MÜNCHEN

Fränkisch, nicht nur bayerisch

Georg Rosenthal

„Unner Fränkisch söllt mer nid vergass, i soch euch dos des is ke Spass, a unner Sprach is heut no richti, in Mundart gsproche ümmer wichti.“

Es passiert nicht oft, dass im Landtag Gedichte vorgetragen werden – erst recht nicht in unterfränkischem Dialekt. Am Mittwoch aber war es im Wissenschaftsausschuss so weit: Der Mittelfranke Manuel Westphal (CSU) trug die von Georg Götz, Vorsitzender vom Main-Franken-Kreis, extra verfassten Zeilen vor, um einem Anliegen Nachdruck zu verleihen, das zumindest im Grundsatz in allen Landtagsfraktionen Unterstützung findet: Die Mundartforschung im Freistaat soll sich künftig nicht mehr vor allem auf das bayerische Idiom konzentrieren. Auch die Erforschung fränkischer und schwäbischer Dialekte soll gleichwertig gefördert werden.

Bislang stehen bei der mit der Mundartforschung beauftragten Akademie der Wissenschaften nämlich viereinhalb Stellen für die Arbeiten an einem „Bayerischen Wörterbuch“ zur Verfügung. Für ein „Fränkisches Wörterbuch“ gibt es dagegen nur eineinhalb Stellen – während die Schwaben derzeit „sogar gar nix kriegen“, wie der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) bitter beklagte.

Dabei gehe es bei der Mundartforschung überall im Freistaat „um die Sicherstellung eines ideellen Kulturguts“, findet der Würzburger SPD-MdL Georg Rosenthal. Doch die damit befassten Wissenschaftler beklagten angesichts zu knapper Mittel zu Recht „dass ihnen an vielen Stellen die Zeitzeugen wegsterben“. Die Mundartforschung müsse deshalb „so ausgestattet werden, dass sie in angemessener Zeit zu Ende geführt werden kann“, verlangt Rosenthal.

In der Tat muss man etwa in Franken gar nicht bei null beginnen: Zwischen 1960 und 2001 wurden von Ehrenamtlichen überall in Franken Hunderttausende Karteikarten mit sprachlichen Besonderheiten zusammengetragen. Weil die Aufarbeitung und Auswertung mangels Personal lahmte, wurde die sogenannte Materialerhebung aber 2001 eingestellt. 2006 wurde zwar ein fränkisches „Auswahlwörterbuch“ veröffentlicht, das aber nach Selbsteinschätzung der in Fürth beheimateten Redaktion des „Fränkischen Wörterbuchs“ nur einen „sehr schmalen Teil des erhobenen Wortschatzes“ präsentieren konnte.

Mit der derzeitigen Finanzausstattung „würden noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis das umfangreiche erhobene Material vollständig bearbeitet ist“, glaubt man in Fürth. In Bayerisch-Schwaben ist die Situation sogar noch trister: Hier wurden sämtliche Bemühungen bislang alleine vom Bezirk finanziert.

Ein untragbarer Zustand – an dem die Akademie der Wissenschaften zumindest eine Mitschuld trägt, findet etwa der CSU-Wissenschaftspolitiker Oliver Jörg: „Ich renne mir seit fünf Jahren die Hacken ab, damit sich bei der Akademie was tut“, schimpfte der Würzburger im Landtag. Bislang offenbar mit eher bescheidenem Erfolg.

Nun will der Landtag den politischen Druck für eine gerechtere Mundartforschung erhöhen. Auch mehr Geld soll zur Verfügung stehen. „Wir müssen aber schauen, dass damit nicht wieder nur ein Dialekt unterstützt wird“, warnte Jörg.

Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) bekam den Auftrag, der Akademie der Wissenschaften nun mächtig Dampf zu machen, um „dem Stellenwert aller Dialekte im Freistaat gleichermaßen gerecht“ zu werden, wie es in einem einstimmig angenommenen CSU-Antrag heißt.

Wie viel Geld für die neue Gleichbehandlung zur Verfügung stehen soll, blieb allerdings vorerst offen: Einen SPD-Antrag, der auch für fränkische Forscher „ausreichende finanzielle Mittel“ einforderte, lehnte die CSU-Mehrheit mit Verweis auf noch offene Haushaltsverhandlungen ab.

Oliver Jörg Foto: Theresa Müller

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