Als Mathematiker in der Welt der Buchstaben

von Jeruscha Jakob
vom 25. Feb. 2020

„In meinem Beruf knallen zwei Welten aufeinander“, beschreibt der 26-jährige Florian Stöcklein seinen Job. „Meine Arbeit ist die Welt der Buchstaben und die Welt der Zahlen“. Damit diese zwei Welten effektiv miteinander verbunden werden, arbeitet der junge Mathematiker seit Dezember 2018 als Data Analyst bei der Main-Post Digitale Medien.

Während seines Studiums absolvierte er ein Praktikum bei der Deutschen Bahn im analytischen Customer-Relationship-Management, war anschließend bei der Firma Brose als Werkstudent im Controlling tätig und schrieb seine Masterarbeit bei der Drogeriekette dm. Erfolgreich beendete er damit sein Studium und bewarb sich auf dem Markt. Die Zusagen ließen nicht lange auf sich warten. Doch für welche Stelle sollte er sich entscheiden?

Kein leichtes Unterfangen, doch er fand schnell eine Lösung. Er, der rational denkende Mathematiker, gab jedem potenziellen Arbeitgeber Punkte für verschiedene Kategorien wie zum Beispiel Standort, Work-Life-Balance oder Gehalt und verteilte seine persönlichen Prioritäten. Schlussendlich hörte er dann auf sein Bauchgefühl und entschied sich für den Job bei der Main-Post Digitale Medien.

Wie ein Mathematiker die Arbeit der Redaktion verbessert

Auch dort geht es um Bauchgefühle, die es zu bestätigen oder zu widerlegen gilt. Dabei stellt Florian Stöcklein sich viele Fragen: Was wird auf mainpost.de gelesen und warum? Ist das Portrait vom Dirigenten spannender als die Rezension des Konzerts? Sind mittwochs weniger User auf unserer Webseite als am Wochenende? Was die Redaktionen früher nur basierend auf ihren Vermutungen – ihrem Bauchgefühl - beantwortet haben, ist in Zeiten von Digitalisierung und Big Data nun messbar. Und genau hier beginnt Florian Stöckleins Aufgabe.

Was macht ein Mathematiker bei der Main-Post
Florian Stöcklein: „Ich will, dass unsere Leser online nicht nach beispielsweise dem Kultur-Teil suchen müssen. Sondern wir erkennen, dass der Leser ein besonderes Interesse am Kultur-Teil hat und zeigen deshalb „Kultur“ bevorzugt an“.

Er versucht herauszufinden, ob sich die bestehenden Einschätzungen bestätigen lassen oder nicht. Dafür stehen ihm eine Fülle an Daten zur Verfügung, aus denen er relevante Daten filtert und statistische Analysen durchführt. Das Ergebnis übersetzt er anschließend in eine „verständliche Sprache“, erzählt er. „Die Kollegen, die sich in der Welt der Sprache aufhalten, interessieren sich meistens nicht großartig für Zahlen“, stellt der junge Mathematiker nüchtern fest. „Ich denke eher in Zahlen. Statt eines sprachlichen „sehr gut“ möchte ich lieber die komplette Notenskala vor mir liegen haben“. Und so kommt es, dass der studierte Wirtschaftsmathematiker auch irgendwie ein Übersetzer zwischen den zwei Welten wird.

Warum ein Data-Analyst auch ein Entdecker ist

Florian Stöcklein liebt dieses Wechselspiel zwischen Sprache und Zahlen, denn es bringt Abwechslung in seine Arbeit. Wobei er betont, dass das Wort „Arbeit“ nicht der richtige Ausdruck für seinen Job bei der Main-Post sei. „Hier fühlt sich Arbeit nicht nach Arbeit an“, sagt er. Es gibt Snacks und Obst in der modernen Büroküche und nach Feierabend auch mal ein FIFA-Turnier auf der PlayStation.

„Die Atmosphäre und der Umgang mit den Vorgesetzten ist sehr locker, das gefällt mir“. Und diese Lockerheit spornt ihn jeden Tag aufs Neue an. Denn ein Data-Analyst ist in seinen Augen auch ein Entdecker, der anhand von Daten forscht und experimentiert. „Klar, ist es auch eine Typfrage, ob man einen konkreten Weg vom Arbeitgeber vorgegeben haben möchte oder lieber selbst ausprobiert und weiterentwickelt. Als Data Analyst bei der Main-Post arbeite ich oft nach dem Prinzip „Try and Error“ und probiere gerne Dinge aus.“ An der Main-Post schätzt er deshalb auch die freien Entwicklungsmöglichkeiten.

„Redakteure können schnell erkennen, welche Überschrift verständlich ist und welche nicht.“
Florian Stöcklein, Data-Analyst

Seit er bei der Main-Post arbeitet, konnte er bereits einige Projekte entwickeln und Abläufe automatisieren. Eines seiner Projekte war die Erstellung und Einführung von Dashboards für verschiedene Bereiche der Main-Post. Redakteure sehen jetzt, welche ihrer Artikel wie lange und intensiv gelesen werden. Dazu wurde auch ein eigenes Bewertungssystem für Artikel, der sogenannte Artikel-Score, entwickelt: „Die Redakteure können zum Beispiel schnell erkennen, welche Überschrift verständlich ist und welche nicht“, erzählt Florian Stöcklein begeistert.

Die Begeisterung für seinen Job treibt ihn immer wieder an sich neuen Herausforderungen zu stellen. In naher Zukunft möchte er das Thema Personalisierung weiter vorantreiben. Bereits im Jahr 2017 hat die Main-Post dafür den begehrten NOVA-Award gewonnen. In der Kategorie „Vermarktungsinnovation“ wurde die Mediengruppe im europäischen Vergleich als führend bei der Aufbereitung und Darbietung journalistischen Contents eingestuft.

Florian Stöcklein möchte diesen Erfolg weiter ausbauen: „Ich will, dass unsere Leser online nicht nach beispielsweise dem Kultur-Teil suchen müssen. Sondern wir erkennen, dass der Leser ein besonderes Interesse am Kultur-Teil hat und zeigen deshalb „Kultur“ bevorzugt an“. Außerdem hat Florian Stöcklein einen eigenen Algorithmus entwickelt, um das Thema eines Artikels zu erkennen.

Fest steht: Neben all den kreativen Köpfen um Florian Stöcklein herum, hat er den vielfältigsten Job überhaupt: Mathematiker, Übersetzer und Entdecker.

Fun-Fact-Box: Welches Thema haben diese 100.000 Artikel?
Wenn ein Autor der Main-Post online einen Artikel schreibt, ordnet er diesem auch ein übergeordnetes Thema wie beispielsweise „Verkehr“ zu. Dafür braucht er schätzungsweise vier Sekunden, um das richtige Thema aus der Liste auszuwählen. Hochgerechnet auf 100 000 Artikel, müsste der Autor über 100 Arbeitsstunden investieren. Florian Stöcklein will diesen Ablauf automatisieren. Er arbeitet an einem Algorithmus, welcher innerhalb von wenigen Minuten 100 000 Artikeln ein passendes Thema zuordnen kann.

Der Autor

Jeruscha Jakob

Digital Managerin bei der Main-Post.

Jeruscha Jakob