MÜNCHEN

„Highways“ für die Bienen

Blühstreifen an der B16 bei Roßhaupten im Ostallgäu
Entlang bayerischer Straßen soll künftig mehr blühen als nur Löwenzahn: Das Verkehrsministerium hat ein Pilotprojekt namens „Bienen-Highway“ initiiert, bei dem kilometerlange Blühstreifen angelegt werden, die Insekten als Nahrung und Lebensraum dienen sollen. Foto: Benedikt Siegert

„Rettet die Bienen“ – mit diesem markigen Slogan ist Bayerns Umweltschützern beim gleichnamigen Volksbegehren ein großer Erfolg gelungen. Nun ist die Staatsregierung am Zug und greift zu nicht minder markigen Botschaften. So feiern Ministerpräsident Markus Söder und Verkehrsminister Hans Reichhart (beide CSU) an diesem Freitag gemeinsam den Start eines neuen Pilotprojekts namens „Bienen-Highway“.

Quer durch Bayern sollen entlang von Radwegen an Autobahnen-, Bundes- und Staatsstraßen dutzende mindestens einen Kilometer lange und 1,5 Meter breite Blühstreifen angelegt werden, die Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten als Nahrung und Lebensraum dienen sollen. Zudem sollen sie Biotope miteinander verbinden. „Manche Wildbienen legen im Lauf ihres Lebens nur zwischen 80 und 300 Meter zurück. Ein Bienen-Highway schafft damit eine Brücke zwischen Wildbienen-Völkern, die ansonsten zu weit voneinander entfernt leben würden“, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

Söder streut selbst

Bayernweit sind schon jetzt 26 Highways geplant, am Freitagnachmittag streuen Söder und Reichhart persönlich Saatgut neben die B 14 bei Lauf an der Pegnitz. Dieses besteht aus bis zu 40 verschiedenen Arten, die für jede Region Bayerns eigens angepasst wird. Dabei sind unter anderem Kornblumen, Margeriten, Schafgarbe oder Wilde Möhren.

Bei Bayerns Naturschützern löst das ministeriale Pilotprojekt gespaltene Reaktionen aus. „Schön, aber . . .“, lautet das Fazit von Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, als auch Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz, auf Nachfrage dieser Redaktion. Ihnen geht Engagement der Staatsregierung bislang nicht weit genug.

„Ich will die Highways nicht schlechtreden, jedes Projekt für den Artenschutz ist besser als keines. Aber es besteht die Gefahr, dass es nicht viel mehr als ein Feigenblatt ist und beim nächsten Straßenbauprojekt als Pro-Argument aufgeführt wird“, sagt Schäffer. Mergner seht das ganz ähnlich: „Die Blühstreifen sind gut gemeint, sie sind aber auch ein sehr kleiner Ansatz. Es wäre viel sinnvoller, wenn man den Ausbau des gigantischen Straßennetzes überdenken würde. Jede neue Straße, die nicht gebaut wird, hilft der Natur und den Tieren mehr als ein paar Blumen am Straßenrand.“ Zwar habe Ministerpräsident Söder in der Vergangenheit schon erklärt, dass der Flächenverbrauch auf den Prüfstand müsse, beim Thema Straßenbau sei hier seither aber noch nichts passiert, sagt Mergner.

Zumal auch die Neuanlegung der Blühstreifen selbst kritisch gesehen werden müssten, wie Schäffer und Mergner betonen. So sei es bei vielen Randstreifen sinnvoller, die bestehende Vegetation wachsen zu lassen. „Da braucht es oftmals keine bunten Blumenwiesen, sondern die Insekten haben dort oft schon alles, was sie brauchen“, sagt Schäffer. Überhaupt sei es ein Problem, dass viele Straßenränder mehrmals im Jahr abgemäht oder gemulcht würden, obwohl es weder aus ökologischer noch verkehrstechnischer Sicht nötig wäre. Auch der direkt neben den Blühstreifen vorbeifahrende Straßenverkehr könne zum Problem werden, sagt BUND-Chef Mergner und spricht von einer „ökologischen Falle“: Bienen und Schmetterlinge werden durch die Blumen angelockt und enden an der Windschutzscheibe des vorbeirasenden Autos. Daher sei es sinnvoller, die Streifen entlang von Radwegen anzulegen und weniger an viel befahrenen Bundes- und Staatsstraßen.

Im Ministerium ist man trotz der Kritik von den Bienen-Highways überzeugt. Diese seien „ein wichtiger Beitrag zur Insektenvielfalt und Biodiversität in Bayern“, sagte Verkehrsminister Hans Reichhart.

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