MAINFRANKEN

A 3 und A 7: Hochsaison der Baustellen

15 Baustellen gibt es allein auf Unterfrankens Autobahnen, dazu zahlreiche auf Landstraßen. Pendler wie Urlauber stecken im Stau, gerade zur Ferienzeit. Muss das sein?

Gelbe Warnlichter blinken. Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Autos über die A 7 vor der Schraudenbachbrücke (Lkr. Schweinfurt). Die Augustsonne spiegelt sich auf der Blechlawine. Schilder am Rand beschränken die Geschwindigkeit in der Baustelle auf 80, dann auf 60 km/h. Fast höhnisch wirken sie, mehr als Schritttempo ist im Feierabendverkehr kaum möglich.

Zur Ferienzeit mischen sich noch Wohnmobile und voll bepackte Kombis unter die Pendler. Stop-and-Go ist die Folge, jeden Tag. „Zwischen vier und sechs würde ich da nie durch“, sagt ein 53-jähriger Schweinfurter, der berufsbedingt täglich nach Würzburg fährt. Vier Baustellen liegen auf seinem Weg, vier Stauschwerpunkte. Die einzigen sind es bei weitem nicht in der Region.

Mehr als 28.000 Staus zählte der ADAC vergangenes Jahr auf der A 3

Insgesamt 15 größere Baumaßnahmen betreut die Autobahndirektion Nordbayern derzeit in Unterfranken. Kleinere Tagesarbeiten wie Asphalterneuerungen kommen noch dazu, sagt Alexander Leis, Leiter der Dienststelle Würzburg. „Wir haben ein 450 Kilometer langes Streckennetz mit 540 Brücken, das wir verkehrssicher halten müssen.

“ Da muss gebaut werden, aktuell vor allem auf der A 7 und der A 3, dem nordbayerischen und sogar bundesdeutschen Stauspitzenreiter. Laut ADAC wurden auf der Autobahn 3 im vergangenen Jahr mehr als 28 000 Staus gezählt, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Und das werde aufgrund der massiven Bauarbeiten um Würzburg wohl auch so bleiben.

Dort, rund um die Domstadt, ist die A 3 auf der Stauprognose-Karte des ADAC tiefrot markiert. Zur Jahrtausendwende hat der sechsstreifige Ausbau begonnen, gerade ist der Abschnitt zwischen Aschaffenburg und Würzburg dran. Allein 220 Millionen Euro umfasst dabei das Bauvolumen für den Bereich Würzburg mit der Tieferlegung der Fahrbahn, der Talbrücke Heidingsfeld und dem Katzenbergtunnel, sagt Alexander Leis.

Alle laufenden Projekte in Unterfranken (siehe Grafik) zusammen kämen sogar auf 700 Millionen Euro. „Die Haushaltsfinanzierung des Bundes hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert, so dass wir viele Projekte, die Bayern auf Schublade vorbereitet hatte, jetzt mittelfristig umsetzen können“, so Leis.

Lichtblick: Im Bereich Wertheim/Marktheidenfeld sollen 18 Kilometer freigegeben werden

Dass die momentan rege Bautätigkeit Pendler wie Urlauber belastet, ist Leis bewusst. „Wir müssen in Baustellen zwar die Fahrbahn einengen, aber die Zahl der Spuren wird bei Großmaßnahmen wie auf der A 3 nicht eingeschränkt. Sonst würde uns der Verkehr zusammenbrechen.“ Bis 2019, so hofft der Experte, ist der Abschnitt zwischen Aschaffenburg und Würzburg fertig ausgebaut. Und: „Im Bereich Wertheim/Marktheidenfeld wollen wir noch heuer 18 Kilometer freigeben.“ Freie Fahrt auf der A 3 heißt es dann aber trotzdem nicht. Über Würzburg hinaus Richtung Erlangen soll der Ausbau weitergehen, aktuell läuft das Vergabeverfahren.

Auch der ADAC sieht auf der zweitlängsten deutschen Autobahn noch keinen Grund zur „Entwarnung“: Die A 3 werde aufgrund des weiteren Ausbaus bis Nürnberg wohl auch in den kommenden Jahren Stauspitzenreiter bleiben. Im Vergleich scheint die A 7 da mit rund 8000 Staumeldungen 2016 auf den ersten Blick geradezu flüssig befahrbar – allerdings ist das ein Zuwachs von gut 40 Prozent gegenüber 2015. Schuld sind hier vor allem marode Brücken, die dem Schwerlastverkehr nicht mehr standhalten.

