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Die heilende Kraft des Moors

Ein Moorbad lindert Beschwerden und aktiviert gleichzeitig die Selbstheilungskräfte des Körpers. FOTO: AIB-KUR

Die Dame aus Franken ist skeptisch: In 42 Grad heißes Badewasser soll sie steigen und es 20 Minuten darin aushalten. Das kann doch nicht gesund und angenehm sein. Doch genau so ist es, wenn Moor in die Wanne kommt.

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Per Knopfdruck füllt ein Mitarbeiter der Wendelstein-Klinik in Bad Aibling die Wanne mit dem schwarzen, dickflüssigen Brei. Die Fränkin steigt in das ungewohnte Gemisch. Und ist ganz schnell relaxed. Gar nicht so heiß fühlt sich das Moorbad an. Und es entspannt, die zerkleinerten Überbleibsel aus uralten Gräsern, Blättern und Moosen langsam zwischen den Fingern zu verreiben.

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Ein solches Badeerlebnis findet in Bad Aibling an die 30.000 Mal im Jahr statt, stationär oder ambulant. Wendelstein-Klinikleiter Alex Höfter ist von der Heilkraft der Anwendungen überzeugt.

Bad Aibling ist ein Kurort in Bayern, der nach Corona auf neue Chancen für den Tourismus setzt. FOTO: ANDREAS JAKOB/DPA
Bad Aibling ist ein Kurort in Bayern, der nach Corona auf neue Chancen für den Tourismus setzt. FOTO: ANDREAS JAKOB/DPA

Im Moorbad wirken Wärme und Inhaltsstoffe zusammen. Weil Moor Hitze nur langsam abgibt, wird es auch bei hohen Temperaturen als erträglich empfunden. Bei 42 Grad beschert es den Badenden ein künstliches Fieber, das gewollt ist und die Selbstheilungskräfte des Körpers stärkt.

Pro Wanne werden zwei bis zweieinhalb Zentner Moor gebraucht. Die liefert Max Pandradl, der in der Region Bad Aibling das schwarze Gold ausgräbt. Schätzungsweise 40.000 Kubikmeter Torf hat Panradl bisher mit seinem Bagger aus dem Boden geholt.

Entstanden ist das Aiblinger Moor in der letzten Eiszeit, als sich im Inntal ein gewaltiger Gletscher zurückzog und den längst verlandeten Rosenheimer See hinterließ. In den verbliebenen Feuchtmulden bildeten abgestorbene Gräser, Wurzeln und Moose das Moor.

Kurgäste und Touristen können die Moore der Umgebung zu Fuß erkunden. Aber auch Wanderungen durch das Mangfall-Tal, Ausflüge ins oberbayerische Voralpenland und auf den nahen Wendelstein sind beliebt. Wer im Ort bleiben will, nimmt ein Bad im Blumenmeer des großen Kurparks oder in der schicken Therme, in der aus fast 2300 Metern Tiefe 39 Grad warmes Heilwasser sprudelt.

Unbestritten im Mittelpunkt steht freilich das Moor, das Bad Aibling zu einer der beliebtesten Kurstädte Bayerns gemacht hat. Und man hat viel vor in Oberbayern: Angepeilt werden Nachsorge- und Therapieeinrichtungen für Long-Covid-Patienten.

Ein Lieblingsprojekt des umtriebigen Kurdirektors ist ebenfalls auf dem Weg: Für gut fünf Millionen Euro soll eine nagelneue, 1700 Quadratmeter große Moorbadeanlage mit allen Schikanen entstehen. mag
  


Kneippen hilft bei Long Covid

Ob sich Sebastian Kneipp ähnlich ausgezehrt und erschöpft gefühlt hat wie heutige Corona-Patienten, bevor er in Bad Wörishofen die Inhalte seiner Wasserkur zusammenfasste? Mit den von ihm propagierten Mitteln der Naturheilkunde soll er die Folgen seiner Tuberkulose-Erkrankung behandelt haben – und zwar erfolgreich.

In den Kurbetrieben von Bad Wörishofen konnten inzwischen erste Erfahrungen mit Covid-19-Patienten gesammelt werden. Die Menschen litten an den bekannten Folgen einer Covid-Erkrankung wie dem Fatigue-Syndrom, an Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen. Zusätzlich hatten sie mit Kreislaufbeschwerden, Kurzatmigkeit und Gelenkschmerzen zu kämpfen.

Die Badeärzte konnten gute Ergebnisse mit Anwendungen der Kneipp-Therapie erzielen. Elemente der Kneipp-Therapie sind neben den klassischen Wassergüssen Arm- und Fußbäder, Tau- und Wassertreten, Atemübungen, Konditionstraining und progressive Muskelentspannung. ots
  

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