WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Es droht ein Hausärzte-Notstand in der Region

Hausarzt
Eine Hausärztin untersucht einen Patienten Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Dr. Dieter Geis ist Hausarzt aus Leidenschaft. Seit 35 Jahren führt der 66-Jährige eine Praxis in Randersacker (Lkr. Würzburg) – doch nun sieht er seinen Berufsstand in Gefahr: „Von den 942 Hausärzten in Unterfranken sind 365 älter als 60 Jahre. Wir haben in unserem Berufszweig eine starke Überalterung und sind das Schlusslicht in Bayern“, sagt der Vorsitzende des bayerischen Hausärzteverbandes und schlägt Alarm: „Wenn sich das nicht ändert, ist in drei, vier Jahren die Versorgung gefährdet.“

Hauptproblem: Überalterung

Dieter Geis fordert ein Bündel von Maßnahmen von Seiten der Politik, der Kommunen, aber auch in der medizinischen Ausbildung, „sonst wird es brenzlig, denn es droht ein erheblicher Notstand. Wenn wir es nicht schaffen, doppelt so viele qualifizierte Hausärzte wie heute auszubilden, dann werden wir einen massiven Hausarztmangel bekommen.“

Noch sei die Situation in der Region Mainfranken gut. Wenn auf 1600 Einwohner ein Hausarzt kommt, liegt der Versorgungsgrad bei 100 Prozent. Nach dieser Rechnung liegt Würzburg bei 140 Prozent, Schweinfurt-Süd bei 113 Prozent, Hammelburg bei 122,4 Prozent und Mellrichstadt bei 126,1 Prozent. „Aber diese Zahlen täuschen“, sagt Dieter Geis. Das Problem auch hier: Die Ärzte sind zu alt. Die Hausärzte in Hammelburg sind durchschnittlich 60,7 Jahre alt, ähnlich sieht es in Mellrichstadt aus: „Elf von 15 Ärzten sind dort über 60 Jahre. Wenn die aufhören, finden sie keinen Nachfolger.“ Das belegen aktuelle Zahlen: In Bayern gingen im vergangenen Jahr 414 Hausärzte in den Ruhestand, 87 fanden keinen Nachfolger.

Problemregionen Haßfurt, Lohr und Schweinfurt-Land

Es gibt bereits Regionen wie Haßfurt oder Lohr, wo die Versorgungsquote unter 100 Prozent gefallen ist. Negativer Spitzenreiter in Unterfranken ist der nördliche Landkreis Schweinfurt. Dort ist die Quote auf 76,7 Prozent abgesackt. „Hier können wir bereits fast von einer Unterversorgung sprechen“, so der Experte.

Die Hoffnung auf Besserung hat Geis nicht aufgegeben. Kommunen empfiehlt er, sich aktiv um Ärzte zu bemühen: „Sie sollten sich nicht nur um Kitas kümmern, sondern auch um die ärztliche Versorgung.“ Neulich sprach er im bayerischen Landtag zu dem Thema. „Mittlerweile sieht es die Politik ein, dass die Situation dringend verbesserungswürdig ist.“ So soll die Zahl der Medizinstudienplätze deutschlandweit um zehn Prozent erhöht werden und an allen Universitäten an den medizinischen Fakultäten ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet werden. Die bayerische Staatsregierung will mit einem 27-Punkte-Programm gegensteuern.

Kritik am Maßnahmen-Programm der CSU-Regierung

Kerstin Celina (Kürnach), Landtagsabgeordnete der Grünen und Mitglied im Gesundheitsausschuss, findet es gut, dass die CSU das Thema anpackt, kritisiert das Programm jedoch als „mit viel heißer Luft aufgeblasen“. Celina fordert ausreichend Ausbildungsplätze und gerade für junge Mediziner ein pralles Maßnahmen-Paket, „um sie schon während Praktika aufs Land zu locken“. Moderne medizinische Versorgungszentren sowie Kooperationen mit Kommunen könnten neue Wege sein: Kommunen könnten Ärzte mit festen Arbeitszeiten anstellen.

MdB Dittmar: Situation ist „hochdramatisch“

Die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar (SPD) war selbst 15 Jahre als Hausärztin in Maßbach (Lkr. Bad Kissingen) tätig, sie hält die Altersstruktur der Ärzte in Unterfranken „für hochdramatisch“. Der Ansatz, mit kommunalen medizinischen Versorgungszentren entgegenzuwirken, sei zwar gut, doch: „Welche Kommune kann sich das leisten?“ Ein Ärztemangel herrsche ja gerade in strukturschwachen Gebieten, wo oft auch das Geld für solch eine Investition fehle.

Hoffen auf „Masterplan Medizinstudium“

Die Politikerin sieht eher die Kassenärztliche Vereinigung in der Verpflichtung. Dittmar setzt zudem auf die zügige Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ durch die Bundesregierung, mit dem der „Stellenwert der Allgemeinmedizin im Studium frühzeitig geweckt werden soll“. Zudem soll künftig nicht nur die Abinote über einen Studienplatz entscheiden, sondern unter anderem auch berufliche Kompetenz oder Praktika im Rettungswesen.

Durchschnittlich, so Geis, verdiene ein Hausarzt in Bayern nach Abzug der Kosten 165 000 Euro im Jahr, wovon er noch Krankenkassen- und Rentenbeiträge bestreiten müsse. Mit dann rund 135 000 Euro liege der Hausarzt beim Verdienst im Bereich eines Oberarztes im Krankenhaus. Geis sieht ein Licht am Horizont: „Lag bei der Facharztprüfung die Quote der Hausärzte vor zehn Jahren noch bei sieben bis acht Prozent, so sind es aktuell zwölf. Wenn wir da auf 20 Prozent kommen, ist die Versorgung gesichert.“

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