Sanderau

Worauf die Würzburger Baskets gegen Chemnitz achten sollten

Chemnitz gehört in einigen Bereichen zu den besten Teams der Basketball-Bundesliga. Warum die Sachsen für Würzburg trotzdem ein Gegner auf Augenhöhe sind, zeigen statistische Werte.
Perry Jones, hier im Spiel gegen Alba Berlin, zeigte zuletzt aufsteigende Form und könnte auch gegen Chemnitz eine wichtige Rolle spielen.
Foto: Heiko Becker | Perry Jones, hier im Spiel gegen Alba Berlin, zeigte zuletzt aufsteigende Form und könnte auch gegen Chemnitz eine wichtige Rolle spielen.

Am Mittwoch um 20.30 Uhr empfangen die Baskets die Niners Chemnitz zur Partie des 33. Spieltags der Basketball-Bundesliga. Der Aufsteiger aus Sachsen, der vor der Saison zu den größten Abstiegskandidaten zählte, sich mit elf Siegen aber schon seit Wochen keine Sorgen um den direkten Wiederabstieg machen muss, steht tabellarisch gut da. Ein tieferer Blick in die Statistiken zeigt aber auch: Die Niners sind in vielen Bereichen nur minimal besser als die Würzburger, sie haben aber zwei Siege mehr geholt.

Lesen Sie auch:

Das zeigt sich schon beim simplen Blick auf die Ergebnisse. Während die Baskets sechs Mal mit sechs oder weniger Punkten unterlagen, entschieden die Chemnitzer sechs Partien mit fünf oder weniger Punkten für sich. Gegen Bamberg und Bayern trafen die Chemnitzer in letzter Sekunde zum Sieg. Auch beim 87:83-Heimerfolg gegen Braunschweig stellte Flügelspieler George King erst 34 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier den Endstand her.

Wer hat die bessere Offense und Defense?

Um die Offensive oder Defensive zweier Mannschaften zu vergleichen, reicht es nicht aus, auf die erzielten oder kassierten Punkte zu schauen. Denn dieser Maßstab kann durch das Tempo des Spiels verfälscht werden. Ein Team, das oft bereits nach zehn Sekunden abschließt, muss häufiger verteidigen – hat freilich auch offensiv mehr Chancen zu Punkten. Deshalb bietet sich als Vergleichswert eine Statistik an, der die Offensiv- beziehungsweise Defensivleistung auf 100 Ballbesitze hochrechnet, der "Points per 100 Possessions"-Wert. Auch hier zeigt sich: Chemnitz und die Baskets sind gleichauf. 93 Punkte erzielen beide Teams in 100 Angriffen, 103 kassieren sie in ebenso vielen Ballbesitzen. Mit 82,3 (Würzburg) und 84 (Chemnitz) Ballbesitzen pro Partie gehören beide Teams eher zu den langsamer spielenden Mannschaften.

Wo liegen die Stärken der Chemnitzer?

Die Niners gewinnen ihre Spiele häufig knapp, im Schnitt haben sie ihre elf Siege mit knapp acht Punkten Vorsprung eingefahren, bei den Niederlagen jedoch durchschnittlich mit fast 18 Punkten verloren. Die Baskets kommen auf exakt dieselben Werte, haben aber zwei Siege weniger auf dem Konto. Außerdem auffällig: Oft erzielen die Chemnitzer entscheidende Punkte per Dreier. Ein erfolgversprechendes Rezept: Chemnitz gehört bei der Dreierquote zur Top Fünf der Liga. Ganz anders die Würzburger, die nicht nur die schlechteste Dreierquote der Liga haben, sondern beim Gegner auch noch die beste Quote aller Bundesligisten zulassen. 39 Prozent treffen die Gegner der Baskets im Schnitt, das ist deutlich über dem ligaweiten Schnitt.

Wo liegen die Schwächen der Chemnitzer?

Die Chemnitz sind Rekordhalter bei den Ballverlusten. Über 17 Mal verlieren sie in jeder Partie die Kugel an den Gegner – und das obwohl sie, wie erwähnt, eher langsam spielen, im Schnitt also auch weniger Gelegenheiten haben, den Ball zu verlieren. Hinzu kommt: Würzburg gehört zu den besseren Teams, wenn es darum geht, diese Ballverluste zu forcieren. Aber es gibt auch einen Wermutstropfen für die Baskets: Auch sie geben den Ball verhältnismäßig häufig ab. Mit 15,3 Turnovern sind sie das zweitschlechteste Team der Liga – knapp vor Chemnitz.

Auf wen müssen die Baskets achten?

Zu den wichtigsten Spielern der Sachsen gehören Marcus Thornton und Terell Harris. Die beiden Guards laufen die meisten Pick and Rolls, bekommen also von ihren Teamkollegen Blöcke gestellt und sind so die Initiatoren der meisten Angriffe. Wenn der US-Amerikaner Thornton auf dem Feld steht, hat er bei 40 Prozent aller Pick and Rolls den Ball in der Hand. Bei seinem Landsmann Harris sind es sogar 46 Prozent. Blocksteller und meist auch Abroller, also Partner von Harris oder Thornton, sind häufig die Center Jan-Niklas Wimberg, Joe Lawson oder Jonas Richter. Und hier offenbart sich aktuell ein Problem der Gäste: Wimberg und Lawson sind verletzt. 

Wo punktet Chemnitz häufig und effektiv?

Besonders gefährlich ist Chemnitz in der Offensive aus der linken Ecke. 51 Prozent der Dreipunktewürfe finden von dort ihr Ziel. Von dort versuchen es die Niners auch deutlich häufiger als aus der gegenüberliegenden Ecke, wo 44 Prozent der Dreier ihr Ziel finden – beides sind freilich hervorragende Werte. Ähnlich effektiv treffen die Chemnitzer nur direkt unter dem Korb. 

Fazit: Die Baskets sollten also am Mittwoch die Dreipunktelinie besser verteidigen als zuletzt. Gegen Berlin sprach zumindest die Statistik für Würzburg, denn Alba traf nur zehn seiner 31 Dreipunktewürfe. Wer das Spiel aber verfolgt hat, dürfte erkannt haben, dass es eher am fehlenden Wurfglück der Berliner lag als an der Stärke der Würzburger Verteidigung. Insgesamt müssen die Baskets ihre Überlegenheit auf den großen Positionen gegen die verletzungsgeplagten Chemnitzer ausspielen, dafür könnte es auch eine wichtige Rolle spielen, ob Murphy Holloway zurückkehrt.

Themen & Autoren
Sanderau
Tim Eisenberger
Gefahren
Niederlagen und Schlappen
Probleme und Krisen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!