Basketball: Bundesliga

s.Oliver Würzburg: Ein Duell der Spielmacher

Cameron Wells (rechts, hier im Duell gegen Alba Berlins Landry Nnoko) ist in der aktuellen Runde der treffsicherste und mit Abstand effektivste Baskets-Akteur. Foto: Heiko Becker

Wenn man nicht alles selber macht! Man konnte leicht auf die Idee kommen, dass Denis Wucherer sich das gedacht hatte, beobachtete man die Trainingseinheit unter der Woche. Wucherer, einst Guard mit der Erfahrung von 123 Länderspielen und Silbermedaillengewinner bei der Europameisterschaft 2005, verteilte die Bälle, und seine Akteure übten Spielzug um Spielzug, Wurf um Wurf. Immer war der Ausgangspunkt der Cheftrainer von Basketball-Bundesligist s. Oliver Würzburg, der so gar nicht zufrieden war mit dem Auftritt seiner Guards am vergangenen Wochenende in der zweiten Hälfte beim 91:79-Sieg gegen Syntainics MBC.

Die Baskets suchen ja nach einem Ersatz für den langzeitverletzten Brekkott Chapman, und wenn man dann Wucherer augenzwinkernd fragt, ob er noch einen gültigen Spielerpass besitzt, beginnt er herzhaft zu lachen und meint: "Muss ich mal schauen, wo der ist." Das Bemühen, den 25-jährigen Kongolesen "Junior" Etou, beim französischen Erstligisten Cholet unter Vertrag, unter Würzburger Fittiche zu nehmen, war zuletzt zwischenzeitlich mal als ad acta, also erledigt, gescheitert, verkündet worden - nach Informationen dieser Redaktion allerdings erscheint es doch nicht mehr so ganz unwahrscheinlich, dass Etou künftig in Würzburg Körbe wirft. Am Freitag verkündete sein bisheriger Klub den Abschied, ohne das Ziel des Vereinswechsels zu nennen. Es bleibt eine Hängepartie.

Eine ungewisse Zeit, die die Baskets sicherlich nicht wirklich genießen in diesen für sie so richtungsweisenden Tagen. "Die nächsten Wochen werden spannend", meint Wucherer mit Blick auf das November-Programm mit dem samstäglichen Gastspiel in Ulm (18 Uhr), den zwei Heimpartien gegen Frankfurt (17.11., 15 Uhr) und Ludwigsburg (23.11., 20.30 Uhr) sowie dem Frankenderby in Bamberg (26.11., 19 Uhr). "In dieser Liga", glaubt Florian Koch, der einen ziemlichen Entwicklungssprung im Vergleich zur vergangenen Saison gemacht hat, "kannst du gegen jeden verlieren, wenn du nicht konzentriert bist und ohne Energie spielst. Du kannst aber auch gegen jeden gewinnen".

"Er hat die Rolle des Anführers angenommen."
Baskets-Trainer Denis Wucherer über seinen Kapitän Cameron Wells

Als "guten Gradmesser" bezeichnet Wucherer die Aufgabe bei den Schwaben, die am vergangenen Sonntag in Berlin drei Viertel lang  beeindruckten, erst in den letzten zehn Minuten von den durch zwei Euroleague-Auftritten in der Woche noch etwas müde gewesenen Hauptstädtern überrollt wurden und letztlich doch noch mit 89:109 unterlagen. Am Mittwochabend verpassten die Ulmer dann im Eurocup bei Virtus Bologna, einem der Wettbewerbsfavoriten, nur knapp eine Überraschung (91:92).  Davon, dass es bei den Gastgebern ergebnistechnisch noch nicht so läuft (erst ein Sieg in fünf Bundesligapartien zum Saisonauftakt gegen Vechta), will sich Wucherer nicht blenden lassen: Als "Mannschaft mit sehr viel Talent und Qualität", die sich noch in "der Findungsphase" befindet, bezeichnet der 46-Jährige den Kontrahenten, den er als ziemlich sicheren Play-off-Teilnehmer sieht.

Das vielleicht größte Talent der Ulmer sorgte in Berlin für mächtig Furore. Killian Hayes, gerade einmal 18 Jahre alter französisch-amerikanischer Aufbauspieler, stand in der Starting Five und über 30 Minuten auf dem Parkett (so lange wie keiner seiner Kollegen), er erzielte elf Punkte und gab alleine in der ersten Hälfte elf Vorlagen. Ein "unfassbar gutes Talent" meint Wucherer, der freilich auf die Ausgeglichenheit des Kaders der Schwaben verweist und meint: "Wenn wir nur versuchen, Hayes aus dem Spiel zu nehmen, wird uns das nicht sehr viel weiterhelfen."

Ein offenbar eher zurückhaltender Zeitgenosse

Es könnte also am Samstag zu einem Duell der Spielmacher kommen, das auch über Sieg und Niederlage entscheidet. Cameron Wells ist – abgesehen von der zweiten Hälfte am vergangenen Samstag, als er in der Schlussphase aber auch spielentscheidende Aktionen hatte – in überragender Verfassung. Der Texaner steht am längsten aller Baskets-Akteure auf dem Feld, ist mit durchschnittlich 16,2 Punkten pro Partie und 6,3 Vorlagen der treffsicherste und mit Abstand effektivste aller Würzburger. Der Kapitän, abseits des Parketts offenbar ein eher zurückhaltender Zeitgenosse, dem es augenscheinlich ziemlich wesensfremd ist, kräftig auf den Putz zu hauen, glaubt zwar nicht,  dass die Partie in Ulm mehr als andere Begegnungen über die Spielmacherposition entschieden wird. Aber er verneint auch nicht, dass sich sein Spiel etwas gewandelt hat. Zielstrebiger als noch in der vergangenen Runde geht er zu Werke. "Ich versuche immer aggressiv zu sein", sagt der 31-Jährige, über den sein Trainer sagt: "Er hat die Rolle des Anführers angenommen."

Wells trifft aktuell sehr viele gute Entscheidungen, wie die Basketballer eine sehr gute Leistung gerne umschreiben, und sein  Selbstvertrauen auf dem Spielfeld erscheint derzeit nur schwerlich zu erschüttern zu sein. Er will alles dafür tun, es weiter zu steigern. Und wenn's mal nicht so rund läuft wie zuletzt in der zweiten Hälfte gegen den MBC – sei's drum: "Muss man sich eben durchbeißen."

Rückblick

  1. s.Oliver Würzburg: Einer von Wucherers Lieblingen
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