ECKENTAL

Ein Unternehmer baut für Flüchtlinge

Wohnungen, hell und modern: So sollen die Eckentaler Unterkünfte für bis zu 60 Flüchtlinge einmal aussehen. Angestrebt wird ein Einzug bis Weihnachten.
Wohnungen, hell und modern: So sollen die Eckentaler Unterkünfte für bis zu 60 Flüchtlinge einmal aussehen. Angestrebt wird ein Einzug bis Weihnachten. Foto: Grafik: The Peoples Project

Markus Gildner hat sich eine einfache Frage gestellt: „Warum müssen Flüchtlinge immer in alten Gebäuden wohnen?“ Der 44-jährige Immobilienentwickler aus Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz hat die Sache durchgerechnet und ist auf ein erstaunliches Ergebnis gekommen: Neubauten für Asylbewerber sind auch finanziell umsetzbar.

„Ich bin auf die Idee mit dem klassischen Reihenhaus gekommen. Wenn die Flüchtlinge nach zehn Jahren wieder ausziehen, können auch andere Menschen hier wieder einziehen“, sagt Gildner. Neubauten würden das Zusammenleben fördern. „Wenn ich mich in meinem Wohnraum zu Hause fühle, dann klappt auch die Integration besser“, sagt er und führt den Besucher stolz auf seiner Baustelle herum.

Im Ortsteil Eckenhaid der mittelfränkischen Marktgemeinde Eckental (Lkr. Erlangen-Höchstadt) baut Gildner derzeit sechs Reihenhäuser. „Pünktlich zu Weihnachten sollen die 60 Asylbewerber kommen“, sagt er und erklärt, dass jeweils zehn Asylbewerber in den dreistöckigen Neubauten unterkommen sollen. „Eine vierköpfige Familie hat 60 Quadratmeter mit zwei Schlafzimmern, einer Wohnküche und einem Bad zur Verfügung“, erklärt Gildner.

Damit will sich der Unternehmer von „Immobilienhaien“ unterscheiden, die mit der Not der Flüchtlinge nur Kasse machen wollten, sagt er. „Das könnte ein richtiges Vorbildprojekt für die Unterbringung von Flüchtlingen werden“, hofft Gildner. Insgesamt kostet das Bauvorhaben rund zwei Millionen Euro. Die Neubauten hat Gildner auf den wohlklingenden Namen „The Peoples Project“ getauft. Der Mietvertrag mit der Regierung von Mittelfranken habe eine Laufzeit von zehn Jahren. Über Mietpreise will Gildner nicht sprechen. Nur so viel: Abgerechnet werde pro Quadratmeter und nicht pro Kopf. Die sechs Häuser sollen eine Wohnfläche von insgesamt knapp 1000 Quadratmetern haben. Die Größe des Grundstücks beträgt rund 2600 Quadratmeter.

In der Marktgemeinde Eckental sind freilich nicht alle begeistert über das angebliche Vorzeigeprojekt für Flüchtlinge. „Wir freuen uns riesig über die 60 Asylbewerber in der Nachbarschaft“, sagt eine Anwohnerin mit unverhohlener Ironie in der Stimme. „Der Investor hat die Gemeinde und die Anwohner über den Tisch gezogen,“ ist sich der herbeigeeilte Ehemann sicher. Man habe den Leuten erzählt, dass in den Reihenhäusern junge Familien einziehen würden. Seit Mai wisse man, dass 60 Asylbewerber die neuen Nachbarn sein werden. Viele Anwohner hätten nun Angst vor Kriminalität.

Auch andere Eckenhaider befürchten, dass alleinstehende Männer und keine Familien in die Neubauten einziehen. Manche Nachbarn seien fertig mit den Nerven, erzählt man sich am Gartenzaun. Auch befürchten viele, dass die Häuserpreise dadurch in den Keller fallen könnten. Markus Gildner findet dagegen, sein Konzept sei zukunftsweisend. Die Regierung von Mittelfranken bekomme die besten Unterkünfte, die es für Flüchtlinge derzeit gebe, ist sich der 44-Jährige sicher.

Die Bürgermeisterin der Marktgemeinde, Ilse Dölle von den Unabhängigen Bürgern, will die Wogen in der Debatte um das „Luxus-Flüchtlingsheim“ glätten. Entscheidend sei nicht die Qualität des Betons, sondern die Qualität der Betreuung, sagt sie. In der Frage der Unterbringung könne die Gemeinde nicht eigenständig entscheiden. Dölle lässt durchblicken, dass der Investor von Anfang an nicht mit offenen Karten gespielt habe. Doch jetzt wolle sie zum Wohle der Flüchtlinge in die Zukunft blicken. In Eckental würden sich viele Menschen ehrenamtlich für Asylbewerber engagieren.

In der Marktgemeinde leben derzeit 110 Flüchtlinge, verteilt auf drei Unterkünfte. Die Bürgermeisterin ist sich sicher, dass auch die 60 Neuankömmlinge gut in Eckental integriert werden. Dass nicht alle Bürger begeistert sind, kann Dölle aber nachvollziehen. „In ganz Deutschland wird über Flüchtlinge kontrovers diskutiert“, sagt sie. Diese Debatte finde auch in ihrer Gemeinde statt. Die Zahl der Flüchtlinge werde weiter steigen. „Das ist nicht das Ende der Fahnenstange“, sagt Dölle.

Eine Einschätzung, die Markus Gildner teilt und die vor gut einem Jahr auch den Anstoß zu seinem Projekt gab: „Ich habe mir gesagt, es werden noch mehr Flüchtlinge kommen. Ich habe mir gesagt, wir können langfristig nicht alle Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen“, sagt der Unternehmer.

Bauherr: Markus Gildner vor den Rohbauten.
Bauherr: Markus Gildner vor den Rohbauten. Foto: N. Pelke

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