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Höchste Derbyniederlage für Rimpar in Coburg

Zu wenig Emotion, zu wenig Einsatz, zu wenig von allem: Im 13. Franken-Vergleich brechen die Wölfe nach der Halbzeit ein und auseinander. Danach fallen kritische Worte.
Geknickt in Coburg: Rimpars Zweitliga-Handballer nach ihrer dritten Derbyniederlage in Serie.
Foto: Henning Rosenbusch | Geknickt in Coburg: Rimpars Zweitliga-Handballer nach ihrer dritten Derbyniederlage in Serie.

2. Bundesliga, Männer
HSC 2000 Coburg - DJK Rimpar Wölfe 28:20 (12:10)

Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff in der HUK-Coburg Arena am Samstagabend eröffnete der Hallensprecher das Vorgeplänkel des Frankenderbys zwischen dem HSC 2000 Coburg und der DJK Rimpar Wölfe mit den Worten: "Es geht los mit dem Lied des Tages." Das hatte sich Florian Billek gewünscht. Aus den Lautsprechern schlagerte Wolfgang Petrys "Der Himmel brennt!"     

Knapp zwei Stunden später zündelte Billek selbst: Als der Rechtsaußen und zweitbeste Torschütze der zweiten Handball-Bundesliga in der 53. Spielminute einen Tempogegenstoß zum 24:17 für den Spitzenreiter verwandelte, entbrannte er damit die heimischen Fans. Sie skandierten "Hier regiert der HSC!" und hissten ihr gelbes Banner mit schwarzer Aufschrift: "Wölfe, jetzt ist Zeit zum Heulen."

Wegweisender Sieg für den Spitzenreiter

Frankenderby, die 13.: für die Gastgeber eine Glückszahl, vielleicht sogar eine wegweisende. Sie gewannen den dritten fränkischen Vergleich nacheinander am Ende mit 28:20 (12:10). Für die Gäste die höchste Derbyniederlage nach davor zehn ungschlagenen Spielen bis zur Saison 2018/19.

Ob er die Siegesserie in der nächsten lieber ausbauen oder aufsteigen würde, wurde Jan Gorr gefragt. Der HSC-Trainer antwortete mit einem Lachen. "Natürlich wäre der Aufstieg ein Traum, den wir gerne leben würde", sagte er dann. "Aber falls das nicht klappt, können wir uns ja damit trösten, dass wir die Chance haben, weiter an unserer Serie zu arbeiten." Seinem DJK-Kollegen Ceven Klatt war nach Scherzen nicht zumute. "Ich hätte mir heute mehr Emotion gewünscht und dass sich die Mannschaft mehr wehrt", äußerte er. 

Redete Klatt die Emotion schon vor dem Derby weg?

Emotion. Das war denn das strapazierteste Wort bei den Wölfen. Torwart Max Brustmann, der vor seinem Karriereende 2020 sein letztes Mal in Coburg auflief, zeigte Kante: "Uns hat das gefehlt, was ein Derby ausmacht: die Emotionen, der Wille, der Einsatz, der Spaß." Die Ursache dafür suchte er bereits vor Beginn der Begegnung. "Es war schon vorher klar, dass es kein Derby ist. Es wurde ja kommuniziert, dass wir ein ganz normales Spiel hier spielen. Ich weiß nicht, inwiefern das auf die Mannschaft durchschlägt. Ist halt dann so, als ob wir in Krefeld spielen." Ob der 37-Jährige damit die Aussage seines Trainers kritisierte, für ihn persönlich sei seine Derby-Premiere eine Partie wie jede andere?

