WÜRZBURG/MÜNCHEN

Früheinschulung in Bayern kommt nicht an

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle distanziert sich von der vorzeitigen Einschulung fünfjähriger Kinder, wie sie seit einigen Jahren in Bayern praktiziert wird.

„Die starre Jahrgangsorientierung ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Spaenle. Eine Sprecherin des Kultusministeriums bestätigt, dass derzeit „daran gearbeitet werde, die Regelung zu ändern“. Sechs Jahre, nachdem der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber mit Hilfe der damaligen Kultusministerin Monika Hohlmeier die vorzeitige Einschulung von Grundschulkindern durchgesetzt hat, will der neue Kultusminister sie offenbar wieder abschaffen. Die Einschulung müsse „entwicklungsgerecht möglich“ sein; eine „stärkere Orientierung aufs Kind“ sei notwendig, lässt Spaenle wissen. Hintergrund dafür, dass der neue Kultusminister die Regelung sterben lassen will, ist offenbar der, dass Eltern sie nicht mitmachen: Bayernweit haben über 70 Prozent der Eltern, deren fünfjährige Kinder jetzt im Herbst hätten eingeschult werden müssen, sich verweigert. Dies hat das Kultusministerium bestätigt.

Entsprechend der gültigen Regelung müssten zum Schuljahresbeginn im September auch alle im Oktober und November 2003 geborenen Kinder mit der ersten Klasse beginnen. „Aber da machen die Eltern nicht mit; auch hier in der Region nicht“, sagt Schulrat Bruno Fries vom Schulamt Main-Spessart. In seinem Landkreis lassen nur 39 Eltern von Oktober- oder Novemberkindern ihre schulpflichtigen Sprößlinge auch tatsächlich mit der Schule beginnen – 140 Elternpaare dagegen haben von ihrem sogenannten „Rücktrittsrecht“ Gebrauch gemacht. Auch im Landkreis Kitzingen werden nur 34 von insgesamt 88 schulpflichtigen Oktober- oder Novemberkindern eingeschult.

Würzburger Eltern lassen ebenfalls ihre Fünfjährigen lieber im Kindergarten, anstatt sie in die Schule zu schicken: 92 Oktober- oder Novemberkinder hätten in Würzburg heuer zur Schule kommen müssen – tun es aber nicht. Die Zahl der ABC-Schützen hat sich in Würzburg deshalb heuer von 901 auf 809 verringert. „Man kann Fünfjährige durchaus in die Schule schicken – aber dann müsste der Lehrplan auch auf Fünfjährige abgestellt sein“, merkt Gabriele Rube, Schulrätin beim Staatlichen Schulamt in Würzburg, an. Der derzeit gültige Grundschullehrplan stamme aber aus dem Jahr 2001 – an den Unterricht Fünfjähriger habe damals keiner gedacht.

Sehr erfreut über Spaenles Absicht, die vorzeitige Einschulung zurückzufahren, ist der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Der Verband kritisiert seit Jahren die Einschulung Fünfjähriger. „Fünfjährige kommen oft mit dem organisierten Lernbetrieb nicht zurecht. Gerade die Einzelkinder unter ihnen haben auch oft Schwierigkeiten, sich in eine große Gruppe einzufügen. Oft ist auch das Abstraktionsvermögen noch nicht hinreichend entwickelt“, so BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Er hofft, dass Spaenle eine Regelung beschließt, die von sechsjährigen Schulanfängern ausgeht.

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