Düsseldorf

Traditions-Quintett will raus aus Liga zwei

Fortuna Düsseldorf       -  Fortuna Düsseldorf hat zwar acht Spieler neu verpflichtet, aber gleich 15 Akteure abgegeben - so viel wie kein anderer Club.
Foto: Matthias Balk/dpa | Fortuna Düsseldorf hat zwar acht Spieler neu verpflichtet, aber gleich 15 Akteure abgegeben - so viel wie kein anderer Club.

Zusammen kommen sie auf 177 Bundesliga-Jahre, in einer 1. Liga mit den 18 Ersten der Ewigen Tabelle wären sie allesamt dabei.

Doch in der am Freitag beginnen Saison der 2. Fußball-Bundesliga geht es für das Traditions-Quintett Hamburger SV (55 Bundesliga-Jahre), VfL Bochum (34), 1. FC Nürnberg (33), Hannover 96 (30) und Fortuna Düsseldorf (25) mit unterschiedlichen Voraussetzungen und teilweise großer Unsicherheit um einen vor allem in Corona-Zeiten teilweise überlebenswichtigen Aufstieg. Auf den ohne forsch formulierte Ziele auch Absteiger Paderborn, Relegations-Teilnehmer Heidenheim und mögliche Überraschungs-Teams wie Darmstadt oder sogar Sandhausen hoffen dürfen.

„Die 2. Liga ist spannender als die Bundesliga”, sagte der frühere Meistercoach Felix Magath, der als „Head of Flyeralarm Global Soccer” der starke Mann hinter Aufsteiger Würzburger Kickers ist, in einer Gesprächsrunde der „Sport Bild”. „Den Favoriten-Kreis würde ich sehr groß ziehen”, befand der neben ihm sitzende Dieter Hecking. Er war im Vorjahr mit dem HSV am Aufstieg gescheitert und soll nun als Sportvorstand den fast in die 3. Liga durchgereichten Club aus Nürnberg reanimieren.

Heckings Nachfolger Daniel Thioune hat beim einstigen Bundesliga-Dino aus Hamburg vielleicht weiterhin den besten Kader zur Verfügung, aber auch den größten Druck. Die Rückkehr in die Bundesliga ist quasi ein Muss - mit dem Trauma von zwei verpassten Anläufen im Nacken und einem deutlich reduzierten Etat. Und nun auch noch mit der Pokal-Pleite beim Drittligisten SG Dynamo Dresden inklusive der schlagzeilenkräftigen Fan-Rangelei von Abwehrspieler Toni Leistner.

Direkt im Auftaktspiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky) empfangen die Hamburger mit Absteiger Düsseldorf den zweiten Top-Favoriten. Die Fortuna tat sich nach 17 Abgängen zunächst schwer, den Aufstieg als Ziel zu benennen. Doch mit einem guten Gerüst und Neuzugängen wie Edgar Prib sollte er Ziel sein. „Wenn die anderen uns lassen, wollen wir natürlich aufsteigen”, sagte Sportchef Uwe Klein. Für Trainer Uwe Rösler ist der HSV „ganz klar der Topfavorit”, weil das Budget immer noch „mit Abstand das höchste ist. Ob wir Topfavorit sind, muss man abwarten. Wir haben noch ein paar Baustellen.”

In Hannover hat man sich bewusst von Stützen wie Prib und Ex-Weltmeister Ron-Robert Zieler getrennt. Die Ziele sind nach dem Verpassen des direkten Wiederaufstiegs im Vorjahr aber klar. „Wir müssen jetzt hoch”, sagte Präsident Martin Kind auch vor dem Hintergrund der Corona-Einbußen. Trainer Kenan Kocak war von der klaren Vorgabe wenig begeistert, er sei „kein Freund von langfristigen Zielen”.

Noch deutlicher als die Niedersachsen verfehlte Nürnberg den Wiederaufstieg, am Ende trennten die Franken nur wenige Sekunden von der 3. Liga. Mit Hecking und Trainer-Talent Robert Klauß (35), bisher Assistent von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig, soll es nun nach oben gehen. Man befinde sich in einem Prozess, gab Hecking zu bedenken. „Sollten wir am Ende einen Lauf haben, werden wir uns nicht dagegen wehren.”

Für Magath ist der Kreis der Aufstiegs-Kandidaten damit fix. „Wer soll außer Hamburg, Hannover, Nürnberg und Düsseldorf aufsteigen? Ich kenne keinen”, sagte er. Hecking denkt aber sehr wohl auch an die Bochumer, die nach der Corona-Pause zuletzt die meisten Punkte aller Teams holten: „Der VfL erinnert mich an Arminia Bielefeld, die dieses Jahr aufgestiegen ist.”

Und wer könnte noch das neue Bielefeld werden? Vielleicht die ohne Niederlage in der Relegation an Bremen gescheiterten Heidenheimer? „Diese Zielsetzung kann es bei uns definitiv nicht geben”, sagte Trainer Frank Schmidt in der „Sport Bild” mit Blick auf den Verlust wichtiger Leistungsträger: „Zaubern können wir in Heidenheim nicht.” Trainer Steffen Baumgart von Düsseldorfs Mitabsteiger Paderborn zählt Heidenheim sehr wohl zu den Kandidaten. „Uns würde ich aber nicht zum Favoritenkreis zählen.”

Immer wieder genannt wird auch Darmstadt nach einer starken Rückrunde und mit dem neuen Trainer Markus Anfang, der 2018 Kiel in die Relegation führte und 2019 Köln zum Aufstieg. Und manch einer traut sogar Sandhausen was zu: Der Dorfverein aus der Nähe von Heidelberg war in der Nach-Corona-Tabelle Fünfter und verstärkte sich gut.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-586517/4

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