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Energiemanagementsystem für das Zuhause: Mehr eigenen Strom selber nutzen

Energiemanagementsysteme (EMS) werden beim Kauf einer Solarstromanlage oder eines Speichers meist günstiger oder sogar kostenlos angeboten. FOTO: GETTY IMAGES

Energiemanagementsysteme (EMS) wurden ursprünglich für Industrie und Gewerbe entwickelt. Mittlerweile sind sie aber auch für private Haushalte verfügbar.

Die hierfür entwickelten Lösungen werden als Home Energy Management Systems (HEMS) bezeichnet und in der Regel zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage und einem Batteriespeicher betrieben. Insbesondere bei modernen Speichersystemen ist häufig bereits eine Form des Energiemanagements integriert.

Ziel eines Energiemanagementsystems ist es, die zu Hause erzeugte Energie möglichst so zu nutzen und zu speichern, dass weniger Strom aus dem Netz bezogen werden muss. Das kleine Gerät wird meistens im Zählerkasten installiert.

Dort erfasst und analysiert es die zur Optimierung relevanten Energieströme des Haushalts – dazu gehören der erzeugte Strom und der Strombezug zeitlich (teil-)flexibler und steuerbarer Verbraucher. Damit sind diejenigen Geräte gemeint, deren Stromverbrauch sich ganz oder teilweise in Zeiträume verschieben lässt, in denen viel Solarstrom verfügbar ist.

Mit diesen und weiteren Informationen – wie beispielsweise Wetterdaten – werden der Stromverbrauch und die Erzeugung prognostiziert. Der Verbrauch wird dann durch das HEMS optimal an die Erzeugung angepasst: Das Gerät entscheidet zum Beispiel, wann der Batteriespeicher geladen wird und wann steuerbare Verbraucher Strom beziehen.

Nicht jedes Gerät intelligent über HEMS steuern

Auf diese Weise wird der Eigenverbrauch gesteigert und weniger Strom aus dem Netz benötigt. Das erhöht die Unabhängigkeit vom Stromversorger: Der Autarkiegrad steigt.

Die Bedienung erfolgt mithilfe eines Endgeräts (Smartphone oder Tablet) oder über ein Online- Portal, wo die Energiedaten grafisch aufbereitet zu sehen sind. Außerdem lassen sich für einzelne Geräte im Haus Regeln zur Steuerung festlegen. Ein Energiemanagementsystem lässt sich auch in ein Smart Home einbinden und kann mit einem Smart Meter, also einem intelligenten Zähler, kommunizieren.

Im Privathaushalt ist es weder möglich, noch sinnvoll, jedes Gerät, das Strom verbraucht, über ein Energiemanagementsystem intelligent zu steuern. Neben den erzeugenden und speichernden Komponenten – der PV-Anlage und dem Batteriespeicher – sollten diejenigen Verbraucher eingebunden werden, bei denen der Verbrauch zeitlich flexibel ist.

Typische Beispiele hierfür sind Ladestationen für E-Autos (Wallboxen) und Wärmepumpen. Auch bestimmte smarte Haushaltsgeräte, wie einige Wasch- und Spülmaschinen, lassen sich durch ein Energiemanagementsystem ansteuern.

Achten Sie auf die Angaben der Hersteller, um festzustellen, ob sich Geräte durch ein Energiemanagementsystem steuern lassen können. Bei Wärmepumpen ist das „SG ready“-Label ein Hinweis darauf, dass eine entsprechende Schnittstelle zur Ansteuerung durch ein HEMS vorhanden ist.

Nutzen und Kosten eines HEMS im Privathaushalt

Durch vorher festgelegte Regeln lässt sich sicherstellen, dass sich in der Nutzung keine Einschränkungen ergeben. So können zum einen Geräte priorisiert werden, die bevorzugt mit Solarstrom versorgt werden sollen. Zum anderen lässt sich festlegen, wann beispielsweise das E-Auto einen gewissen Ladezustand erreicht oder die Spülmaschine das Geschirr gespült haben soll.

Ob sich ein Energiemanagementsystem für Sie finanziell lohnt, hängt zunächst von den Kosten des Systems ab. Die Anschaffungskosten variieren je nach Anbieter und Leistungsumfang um mehrere hundert Euro. Für die Einbindung von Solarstromanlage, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox sowie relevanter Haushaltsgeräte können schnell über 1.000 Euro anfallen. Hinzu kommen bei einigen Anbietern noch monatliche Kosten für die Nutzung der Cloud, also die Speicherung der Daten beim Anbieter des Energiemanagements, im zweistelligen Bereich.

Ob sich diese Investition für Sie finanziell lohnt, ist davon abhängig, wie sehr ein Energiemanagementsystem den Eigenverbrauchsanteil des Solarstroms erhöht. Das wird wiederum davon bestimmt, wie viele Kilowattstunden zeitlich flexibel sind – also in die Zeiträume verschoben werden können, in denen viel Solarstrom zur Verfügung steht. Der Kostenvorteil je Kilowattstunde ergibt sich als Differenz zwischen Ihrem Arbeitspreis für Haushaltsstrom und der EEG-Einspeisevergütung und beträgt bei neu errichteten Anlagen meist knapp 30 Cent.

Energiemanagementsysteme werden beim Kauf einer Solarstromanlage oder eines Speichers meist günstiger oder sogar kostenlos angeboten. Hier sollten Sie aber darauf achten, ob Folgekosten (etwa monatlich für die Datenspeicherung in der Cloud) entstehen, und welche Daten freigegeben werden.

Wie sicher sind die Daten beim HEMS?

Wie sicher die vom Energiemanagementsystem gespeicherten und genutzten Daten sind, hängt zunächst davon ab, ob diese die eigenen vier Wände verlassen.

Solange die Daten nur lokal verwertet werden, sind diese vergleichsweise sicher. Es ist hierbei entscheidend, dass die Geräte, die Sie selbst beispielsweise für die Bedienung des Systems verwenden, ebenfalls dem Standard für Datensicherheit und Datenschutz gerecht werden. Das fängt mit einem guten und sicheren Passwort an und hört bei regelmäßigen Sicherheitsupdates auf.

Wer auf eine Visualisierung vom Hersteller des Energiemanagementsystems zurückgreift, oder gar ausführliche Auswertungen der Daten wünscht, ist meist auf eine Cloud-Lösung angewiesen. Es gilt: Die Daten sind nur so lange sicher, wie die Cloud selbst sicher ist. Hier wird von den Herstellern meist ein hoher Standard angesetzt – eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch auch in der digitalen Welt nicht.

Für größtmögliche Datensicherheit sind in Deutschland beziehungsweise der EU lokalisierte Cloudserver vorzuziehen. Die Installation eines Energiemanagementsystems wird von einem Fachbetrieb durchgeführt, da hierfür Arbeiten am Zählerschrank notwendig sind. Die Installation geht schnell – vorausgesetzt alle weiteren Elektroinstallationen sind auf dem neuen Stand der Technik.

Nach der eigentlichen Installation der Geräte sind zunächst einige Einstellungen notwendig. Bitten Sie hier die Installateurinnen und Installateure bei der ersten Einrichtung um Hilfe. Verbraucherzentrale Bayern

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