Aus der Chronik der Zeiler Kirche
Anzeige

Aus der Chronik der Zeiler Kirche

Aus der Chronik der Zeiler Kirche

Im Stadtturm befindet sich ein Dokumentationszentrum zur Hexenverbrennung, die in Zeil seinerzeit besonders ausgeprägt war. FOTOS: CHRISTIAN LICHA

Die Zeiler Kirche, so heißt es in der Stadtchronik, war für das heranwachsende Gemeinwesen und für die eingepfarrten Dörfer, zu denen außer Schmachtenberg, Ziegelanger und Steinbach auch Krum und Augsfeld gehörten, zu eng geworden. Vielleicht erschien der alte Bau jenen Bürgern, welche dem im Barock sich offenbarenden neuen Lebensgefühl zugeneigt waren, als zu schlicht, zu düster, zu wenig anziehend und nicht repräsentativ genug.

Der Wunsch nach einer neuen und schöneren Kirche erfasste immer weitere Kreise der Einwohnerschaft. Schließlich setzte sich der Rat nicht nur mit der kirchlichen Behörde in Würzburg, sondern auch mit der fürstbischöflichen Regierung in Bamberg in Verbindung. Er beriet auch über die Beschaffung benötigter Mittel und nahm Fühlung mit dem Baumeister Melchior Kurtz auf, der sich um den Bau der Kirche große Verdienste erworben hat.

„Burgerrathsprotokolle“ und Kirchenpfleger-Rechnungen verraten über die Vorgeschichte zum Bau nicht viel. 1711 bewilligte die fürstbischöfliche Kammer zu Bamberg den freien Bezug des für den Bau notwendigen Holzes. „Sie bedang sich aber aus, dass später der Kirchenboden kostenlos zur Aufschüttung des herrschaftlichen Getreides zur Verfügung gestellt werden müsse“.

Aus der Chronik der Zeiler Kirche-2
Zahlreiche Fachwerkhäuser schmücken die Zeiler Altstadt.
Aus der Chronik der Zeiler Kirche-3
Der Marktplatz wird umrahmt von der Stadtpfarrkirche und dem historischen Rathaus.

Mit dem Bau konnte 1713 begonnen werden. Was für die Neuplanung nicht einbeziehbar schien, wurde niedergerissen: die vier Außenmauern vor allen Dingen. Erhalten blieben Chorgewölbe und Turm. Der alte Schandstein, der „Stock vor der Kirchentür“, wurde nicht mehr aufgestellt. Drei der Altäre holten die Bischwinder hinweg. Länger als gedacht, zog sich der Bau hin. Endlich, im Jahr 1732, war auch die Innenausstattung fertiggestellt. Die Weihe konnte vollzogen werden. Seine „hochfürstliche Gnaden der Herr Weybischof von Würzburg“ nahm sie vor. Er war bei seiner Herreise geziemend an der Gemarkungsgrenze begrüßt und in die festlich geschmückte Stadt geleitet worden.

Nach der Weihe durften die Zeiler ihre Firmlinge zuführen. Es ist kaum anzunehmen, dass die 1716 für 4 Pfund 6 Pfennig angekaufte Sanduhr, die dem Ortsgeistlichen für die Bemessung seiner Predigt dienlich sein sollte, bei Anwesenheit des Weihbischofs auf der Kanzelbrüstung Aufstellung fand. cl

Weitere Themen