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Rimparer Wölfe: Die beste Abwehr der Liga belohnt sich nicht

Nach sechs Spielen zieht Trainer Ceven Klatt Zwischenbilanz und ist teilweise zufrieden. Woran es bei seinem Team noch hapert, zeigt die vermeidbare Niederlage in Lübeck.
Lübeck-Schwartaus Niels Versteijnen (am Ball) überwand die  Rimparer Abwehr (von links Yonatan Dayan, Tommy Wirtz, Michael Schulz) in der entscheidenden Schlussphase dreimal.
Foto: 54° / Felix Koenig | Lübeck-Schwartaus Niels Versteijnen (am Ball) überwand die  Rimparer Abwehr (von links Yonatan Dayan, Tommy Wirtz, Michael Schulz) in der entscheidenden Schlussphase dreimal.

Handball, 2. Bundesliga
VfL Lübeck-Schw
artau - DJK Rimpar Wölfe 23:21 (10:13)

Am Samstagmorgen um 4.30 Uhr waren sie zurück an der Schlachterei in Rimpar; von dort aus starten die Zweitliga-Handballer zu ihren Auswärtsspielen. Nach 1140 Kilometern und 20 Stunden auf der Straße, rund 15 davon im Bus. Als sie ihn schlaftrunken ausluden, fehlte nur eines im Gepäck: zwei Punkte.

Die schienen eigentlich schon eingetütet. Und zumindest ein Zähler wäre auch gerecht gewesen. Doch stattdessen trat genau der Fall ein, den Trainer Ceven Klatt explizit hatte vermeiden wollen: "Wir fahren nicht so weit, um Geschenke abzugeben", hatte er vor der weitesten Reise der Saison gesagt. Am Freitagabend aber verschenkte die DJK Rimpar Wölfe im Geisterspiel beim VfL Lübeck-Schwartau den möglichen Sieg.

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55 Minuten lang - bis zum 20:20 - waren die Unterfranken in der leeren Hansehalle nach einem lange konzentrierten Auftritt mit stabiler Abwehr nicht einmal hinten gelegen, hatten sogar Anfang der zweiten Halbzeit mit 15:10 (33.) geführt. Doch was nützt das, wenn nach 60 Minuten der Gegner vorn liegt und sich mit dem 23:21 (10:13) selbst noch überrascht? 

Die Ursache für die unglückliche Niederlage war evident: Die Wölfe warfen in den letzten 18 Minuten nur noch drei Tore, zwei davon aus dem Feld. Unter den ausgelassenen klaren Chancen war ein Siebenmeter von Tommy Wirtz bei der letzten Führung (19:20, 53.), der an Dennis Klockmann scheiterte.

Ironie im Torhüterduell

Ironie des Schicksals: Mit dem VfL-Keeper läutete ausgerechnet derjenige die Wende ein, der in der ersten Hälfte noch gegen seinen ehemaligen Mannschaftskollegen und Lübecker Jung', Marino Mallwitz, verblasst war. Als Klockmann nach 18 Minuten ausgewechselt wurde, stand es im Torhüterduell 0:8, was gehaltene Bälle betrifft. Doch in der Schlussphase avancierte der Routinier noch mal zum entscheidenden Faktor. Genauso wie Neils Gerardus Versteijnen, der aus dem rechten Rückraum sowohl den Ausgleich als auch die letzten beiden Treffer für die plötzlich wie angeknipst wirkenden Nordlichter markierte.

Neben Mallwitz der auffälligste Akteur der Gäste war Rechtsaußen Felix Karle, Herr Hundertprozent. Der 20-Jährige, der noch länger den verletzten Julian Sauer vertreten wird müssen, zeigte im dritten Spiel in Serie eine tadellose Leistung, die er mit vier Treffern bei null Fehlversuchen krönte.

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Damit stehen Mallwitz und Karle symbolisch für das, was bei den Wölfen in dieser Saison generell schon gut funktioniert: "Ich bin über weite Strecken zufrieden mit unserem Abwehr- und Torhüterspiel", zog Klatt am Sonntagmorgen nach bisher sechs absolvierten Partien eine Zwischenbilanz. Unter den Teams, die mindestens schon genauso viele bestritten haben, stellen die Rimparer aktuell die beste Deckung der Liga. "Auch unser Umschaltspiel ist besser geworden", ergänzt der DJK-Coach.

Optimierungsbedarf sieht der 37-Jährige noch im Rückzugsverhalten und in der Effizenz gegen Ende von Spielen. "Gegen Hamm und Lübeck-Schwartau haben wir in der letzten Viertelstunde zu viele klare Chancen vergeben." Im Heimspiel wirkten die Wölfe durch (zu) wenige Wechsel völlig platt. Auswärts nun verteilte Klatt die Einsatzzeiten besser und gönnte seinen Jungs Pausen. "Nachlassende Kräfte können es also diesmal nicht gewesen sein", betonte er. 

Positive Tordifferenz

Klatt erhofft sich für die Zukunft, dass "wir hintenraus stabiler, fokussierter und abgeklärter" sind "und uns noch mehr belohnen. Denn solange wir uns an den Plan halten, spielen wir sehr erfolgreich im Angriff." Dass die Wölfe, die auf Rang acht voll im Soll sind, mal eine positive Tordifferenz (+11) ausweisen, war in der Vergangenheit höchst selten.

Am Samstag,  21. November, haben sie die nächste Gelegenheit, erfolgreicher zu sein - unter ähnlich widrigen Voraussetzungen. Statt an die Ost- geht es dann an die Nordsee zur zweitweitesten Auswärtsfahrt. Nach Wilhelmshaven sind es hin und zurück 1080 Kilometer. Mit zwei Punkten im Gepäck wären die Strapazen bei der Ankunft an der Schlachterei sicher schneller vergessen. 

Die Statistik des Spiels

Lübeck-Schwartau: Klockmann (1. - 17., 43. - 60.), Conrad (18.-42.) - Glabsich 3, Potratz, Gonschor 2, Raguse, Andersson 7/4, Hansen, Löfström 1, Waschul, Schult 3, Versteijnen 7, Schrader, Kretzschmer, Hagen.
Rimpar: Mallwitz (1. - 60.), Wieser (bei einem Siebenmeter) - Schömig 1, Böhm 1, Karle 4, Neagu (n.e.), Schmidt 3/1, Kaufmann 2, Wirtz 2/2, Meyer, Schulz, Dayan 4, Kovacic, Brielmeier 4.
Spielfilm: 0:2 (3.), 3:3 (5.), 5:7 (13.), 6:9 (17.), 9:13 (24.), 10:13 (HZ), 10:15 (33.), 13:15 (36.), 14:18 (42.), 18:19 (51.), 20:20 (55.), 23:21 (Endstand).
Siebenmeter: 4/4 : 3/2.
Zeitstrafen: 3:3.
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