MÜNCHEN

Eltern sind gegen neue Schulreform

Der Landeselternverband (LEV) der Gymnasien in Bayern fordert von den Parteien ein Ende des Grundsatzstreits über die bayerische Schulstruktur. Stattdessen gelte es im bestehenden System einen „Konsens über die langfristige Entwicklung der bayerischen Gymnasien und des bayerischen Schulsystems zu erarbeiten“, heißt es in einem am Wochenende auf einer Mitgliederversammlung in Kulmbach verabschiedeten Papier. Nur so sei ein im Sinne der Kinder dringend erforderlicher „Schulfrieden“ zu erreichen.

„Die Eltern wollen keine andauernde Systemdebatte“, glaubt die LEV-Vorsitzende Susanne Arndt. So habe die Mitgliederversammlung des aus den Elternbeiräten interessierter Gymnasien zusammengesetzten Verbandes eine etwa von der SPD geforderte Wahlmöglichkeit zwischen achtstufigem (G8) und neunstufigen (G9) Gymnasium klar abgelehnt. „Die Eltern wollen das G8“, sagt Arndt: „Aber verbessert.“

Aus Sicht der Elternlobby sind dabei nicht zuletzt die Lehrer gefordert: „Die Lehrer müssen die Verantwortung für den schulischen Erfolg ihrer Schüler übernehmen“, fordert Arndt. Nach der letzten Sommer von der schwarz-gelben Staatsregierung beschlossenen G8-Reform stünden nun auch die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung: „Und wir werden darauf achten, dass diese Mittel auch ihrem Zweck gemäß genutzt werden“, so die LEV-Vorsitzende.

Das Reformkonzept, das in diesem Schuljahr bereits an zwölf Gymnasien getestet wird, sieht unter anderem ein „Frühwarnsystem“ für leistungsschwache Schüler, individuelle Förderangebote sowie ein „Flexibilisierungsjahr“ in der Mittelstufe vor.

Zwei Varianten geplant

In einer an diesem Wochenende veröffentlichten 20-Seiten-Broschüre stellt das Kultusministerium nun als „Erstinformation“ Details des neuen „Flexi-Jahres“ vor. Demnach soll es zwei Varianten geben: So kann ein Schüler in der Mittelstufe freiwillig eine Jahrgangsstufe wiederholen, ohne alle Fächer belegen zu müssen. In der so gewonnenen Unterrichtszeit sollen in Problemfächern spezielle Fördermaßnahmen helfen, Defizite auszugleichen. In der zweiten Variante kann der Unterricht einer Jahrgangsstufe auf zwei Jahre gestreckt werden – etwa um Zeit zur Pflege von Begabungen zu gewinnen.

Die Opposition bleibt skeptisch: „Das Flexi-Jahr ist ein organisatorisches Ungetüm“, so der SPD-Bildungsexperte Martin Güll. Nur eine grundlegende Reform der Fächer, der Lehrpläne sowie eine Ganztagskonzeption könne das G8 verbessern, meint der Grüne Thomas Gehring: „Das Flexi-Jahr reicht als Reform nicht aus.“ Der CSU–Bildungspolitiker Georg Eisenreich verweist dagegen auf die 1,5 zusätzlichen Lehrerstellen pro Schule. Die Gymnasien müssten sich mehr dem einzelnen Schüler zuwenden, fordert Eisenreich. Dieser „pädagogische Kulturwandel“ sei noch nicht abgeschlossen.

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