Melbourne

Zuletzt vor fast elf Jahren: Düstere deutsche Damen-Bilanz

Barbara Rittner       -  Barbara Rittner, Chefin des deutschen Damen-Tennis.
Foto: Jonas Güttler/dpa | Barbara Rittner, Chefin des deutschen Damen-Tennis.

Barbara Rittner fehlt wegen der Corona-Krise in diesem Jahr bei den Australian Open. Eigentlich gehört die Chefin des deutschen Damen-Tennis bei den vier Grand-Slam-Turnieren zu den Stammgästen, was sich auch in Zukunft nach Corona nicht ändern wird.

Allerdings wird sich die 47-Jährige auf kürzere Reisen einstellen müssen. Denn die Zeiten, in denen eine deutsche Spielerin bei einem der wichtigsten Events bis zum Ende dabei ist, dürften erst einmal vorbei sein. „Es kann im Übergang sogar auch mal sein, dass wir bei Grand Slams nur ein oder zwei deutsche Spielerinnen im Hauptfeld haben”, sagte die passenderweise ganz in Schwarz gekleidete Rittner in ihrer Rolle als Eurosport-Expertin.

Sicher, Angelique Kerber ist in guter Verfassung immer noch der Einzug in ein Viertel- oder Halbfinale, vielleicht sogar ein Endspiel zuzutrauen. Allerdings hat die deutsche Nummer eins dies seit ihrem Triumph in Wimbledon 2018 nicht mehr geschafft, dieses Mal schied die 33-Jährige in Melbourne wie schon bei den French Open zuvor bereits in der ersten Runde aus.

Dieses sportliche Schicksal teilte sie in Melbourne mit Laura Siegemund und Andrea Petkovic, lediglich Mona Barthel schaffte es in Runde zwei. Letztmals überstand 2008 in Wimbledon nur eine deutsche Spielerin bei einem der vier Grand-Slam-Turniere die Auftaktrunde - die inzwischen zurückgetretene Julia Görges. Nun hat es erstmals seit den French Open 2010 keine deutsche Dame in Runde drei geschafft.

Barthel unterlag in Melbourne der Tschechin Karolina Muchova klar mit 4:6, 1:6. Das erste Highlight der Saison ist für die deutschen Damen damit schon wieder vorbei, bevor es in der Metropole am Yarra River überhaupt so richtig losgeht.

„Wir haben das ja kommen sehen”, hatte Rittner unabhängig vom ernüchternden Abschneiden der deutschen Damen in Australien bereits vor dem Turnier gesagt. Denn schon lange ist offensichtlich, dass hinter der sogenannten Goldenen Generation um Kerber, Petkovic, Görges und der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfenen Sabine Lisicki eine große Lücke klafft. „Es wird eine Weile dauern, bis wir wieder an diese Erfolge anknüpfen. Momentan sehe ich da keine Überfliegerin”, sagte Rittner.

Da die Generation hinter Kerber und Co. mit Spielerinnen wie Annika Beck, Carina Witthöft, Antonia Lottner, Dinah Pfizenmaier oder Anna-Lena Friedsam aus unterschiedlichen Gründen weggebrochen ist, wird es einige Jahre dauern, bis deutsche Spielerinnen auf der WTA-Tour wieder für Erfolge sorgen. „Diese Lücke, die da jetzt aufklafft, da müssen wir nicht drumrumreden, war schon mal geschlossen”, analysierte Rittner am Donnerstag, „aber sie sind eben aus verschiedensten Gründen auf der Strecke geblieben.”

Rittner setzt ihre Zukunftshoffnungen auf Spielerinnen, die alle um die Jahrtausendwende oder sogar noch später geboren sind. Jule Niemeier, Nastasja Schunk oder Alexandra Vecic sind Namen, denen sie beim Deutschen Tennis Bund eine gute Zukunft zutrauen. Wie auch der 17 Jahre alten Hamburgerin Noma Noha Akugue, die unlängst die deutschen Meisterschaften gewann.

„Wir haben ein paar sehr gute Jugendspielerinnen”, sagte Kerber mit Blick auf ihre potenziellen Nachfolgerinnen. „Ich habe im Dezember im Internet auch ein wenig die Deutschen Meisterschaften verfolgt und ich glaube schon, dass wir da einige haben, die in ferner Zukunft durchstarten werden”, sagte der dreimalige Grand-Slam-Champion. Allerdings mahnt Kerber zur Geduld. Es sehe „momentan nicht danach aus, dass es direkt nach uns wieder so schnell Top-10-Spielerinnen geben wird.” Das sieht auch Rittner so. „Wir haben gute Talente. Was die brauchen, ist Erfahrung. Denen muss man Zeit geben.”

© dpa-infocom, dpa:210211-99-395337/2

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