Fünf Baustellen bestehen derzeit bereits auf der A 7 in der Region – eine kommt bald noch dazu

So seien bis zum Jahr 2030 entlang der ganzen A 7 über 20 Brücken zu erneuern, sagt Alexander Leis. In seinen Bereich fallen im Moment fünf Baustellen: die Talbrücken Rothof, Kürnach, Pleichach, Schraudenbach und Klöffelsberg. Damit „muten wir dem Verkehrsteilnehmer schon einiges zu“, so Leis. In zwei Jahren soll noch die Werntalbrücke hinzukommen, „irgendwann ab 2020 auch Marktbreit“. „Aber danach ist erst einmal Abarbeitung der bestehenden Baustellen angesagt.“

30 Kilometer sind es vom Autobahnkreuz Biebelried bis nach Schweinfurt/Werneck. Eigentlich kein weiter Weg. Sechs Kilometer fahren Pendler davon allerdings derzeit in Baustellen – und eben meist im Stau. Das stresst und kostet Nerven. „Ich lebe mit dem Verkehrsfunk, um Staus zu umgehen“, sagt zum Beispiel der 53-jährige Schweinfurter. Ist die A 7 dicht, weicht er über die B 19 aus. Das klappt nicht immer: „Dort ist dann der ganze Ausweichverkehr unterwegs und es kann passieren, dass man wieder Stoßstange an Stoßstange fährt“.

Der ADAC rät: Bei Stau wegen Überlastung besser auf der Autobahn bleiben

Davor warnt auch der ADAC. „Bei Stau wegen Überlastung ist es besser, auf der Autobahn zu bleiben, da auch die Ausweichstrecken überlastet sind“, sagt Markus Bachleitner, Leiter Verkehrsinformation. Zudem sollten zumindest Urlauber Baustellen und Stauschwerpunkte großräumig umfahren und nicht zwischen Freitag und Sonntag unterwegs sein. Wer doch auf Landstraßen abfährt, muss nach ADAC-Statistiken mit einem höheren Unfallrisiko rechnen.

Und damit, am Ende auch auf der Bundesstraße an einem Baustellenschild zu stehen. Gut 25 Baumaßnahmen laufen oder beginnen in diesem Jahr im Zuständigkeitsbereich der staatlichen Bauämter Würzburg und Schweinfurt.

Noch in den Sommerferien werden beispielsweise auf der B 19 (Heidingsfeld bis zur A 3-Anschlusstelle) und auf der B 27 (Veitshöchheimer Straße) die Fahrbahndecken erneuert, ebenso auf der St 2271 in Marktbreit und der St 2435 (Ortsdurchfahrt Wiesenfeld). Im Herbst soll unter anderem im Landkreis Würzburg die B 19 von der Landkreisgrenze (Giebelstadt) bis Würzburg abschnittsweise erneuert werden. Mit neun Kilometern ist das eine der längsten geplanten Baustellen. „Daneben laufen natürlich auch unsere großen Maßnahmen Mainbrücke Ochsenfurt und die Ortsumgehungen Rüdenhausen und Rieneck sowie der Ausbau der Ortsdurchfahrt in Kürnach“, heißt es aus dem Würzburger Bauamt.

Für alle Baumaßnahmen ist eigentlich mildes Wetter nötig

Im Norden der Region, dem Bereich des Bauamtes Schweinfurt, wird derzeit auf der B 279 (Ortsumgehung Wegfurt), der B 285 (Ausbau der Strecke zwischen Nordheim und Ostheim) sowie zweimal auf der B 286 (Erneuerung Kissinger Straße in Bad Brückenau und Erneuerung östlich Oerlenbach) gebaut. Noch im August soll etwa auf der B 279 die Erneuerung der Straße zwischen Obereßfeld und Sulzdorf beginnen.

Warnbarken, Begrenzungen und Verkehrshütchen zieren in Unterfranken also Landstraßen und Autobahnen gleichermaßen. Nur: Warum muss das eigentlich immer im Sommer sein?

„Von unseren 15 Maßnahmen dauern elf ohnehin mehrere Jahre“, sagt Alexander Leis von der Autobahndirektion. „Da können wir nicht anders.“ Solche Baustellen müssten grundsätzlich auch im Sommer weiterlaufen, damit die Zeit minimiert werde. In anderen Fällen, wenn etwa Beton erneuert wird wie auf der A 7 bei Feuchtwangen, „reißen wir eine Fahrbahn raus und können das auch nicht während der Sommerphase unterbrechen.“ Für alle Bauprojekte sei eigentlich das ganze Jahr die milde Witterung von März/April bis November/Dezember nötig. Aber: „Wenn wir es steuern können, werden wir Maßnahmen sicherlich in verkehrsärmere Zeiten legen, nicht in den Hochsommer.“

Wo das nicht möglich ist, werden Pendler und Urlauber weiter durch Spaliere aus rot-weiß gestreiften Barken fahren. Sicherheitshalber „immer eine halbe Stunde mehr für Termine einplanen“, wie der 53-jährige Schweinfurter. Und im Feierabend- und Ferienverkehr fluchen.

 

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