Tatsächlich begann das wie immer intensive Duell vor 3230 Zuschauern wie fast alle bisherigen zwischen den Regionalrivalen: ausgeglichen und umkämpft. Nach einer Viertelstunde stand es 6:6. Dann bestrafte Coburg drei offensive Wölfe-Fehler in Folge mit einem 3:0-Lauf (9:6, 19.). Im Rimparer Angriff hakten so manche Rädchen. Das fing bei den Pässe an - einige waren im wahrsten Sinn des Wortes für die Füße. Und es hörte bei waghalsigen (Kreis-)Anspielen und technischen Fehlern auf. Dadurch "haben wir den Gegner stark gemacht", urteilte Geschäftsführer Roland Sauer. "Ab dem Zeitpunkt ist uns das Spiel aus den Händen geglitten. Der Einsatzwille hat gefehlt."

Linksaußen Schömig bester Rimparer

Für gelungene Aktionen vor dem grün-weißen Fanblock sorgte hauptsächlich der beste Rimparer Dominik Schömig, mit vier Treffern erfolgreichster Werfer. Nach einem Konter des Linksaußen (20.) gelang den Wölfen acht Minuten lang kein Tor mehr aus dem Feld. "Trotz der verbaselten Bälle waren wir im Spiel", kommentierte Klatt den Pausenstand von 12:10.

Nach dem Seitenwechsel verkürzte der gute Lukas Böhm aus dem rechten Rückraum noch mal zum 12:13 (36.), doch nach einem weiteren 0:3-Lauf brachen die Unterfranken ein - und  auseinander. Ihnen fehlte es gegen die bewegliche Deckung der Oberfranken teils nicht nur an Ideen, sondern vor allem auch im Abschluss gegen den sich steigernden HSC-Keeper Jan Kulhanek. 

Brustmann hat bei seinem letzten Mal in Coburg keinen Spaß

"Wir haben zu viele freie Bälle verworfen", haderte Klatt mit dem Anfang vom Ende. Gorr rechnete vor: "Wir haben aus den ersten zehn Angriffen in der zweiten Halbzeit acht mit einem Tor abgeschlossen. Und aus fünf gehaltenen Torwartbällen wurden nach der Pause elf." Der zweitbeste Angriff der Liga überlief die zweitbeste Abwehr mehrmals erfolgreich mit der zweiten Welle und zeigte auch aus dem Rückraum seine Klasse. Näher als auf vier Tore kam Rimpar nicht mehr ran. Insgesamt war es zu wenig.

"Es hat heute keinen Spaß gemacht", bekannte Brustmann (7 Paraden), der noch für Andreas Wieser (3) ausgewechselt wurde (45.). Statt Spaß "habe ich nur Arbeiter gesehen". Roland Sauer bilanzierte "die bisher bitterste Derbyniederlage: Die letzten beiden Male hatten wir wenigstens noch eine Chance."

Während die Verlierer vor ihrem Weihnachts-Heimdouble geknickt auf der Bank saßen, tanzten die Sieger zum Hit der "Atzen": "Hey, das geht ab! Wir feiern die ganze Nacht!"

Die Statistik des Spiels

Coburg: Kulhanek (1.- 57.), Poltrum (bei einem Siebenmeter, 58.-60.) - Jaeger 3, Wucherpfennig 1, Spross, Weber 5, Billek 6/3, Timm, Knauer, Zettermann 5, Varvne 3, Zeman 1, Schröder 4, Neuhold.
Rimpar: Brustmann (1.- 44.), Wieser (45.-60.) - Schömig 7/2, Böhm 2, Karle (n.e.), Gempp, Schmidt 3/1, Kaufmann 1, Siegler, Meyer, Schulz 3, Backs (n.e.), Brielmeier, Herth 3, Sauer 1.  
Spielfilm: 1: 2 (4.), 3:2 (7.), 4:4 (11.), 6:6 (15.), 9:6 (19.), 11:7 (24.), 12:10 (Halbzeit), 13:12 (36.), 16:12 (38.), 19:14 (43.), 21:17 (50.), 28:20 (Endstand).
Siebenmeter: 3/4 : 3/4.
Zeitstrafen: 3:5.
Schiedsrichter: Michael Kilp/Christoph Maier (Oberursel/Steinbach).
Zuschauer: 3230.

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