MÜNCHEN/WÜRZBURG

Bayerns Eltern wollen G9 zurück

Turbo-Abitur in NRW       -  ARCHIV - ILLUSTRATION - «G8» und «G9» steht am 01.04.2014 in einem Gymnasium in Straubing (Bayern) an einer Tafel. Seit Donnerstag werden in Nordrhein-Westfalen Unterschriften für ein Volksbegehren gegen das Turbo-Abitur gesammelt. (zu dpa: «Unterschriften gegen das Turbo-Abi in NRW - Volksbegehren gestartet» vom 5.1.2017) Foto: Armin Weigel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
30000 Eltern von Gymnasiasten haben sich an einer Umfrage beteiligt. Die Mehrheit hat sich für ein Gymnasium mit neunjähriger Laufzeit in Bayern ausgesprochen. Foto: Armin Weigel (dpa)

Bayerns Gymnasialeltern wollen das neunjährige Gymnasium wieder haben. Das geht eindeutig aus einer Umfrage der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) hervor, an der sich weit über 30 000 Wahlberechtigte beteiligt haben. Die Eltern waren aufgerufen, sich zwischen dem alten G9, dem G8 sowie der vom Kultusministerium favorisierten Festlegung einzelner Gymnasien auf eine neunjährige Laufzeit auf Basis des G8-Lehrplans zu entscheiden. Fast 80 Prozent der befragten Eltern stimmten für die neunjährige Variante. Fürs G8 sprachen sich elf Prozent aus; für die Zwitterlösung votierten nur rund neun Prozent.

Großen Wert legt die Landeselternvereinigung darauf, dass bei der Rückkehr zum G9 „ein neuer und sinnvoll strukturierter Lehrplan“ für alle Klassen geschrieben wird und dass die 11. Klasse für die Schüler zur „Überspringerklasse“ und „Auslands- oder Neigungsklasse“ ausgebaut wird. „Dies ist ein klares Votum der Eltern“, sagte LEV-Vorsitzende Susanne Arndt. Ihr Verband wolle, dass es politisch umgesetzt werde.

Beschluss in „absehbarer Zeit“

Dass die Neuregelungen zum bayerischen Gymnasium zum Schuljahr 2018/19 umgesetzt werden sollen, hat Kultusminister Ludwig Spaenle schon längst angekündigt. Wie genau sie aber aussehen, welche der vielen in Bayern diskutierten G9-Varianten dann tatsächlich kommt – das ist derzeit noch offen. Nicht einmal den Termin, an dem die Entscheidung fällt, weiß man. Die Entscheidung würden Regierungsfraktion und Ministerrat in „absehbarer Zeit“ treffen, so Ludwig Unger, der Sprecher des Kultusministeriums. Und betont, wie intensiv der Dialog sei, den der Kultusminister mit der gesamten Schulfamilie geführt habe und führe. So werde Spaenle demnächst unter anderem erneut mit den Eltern sprechen. Auch mit dem Direktorenverband und den Lehrerverbänden stehe der Minister weiter in Kontakt.

Das Bemühen Spaenles, die nächste Version des bayerischen Gymnasiums mit möglichst vielen Beteiligten und vor Ort abzuklären, begrüßt der Leiter des Würzburger Röntgen-Gymnasiums, Hans Reinfelder. „Allerdings wäre es schön, wenn wir spätestens bis April wüssten, wie es weitergeht“, sagt er. Schließlich wollten die Eltern neuer Schüler Bescheid wissen, worauf sie sich mit einer Gymnasialanmeldung einließen. „Und wir sind natürlich gespannt, ob der Pilotversuch Mittelstufe Plus weitergeht oder in eine neue Lösung übergeleitet wird“, sagt Reinfelder. Das Röntgen-Gymnasium ist eines von 47 bayerischen Gymnasien, an denen die Mittelstufe seit eineinhalb Jahren in einer drei- und einer vierjährigen Variante angeboten wird.

Was wird aus „Mittelstufe Plus“?

„Was aus der Mittelstufe Plus wird, wissen wir nicht. Wir wissen derzeit nichts“, sagt auch Edith Degenhardt, die das ebenfalls am Pilotversuch teilnehmende Rhön-Gymnasium in Bad Neustadt leitet. Sie fände es sinnvoll, fiele die Entscheidung über die Fortführung oder Einstellung der Mittelstufe Plus bis März. Gibt man die Frage zur Zukunft der Mittelstufe Plus ans Ministerium weiter, heißt es: „Die Mittelstufe Plus war von vornherein als zweijähriges Pilotprojekt angelegt“.

Unterdessen haben die Grünen das Votum der Eltern für ein neunjähriges Gymnasium zum Anlass genommen, der CSU anzulasten, sie sorge für „Schulunfrieden“. Dem „zweifelhaften, von der CSU favorisierten Konzept der Wahlfreiheit“ hätten die Bayern eine klare Absage erteilt, so Thomas Gehring, der bildungspolitische Sprecher der Landtags-Grünen. Das Konzept sei doppelt unverschämt, weil es den Willen der Menschen missachte und den Schulen eine vermeintliche Wahlfreiheit an die Hand gebe, deren Mehrkosten die Kommunen selbst tragen müssten.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Gisela Rauch
  • CSU
  • Gruppe der Acht
  • Ludwig Spaenle
  • Thomas Gehring
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!