Winterhausen

Ehemaliges Top-Talent: Wie Matthias Schneider Kindern jetzt das Fußball-Einmaleins beibringt

Um die Jahrtausendwende war er wohl einer der begabtesten Fußballer dieser Region. Was der 47-Jährige heute macht und warum er lieber den kickenden Nachwuchs trainiert.
Matthias Schneider spielte während seiner aktiven Zeit bei den Würzburger Kickers, beim Würzburger FV und TSV Sulzfeld in höheren Ligen. Heute trainiert er die U-9-Junioren in Winterhausen und übernimmt zur neuen Saison die U 13 bei der JFG Maindreieck Süd.
Foto: Jürgen Sterzbach | Matthias Schneider spielte während seiner aktiven Zeit bei den Würzburger Kickers, beim Würzburger FV und TSV Sulzfeld in höheren Ligen.

Auf dem Winterhäuser Sportplatz stellt Matthias Schneider Hütchen im Kreis auf. Akribisch achtet er darauf, dass alle an der passenden Stelle stehen und die Abstände zueinander passen – nicht nur zwischen den Hütchen, sondern wegen der Corona-Situation auch zwischen den Kindern.

Als er die nächste Übung ansagt, hat er aufmerksam Zuhörende um sich. "Wir haben das kontaktlose Training erst mit einer Gruppe eingeführt, danach auf eine zweite erweitert und durchgezogen. Die Kinder machen toll mit, das ist klasse", findet Schneider. "Nur sie fragen immer, warum sie kein Abschlussspiel machen dürfen. Das fehlt ihnen ungemein."

Der 47-Jährige trainiert seit einigen Jahren in Winterhausen den kickenden Nachwuchs, aktuell die U-9-Junioren. Die Kinder, die noch nicht erlebten, dass eine andere Mannschaft als Bayern München Deutscher Meister war, wissen freilich nicht, dass ihr Trainer, der Matthias, um die Jahrtausendwende einer der besten Fußballer dieser Region war.

Schneider ist als Fußballer in einer Zeit groß geworden, in der die talentiertesten Nachwuchsfußballer noch nicht in den Leistungszentren der großen Vereine zusammengezogen wurden. "Es hat sich sehr viel geändert seit meiner Zeit. Die Chancen für einen jungen, talentierten und motivierten Spieler sind größer geworden", vergleicht er das Damals mit dem Heute. Das Training sei höherwertiger geworden und die Trainer heutzutage besser ausgebildet.

Aufstiege mit dem WFV und Sulzfeld

Mit 16 Jahren wechselte Schneider von seinem Heimatverein Euerfeld zu den Würzburger Kickers. Dort spielte er mit der A-Jugend in der höchsten Liga. Bei den Kickers und später beim Würzburger FV prägte er den höherklassigen Fußball in der Stadt. In seinem letzten Jahr beim WFV, er war Kapitän, stieg die Mannschaft in die Bayernliga auf.

Matthias Schneider (rechts), hier im Oktober 1998 an der Mainaustraße gegen den TSV Gerbrunn, stieg mit dem Würzburger FV in die Fußball-Bayernliga auf (Archivfoto).
Foto: Fabian Frühwirth | Matthias Schneider (rechts), hier im Oktober 1998 an der Mainaustraße gegen den TSV Gerbrunn, stieg mit dem Würzburger FV in die Fußball-Bayernliga auf (Archivfoto).

Jedoch ging er zum zwei Klassen tiefer spielenden TSV Sulzfeld (Lkr. Kitzingen), der gerade frisch in die Bezirksoberliga aufgestiegen war. "Sportlich war das kaum nachvollziehbar, aber mir war damals das Studium, das ich begonnen hatte, wichtiger", sagt Schneider. Auch in Sulzfeld hatte der Mittelfeldspieler seinen Anteil daran, dass die Mannschaft in die Landesliga durchmarschierte. Insgesamt acht Jahre spielte er im Maustal.

