Würzburg

Gelingt den Baskets noch ein versöhnlicher Saisonausklang?

Zwei Spiele stehen nun noch an – dann kann s.Oliver Würzburg diese schwierige Saison abhaken. Die Planungen für die nächste Runde laufen angeblich bereits auf Hochtouren.
Machte in seiner ersten Profisaison auf sich aufmerksam: Baskets-Rookie Tyson Ward beim Korbleger.
Foto: Heiko Becker | Machte in seiner ersten Profisaison auf sich aufmerksam: Baskets-Rookie Tyson Ward beim Korbleger.

Es ist selbstverständlich auch ein wenig undankbar und bestimmt nicht ganz einfach, die Spannung hochzuhalten und den Fokus justiert, wenn es im Grunde um nichts mehr geht als ein paar Einträge in Statistikspalten, persönliche, aber auch in die für den Verein. Einerseits.

Andererseits: Menschen, denen es vergönnt war, ihr Hobby zum Beruf zu machen, damit also ihre Brötchen verdienen und Sport professionell betreiben, darf man das zumuten, und man darf auch glauben, dass Profisportler jedes Spiel gewinnen mögen und alleine schon aus dem Berufsethos heraus stets bemüht darum sind, ihr Bestes zu geben. Vielleicht ist das aber auch zu naiv.

Klar erkennbare Defizite der Würzburger gegen Chemnitz

Nun war es in diesem Fall am Mittwoch nicht so, dass der bis Dienstagabend gegen den Abstieg kämpfende Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, der den Ligaverbleib dank Bamberger Schützenhilfe gegen Gießen auf der Couch feiern konnte, sich nicht darum bemüht hätte, den Auftakt zu einem versöhnlichen Ausklang dieser Seuchen-Runden zu legen. Einzig: "Er hat sich bemüht" will niemand, der schon einmal etwas von Zeugnissprache gehört hat, in seinem Arbeitspapier stehen haben.

Nach der 13. Heimniederlage der Baskets in dieser Runde, dem 83:84 gegen Chemnitz, würde es wahrheitsbeugender Schönfärberei gleichen, bewertete man die Vorstellung anders als mit "bemüht". "Wenigstens das" könnten die vereinsbebrilltesten Anhänger nun anmerken – aber wer diese Brille mal während der Partie abnahm, konnte die Defizite der Würzburger glasklar erkennen.

Die lagen vor allem in der Verteidigung. Chemnitz hatte in der ersten Hälfte keinen einzigen Freiwurf. Und noch ein Muster war erkennbar: die Machtlosigkeit gegen Fernwürfe. Zumindest gefühlt, verteidigt wohl kaum eine Mannschaft Dreier so schlecht wie die Baskets und kassiert folgerichtig so viele. Überdies: Die Sachsen reisten mit gerade einmal neun Spielern an, darunter ein Teenager, der dann nur zuschauen durfte. Und nach dem fünften Foul von Filip Stanic mussten die Gäste die letzten knapp fünf Minuten gar mit sieben Spielern auskommen.

Liebler will mit einem guten Gefühl in die Sommerpause

So konnten die Würzburger zwar bis in die letzte Sekunde hinein ihre Siegchance bewahren, aber Perry Jones' finaler Versuch war glücklos: Die Kugel landete am Ring. "Wir sind dem Rückstand immer wieder hinterhergelaufen, das kostet natürlich Energie", sagte Baskets-Trainer Denis Wucherer: "Immer wenn wir drauf und dran waren, den Bock umzustoßen, haben sie einen wichtigen Wurf getroffen, auch, weil wir wegen einer gewissen Müdigkeit Fehler gemacht haben."

Cameron Hunt, der diesmal für seine Verhältnisse ein wenig schüchtern agierte, machte eine weitere Ursache aus: "Vielleicht waren wir ein bisschen zu relaxed" – im Wissen, den Klassenerhalt bereits in der Tasche zu haben. Was natürlich nicht die größten Hoffnungen weckt für die noch anstehenden Partien gegen Frankfurt (Freitag, 19 Uhr) und Vechta (Sonntag, 15 Uhr).

Mit einem "guten Gefühl" will Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler in die Sommerpause gehen. Neben der Freude über die abermalige Erteilung der Lizenz mit einer Auflage – für Liebler "eine Formalie" – liefen die Planungen für die nächste Saison laut seiner Auskunft bereits "auf Hochtouren". 

Wucherers Vertrag gilt eigentlich auch für nächste Saison

Trainer Denis Wucherer hat noch für die kommende Saison Vertrag – was so ein Schriftstück letztlich Wert sein kann, hat man in Würzburg allerdings zuletzt bei seinem Vorgänger und Mentor Dirk Bauermann gesehen, der sich trotz eines gültigen Kontrakts, um dessen Auflösung er bat, dann nach China verabschiedet hat.

Inzwischen ist Bauermann wieder in Deutschland und scheiterte mit Rostock jüngst am Bundesligaaufstieg. Ins Reich der Mitte und in die ProA wird es Wucherer ganz bestimmt nicht verschlagen. Aber auch, wenn die Baskets ihn gerne halten wollen: Der Trainer, der am Freitag 48 wird, ist auch Profi genug, um etwaige Angebote sicherlich zu sondieren.

Sind seine Tage in Würzburg gezählt? Joshua Obiesie (am Ball, im Zweikampf mit dem Chemnitzer Isiaha Mike) durfte am Mittwoch gerade einmal zwei Minuten und 23 Sekunden mittun.
Foto: Heiko Becker | Sind seine Tage in Würzburg gezählt? Joshua Obiesie (am Ball, im Zweikampf mit dem Chemnitzer Isiaha Mike) durfte am Mittwoch gerade einmal zwei Minuten und 23 Sekunden mittun.

Aus der aktuellen Mannschaft haben noch die Guards Cameron Hunt (24) und Joshua Obiesie (20) sowie der langzeitverletzte, an der Rehabilitation seines Kreuzbandrisses arbeitende Center Justin Sears (27), der – nach allem, was so hört – darauf hoffen kann, einen deutschen Pass zu bekommen, einen Vertrag auch für die nächste Saison. Aber natürlich gilt auch für deren Situation: siehe Trainer.

Sind Hunt und Obiesie trotz Vertrag vor dem Absprung?

So viel Spekulation muss erlaubt sein: Ob Sears nach insgesamt drei richtig schweren Verletzungen sich überhaupt noch mal auf Bundesliganiveau heranarbeiten kann, steht in den Sternen.

Und dass jedenfalls Hunt, der durch teils spektakuläre Auftritte in seiner Premierensaison das Interesse der Konkurrenz geweckt hat, und Obiesie, der sich nicht so entwickelt hat, wie alle Beteiligten inklusive ihm selbst sich das erhofft hatten, und zuletzt den Anschein machte, auch nicht mehr wirklich glücklich zu sein in Würzburg, erneut im Baskets-Leibchen auftreten werden, erscheint derzeit reichlich wirklichkeitsfremd.

Letztlich wird es – wie immer in diesem Sport – auf den Etat ankommen, mit welchen Ansprüchen und mit welchem Personal die Baskets in die neue Saison starten dürfen.

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