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Kostenloser Darm-Check kann die Erkrankung verhindern

So wie in diesem begehbaren Modell können Polypen im Darm aussehen – aus ihnen kann sich im schlimmsten Fall Krebs entwickeln. FOTO: RALF HIRSCHBERGER/DPA-TMN

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Diese Diagnose erhalten im Laufe des Lebens eine von 19 Frauen und einer von 15 Männern, so das Robert Koch-Institut. Aktuell erkranken hierzulande 62 960 Menschen jedes Jahr neu an Darmkrebs; 24 403 Menschen sterben daran. „Die meisten dieser Todesfälle wären durch die Darmkrebsvorsorge vermeidbar“, betont Epidemiologe Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Die eine Untersuchung, die Krebs verhindern kann

Dank der Vorsorge-Koloskopie, die bei gesunden, beschwerdefreien Männern ab 50 und symptomfreien Frauen ab 55 Jahren empfohlen wird, können Vorstufen von Darmkrebs rechtzeitig entdeckt werden. Diese Polypen werden bei der Untersuchung entfernt und können dann nicht mehr zu Krebs entarten.

Sowohl die Darmspiegelung selbst, als auch die Entfernung eines Polypen tut nicht weh. Dank einer Kurzschlafspritze dösen die Patienten und bekommen so von der Untersuchung rein gar nichts mit.

Der Clou der Vorsorge-Darmspiegelung: Rund 63 Prozent derer, die sich ohne Beschwerden untersuchen lassen, bekommen ihre Darm-Gesundheit bestätigt – sie haben keinen Befund und können sich bis zum nächsten Check zehn Jahre Zeit lassen.

Bald drei Millionen Teilnehmer jährlich

Bei rund 36 Prozent der Untersuchungen werden Polypen und Adenome gefunden – diese Versicherten profitieren am meisten, da bei ihnen verhindert wurde, dass Krebs überhaupt entstehen konnte.

Bei nur einem Prozent der – wohlgemerkt ebenfalls beschwerdefreien – Patienten wird tatsächlich Darmkrebs festgestellt. Selbst dann aber befindet sich dieser Darmkrebs oft noch in einem derart frühen Stadium, dass er in den meisten Fällen gut geheilt werden kann. Ergo: Den Darm-Check macht man, um keinen Darmkrebs zu bekommen.

Stuhltest und Darmspiegelung sind sicherlich keine Termine, auf die man sich wirklich freut. Aber immer mehr Menschen in Deutschland erkennen den Sinn dieser Maßnahmen und entscheiden sich für eine Teilnahme. Auch in der Corona-Pandemie stieg die Anzahl der Vorsorge-Koloskopien. Gemeinsam mit rund 520 000 Vorsorge-Darmspiegelungen und rund 2,3 Millionen durchgeführten Stuhltests kommt der Darm-Check auf über 2,8 Millionen Teilnehmer pro Jahr.

Der gesundheitliche Erfolg ist beachtlich

Insgesamt rund 320 000 Neuerkrankungen (rund 17 000 jährlich) und ca. 153 000 Todesfälle konnten dank der rund 8,5 Millionen durchgeführten Vorsorge-Koloskopien seit 2002 bereits verhindert werden, so die Felix Burda Stiftung in einer Hochrechnung auf Basis der Daten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung.

Mit einer umfangreichen Werbekampagne macht die Felix Burda Stiftung deshalb im Darmkrebsmonat März 2022 auf den „Darm-Check“ aufmerksam. Unter diesem positiven Begriff fasst die Stiftung zusammen, was die gesetzlichen Krankenkassen zur Prävention, Vorsorge und Früherkennung von Darmkrebs anbieten – den immunologischen Stuhltest und die Vorsorge-Darmspiegelung.

Zur Prävention von Darmkrebs kann im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich und ab 55 Jahren alle zwei Jahre ein immunologischer Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchgeführt werden. Männern ab 50 Jahren bzw. Frauen ab 55 Jahren wird die Darmspiegelung (Koloskopie) empfohlen.

Bei Unauffälligkeit zweite Koloskopie nach zehn Jahren

Sie gilt als Gold-Standard bei der Prävention von Darmkrebs. Denn dabei können entdeckte Darmpolypen entfernt werden, die sich sonst zu Krebs entwickeln könnten. Bei unauffälligem Befund kann nach zehn Jahren eine zweite Koloskopie erfolgen.

Alternativ zur Darmspiegelung kann der Stuhltest in Anspruch genommen werden. Ist dieser auffällig – also positiv – wird unbedingt eine Abklärungs-Koloskopie empfohlen. Für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko – beispielsweise bei einem familiären Risiko für Darmkrebs – gelten andere Empfehlungen. Ihnen wird bereits früher die Vorsorge-Darmspiegelung empfohlen.

Jeder kann Risikofaktoren selbst beeinflussen

Tabakkonsum und Übergewicht gelten als die wichtigsten Risikofaktoren, gefolgt von Bewegungsmangel und ballaststoffarmer Ernährung. Regelmäßiger Alkoholkonsum und der Verzehr von viel rotem und verarbeitetem Fleisch erhöht das Erkrankungsrisiko ebenfalls. Und es gibt familiäre Risiken: Wer Verwandte ersten Grades hat, die an Darmkrebs erkrankt sind, ist laut dem Krebsregisterdaten-Zentrum überdurchschnittlich häufig betroffen.

Die Felix Burda Stiftung empfiehlt drei einfache Fragen gegen Darmkrebs zu beantworten: „Gab es Darmkrebs in meiner Familie?“, „habe ich Beschwerden, Blut im Stuhl oder anhaltende Bauchschmerzen?“ und „bin ich über 50?“. Werden diese Fragen mit „ja“ beantwortet, sollte man einen Beratungstermin beim Magen-Darm-Arzt ausmachen. Dann hat man Anspruch auf den kostenlosen Darm-Check und darf Stuhltest oder Darmspiegelung wählen. Felix Burda Stiftung


Früh auf Zucker achten

Eine große internationale Studie hat ergeben, dass hoher Zuckerkonsum in jungen Jahren die Entstehung von Darmkrebs im Erwachsenenalter begünstigen kann. Vor allem Fruchtzucker und gesüßte Getränke stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von sogenannten Adenomen im Darm, insbesondere im Dickdarm, erklärt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Den Zuckerkonsum in der Kindheit reduzieren Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung plädiert dafür, dass Kinder sich erst gar nicht an den Süßgeschmack gewöhnen sollen. Insbesondere Fruchtzucker (Fructose) wird wegen seiner stärkeren Süße häufiger in verarbeiteten Lebensmitteln verwendet, so der BVKJ.

Und gerade dieser kann den Forschern zufolge die Krebsbildung beeinflussen, indem er die Darmflora verändert. Gerade hohe Dosen oder ständiger Nachschub von Fruchtzucker können die Resorptionsleistung des Dünndarms überfordern, sodass dieser bis in den Dickdarm gelangt.

Zudem vermuten die Forscher, dass jugendliche Körper aufgrund von Wachstum sowie hormonellen und Stoffwechselveränderungen auf eine hohe Zuckeraufnahme besonders empfindlich reagieren.

Laut der Experten sollte bei Kindern ab zwei Jahren die täglichen Kalorienzufuhr in Form von Zucker nicht mehr als fünf Prozent sein. Für einen zehn bis 13-jährigen Jungen, der rund 1900 kcal pro Tag verzehrt, wären das maximal 95 Kcal in Form von Zucker. Das sind weniger als 25 Gramm und entspricht knapp fünf gestrichenen Teelöffeln Zucker. tmn

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