"Der Fußball hat mir sehr viel gegeben, ich hatte sehr viel Spaß daran. Diese Zeit möchte ich auf keinen Fall missen", blickt Schneider zurück. Schon damals begann er den Nachwuchs zu fördern: Von 2004 bis 2010 war er – zusammen mit Roland König, Raimund Eichelbrönner und Jochen Seuling – in Randersacker als DFB-Stützpunkttrainer tätig: "Dort hatten wir die besten Spieler aus den umliegenden Vereinen zusammen, die unbedingt weiterkommen wollten."

Mit den Bambinis neu angefangen

Um nicht nur seinem Sohn, sondern auch anderen Kindern zu ermöglichen, auch im Heimatort kicken zu können, belebte der Diplom-Handelslehrer und Sportlehrer 2014 in Winterhausen seine Sportart im Einstiegsalter wieder. "Wir haben ganz klein mit den 'Bambinis' angefangen und die ersten drei Altersklassen bis zur U 11 aufgebaut", erinnert er sich.

Matthias Schneider (vorne rechts) behauptet den Ball im April 2004 vor Stefan Hebling von der TG Höchberg. Mit dem TSV Sulzfeld stieg Schneider in die Fußball-Landesliga auf.
Foto: Fabian Frühwirth | Matthias Schneider (vorne rechts) behauptet den Ball im April 2004 vor Stefan Hebling von der TG Höchberg. Mit dem TSV Sulzfeld stieg Schneider in die Fußball-Landesliga auf.

Zur neuen Saison übernimmt Schneider die U-13-Junioren bei der JFG Maindreieck Süd, der auch der FC Winterhausen und die TSG Sommerhausen, die sich 2019 zu einer Spielgemeinschaft zusammenschlossen, angehören. In dieser Altersklasse sind nun jene Spieler, für die er vor sieben Jahren erstmals ein Training organisierte.

Schneider, selbst als Fußballer als "Ausnahmekönner" und "Zauberer" geadelt, will den Kindern "Freude und Spaß für diese faszinierende und gleichzeitig komplexe Sportart vermitteln", sie sportlich und persönlich weiterbringen, und das trotz der vielen Einflüsse, die sie in diesem Alter vom Sport ablenken können. "Das Durchhaltevermögen ist beim einen oder anderen nicht mehr so ausgeprägt wie damals bei uns", stellt er fest.

Der soziale Aspekt ist ihm wichtig

In seinem Beruf hat der Sport keinen Stammplatz mehr wie damals als Lehrer an der Kitzinger Berufsschule. Schneider ist in der Schulaufsicht der Regierung von Unterfranken tätig und dort für berufliche Schulen im Bereich der Agrar- und Hauswirtschaft sowie des Sozial- und Gesundheitswesens zuständig. 2014 ging er zur Behörde und koordinierte die Berufsintegrationsklassen für Geflüchtete in ganz Unterfranken.

Früher auf dem Platz gab er als Kapitän und Spielmacher unter anderem beim Würzburger FV die Richtung vor. Heute vermittelt Matthias Schneider Kindern das Fußball-Einsmaleins.
Foto: Jürgen Sterzbach | Früher auf dem Platz gab er als Kapitän und Spielmacher unter anderem beim Würzburger FV die Richtung vor. Heute vermittelt Matthias Schneider Kindern das Fußball-Einsmaleins.

In den vergangenen Wochen, noch geprägt durch Corona-Beschränkungen, seien nicht nur Kinder und Jugendliche dem Sport verloren gegangen, sondern auch manche zum Sport zurückgekehrt: "Mittlerweile bolzen auf dem Platz Kids, die ich jahrelang nicht mehr dort gesehen habe. Sie haben das Fußballspielen für sich entdeckt. Fußball verbindet sie – dieser soziale Aspekt ist mir ganz wichtig", erklärt Schneider.

Wie wichtig eine solche Arbeit für die Vereine ganz unten an der Basis ist, zeigen die aktuellen Spielerzahlen der JFG: In den vier Altersklassen von den U-13- bis zu den U-19-Junioren gebe es nur vier Jugendliche aus Winterhausen und Sommerhausen, sagt Schneider. Um wenigstens die SG zu erhalten, die in die Kreisliga aufsteigt, reicht das wohl nicht. Er ordnet die gelben und roten Hütchen für die nächste Übung an. Nur das Abschlussspiel darf es auch diesmal noch nicht geben.

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