit im Verkehr, auch wenn er zeitweise vor Ort gewohnt hat. Nur so konnte Langhans die Juniorenstationen des 1. FC Nürnberg durchlaufen. Im vergangenen Sommer wechselte er schließlich zu den Kickers – und kehrte schon zuvor ans DHG zurück. „Die Türen stehen bei uns auch weiter für ehemalige Schüler offen, die es vorübergehend in eine andere Stadt zieht“, so Braun. Dass im Zweifel die schulischen Leistungen Vorrang haben, macht DHG-Schulleiter Michael Schmitt deutlich: „Vor allem anderen steht der Erfolg in der Schule. Wenn dieser Erfolg gefährdet ist, muss manchmal auch der Leistungssport zurückstehen.“

Trainer-Perspektive einnehmen

Die Nachwuchssportler werden nach Kräften von ihren Lehrern unterstützt, wie Beck, Langhans und Schiffer unisono unterstreichen. Vieles können sie sich im Selbststudium aneignen, wenn sie wegen einer Trainingseinheit vom regulären Unterricht befreit sind, bisweilen haben sie gewisse Schonfristen bei Leistungsabnahmen. Doch am Ende des Tages müssen sie die gleichen Hürden überwinden wie ihre Mitschüler. „Da wird kein Unterschied gemacht“, betont Braun. Einen generellen Notenabfall könne er jedoch nicht beobachten, im Gegenteil. Das überrascht nicht. Viele Studien belegen, dass Bewegung die kognitiven Fähigkeiten fördert.

Die Basketballerin, den Fußballer und den Schwimmer verbindet übrigens noch etwas. Während ihre Altersgenossen den regulären Sportunterricht absolvieren, schlüpft das Trio in die Rolle des Übungsleiters – und gibt sein Wissen an jüngere Jahrgangsstufen weiter. „Es war sehr spannend, mal die Perspektive einer Trainerin einzunehmen, auf die man sonst immer hören muss“, sagt Schiffer. Sportförderung am Deutschhaus-Gymnasium hat eben viele Facetten.

Informationsabend

Am Montag, 12. März, findet um 19 Uhr der jährliche Informationsabend am Deutschhaus-Gymnasium statt. In diesem Zuge wird auch die Sportförderung im Einzelnen vorgestellt. Sie ist prinzipiell für alle Sportarten offen, auch wenn es fünf Schwerpunkte gibt: Basketball, Handball, Fußball, Rudern und Schwimmen. Angestrebt wird eine kontinuierliche Entwicklung von der fünften bis zur zwölften Jahrgangsstufe, für die qualifizierte Vereinstrainer zur Verfügung stehen. Ab der achten Klasse wird eine Sportklasse angeboten. Die Schüler mit den größten Ambitionen können dann in der Oberstufe in der Sportakademie eine Art duale Karriere starten. Bereits in der Unterstufe werden die Talente auf den späteren Leistungssport vorbereitet. jr
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