Fussball: Dritte Liga

Luft nach oben: Kickers brauchen mehr Gefahr nach Standards

Die Mannschaft von Trainer Michael Schiele spielt sich gegen den FC Magdeburg viele Chancen heraus, verliert aber 0:1. Bei ruhenden Bällen sind die Rothosen zu harmlos.
Kein seltenes Bild beim Heimspiel der Kickers gegen Magdeburg: Torwart Morten Behrens schnappt sich den Ball vor Rothosen-Kapitän Sebastian Schuppan (27) und Dominic Baumann (rechts).
Kein seltenes Bild beim Heimspiel der Kickers gegen Magdeburg: Torwart Morten Behrens schnappt sich den Ball vor Rothosen-Kapitän Sebastian Schuppan (27) und Dominic Baumann (rechts). Foto: foto2press/Frank Scheuring

Zwar sind die Würzburger Kickers bei ihrer Geisterspielpremiere am Dallenberg leer ausgegangen. Die von "Pele" Wollitz trainierten Magdeburger nahmen die drei Punkte dank eines knappen 1:0-Erfolgs mit nach Hause. Trotzdem zeigte das Team von Trainer Michael Schiele am Dienstagabend kein schlechtes Spiel - einzig die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. Zudem wirkten die Rothosen bei Standardsituationen in der Offensive nicht wirklich zwingend.

Ein Kopfball nach einem Eckstoß genügte den Gästen aus Sachsen-Anhalt, um sich den Sieg zu sichern. Tobias Müller nickte den Ball relativ unbedrängt in die Maschen des FWK-Gehäuses (38.). "Da sind wir nicht am Mann, das darf so nicht passieren", kommentierte Schiele. Im Vergleich zum 3:1-Auswärtssieg beim SV Meppen lieferten die Kickers, die gegen Magdeburg unverändert aufgelaufen waren, abgesehen von den Toren aber sogar ein besseres Spiel als in Meppen ab - dieses Fazit legt zumindest ein Blick auf die Statistik nahe.

Passgenauer und zweikampfstärker

Im Vergleich der beiden Würzburger Partien nach der Corona-Pause hatten die Kickers gegen Magdeburg mehr Ballbesitz (54 statt 42 Prozent), entschieden mehr Zweikämpfe für sich (55 statt 52 Prozent) und spielten insgesamt mehr Pässe (355 statt 284), die genauer ankamen (78 statt 71 Prozent). Im ersten Geisterspiel der Kickers am Dallenberg kam die Mannschaft auf zwölf Schüsse, nur einer davon kam aber auf das gegnerische Tor. In Meppen waren vier der insgesamt fünf Versuche zielgenau, drei landeten im Netz. 

Abgesehen vom Ergebnis und der Chancenverwertung zeichnen die Daten ein gutes Bild. Diese Einschätzung teilte auch der Trainer bei der Pressekonferenz. "Magdeburg war kaltschnäuzig, so wie wir es am Samstag in Meppen waren. Wir haben in der zweiten Hälfte trotzdem Moral bewiesen und kein schlechtes Spiel gezeigt. Uns hat heute nur das Tor gefehlt", sagte Michael Schiele.

Kaum Gefahr nach ruhenden Bällen

Weniger positiv scheint die Statistik beim Blick auf Eck- und Freistöße. Aus sechs Eckbällen - drei trat Albion Vrenezi, der seine fünfte Gelbe Karte sah und am Samstag bei 1860 München fehlen wird, zwei Simon Rhein und einen Robert Herrmann - resultierte keine Aktion, die als Torschuss gewertet werden kann. Entweder klärte die Magdeburger Abwehrreihe um Spielführer und Siegtorschütze Tobias Müller, oder Torwart Morten Behrens pflückte den Ball aus der Luft.

Ähnlich sieht es bei den Freistößen aus. Aus sieben Versuchen - drei Mal servierte Vrenezi, zwei Mal Rhein und zwei Mal Herrmann - hatten die Kickers nur eine gefährliche Aktion zu verzeichnen: Nach Vrenezis Freistoß von der rechten Außenseite kam Sebastian Schuppan zum Kopfball, der Versuch des Kapitäns strich jedoch knapp am Pfosten vorbei (25.). Dass die Kickers in dieser Hinsicht nachbessern müssen, gab schließlich - wenn auch ungern - der Trainer zu. "Da ist noch Potenzial nach oben", kommentierte Schiele.

Mit gestrecktem Bein voraus: Kickers-Torwart Vincent Müller muss nach dieser Aktion des Magdeburgers Anthony Roczen verletzt vom Feld, der Übeltäter sah nicht einmal die Gelbe Karte.
Mit gestrecktem Bein voraus: Kickers-Torwart Vincent Müller muss nach dieser Aktion des Magdeburgers Anthony Roczen verletzt vom Feld, der Übeltäter sah nicht einmal die Gelbe Karte. Foto: Heiko Becker

Müller nach Tritt ins Gesicht ins Krankenhaus

Keine offiziellen Neuigkeiten gibt es zur Verletzung von Kickers-Torwart Vincent Müller. Der 19-jährige Schlussmann musste in der 43. Minute verletzt ausgewechselt werden, nachdem er bei einer Abwehraktion im eigenen Strafraum den gestreckten Fuß von Anthony Roczen ins Gesicht bekommen hatte. Eine Karte gab es von Schiedsrichter Tobias Fritsch für diese Aktion nicht. Für Müller ging Ersatzkeeper Eric Verstappen zwischen die Pfosten, der einen guten Eindruck hinterließ. Müller wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht. Eine erste Diagnose hatte ergeben, dass der Torhüter bei der Kollision eine Gehirnerschütterung erlitten hatte.

Wie schwer die Verletzung des 19-Jährigen ist, ist derzeit noch unklar. Ein Einsatz am Samstag, wenn die Kickers beim TSV 1860 München zu Gast sind (14 Uhr), erscheint aber schwer vorstellbar. Bei den Löwen hat die Mannschaft von Michael Schiele die Möglichkeit, wieder Boden gut zu machen. Denn trotz der Niederlage gegen Magdeburg ist für die Rothosen auf Rang acht noch alles drin. Mit 44 Punkten haben die Kickers nur drei Zähler Rückstand auf die punktgleichen Mannheimer (2.) und Unterhachinger (3.), die Münchner Löwen (5.) sowie Duisburg (1.) können am Mittwochabend noch auf 48 bzw. 50 Punkte davonziehen.

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