MÜNCHEN

In die Sache „Beutekunst“ kommt Bewegung

Der Landtag verlangt vom Kunstministerium noch in diesem Jahr eine Liste der in München aufbewahrten fränkischen Kunstschätze. So soll die oft emotionale Debatte um die Rückgabe der „Beutekunst“ versachlicht werden.
2004 war das fränkische Herzogsschwert schon einmal vorübergehend in Würzburg: bei einer Ausstellung im Museum am Dom. Begutachtet wird es auf unserem Archivbild von Dr. Wolfgang Schneider (links) vom Kunstreferat der Diözese Würzburg und Klaus Oelke, Restaurator der Schatzkammer der Münchner Residenz. Foto: FOTO Thomas Obermeier

Alle Fraktionen im Hochschulausschuss stimmten einem entsprechenden Vorschlag der CSU zu, der als Antwort auf eine Petition des Fränkischen Bundes formuliert worden war. Diese von knapp 12 000 Unterschriften unterstützte Eingabe hatte die Rückgabe sämtlicher von den Wittelsbachern nach dem Anschluss Frankens an Bayern 1803 nach München gebrachten Kunst- und Kulturschätze bis Ende des Jahres gefordert.

Redner aller Parteien äußerten in einer weitgehend sachlichen Debatte grundsätzlich Sympathie für den Vorstoß, warnten jedoch vor einem Ultimatum für die Rückgabe: „Das Thema ist nicht geeignet, um mit dem Kopf durch die Wand zu gehen“, erklärte etwa der Würzburger CSU-MdL Oliver Jörg.

Der Mittelfranke Karl Freller will zudem vermeiden, das Thema zu einem „Nord-Süd-Konflikt“ in Bayern zu machen. Geklärt werden müsse vor allem, über welche Kunstwerke überhaupt geredet werde, in welchem Eigentum diese stehen und ob sie transportfähig sind.

Zudem soll in der Liste der derzeitige „Ausstellungskontext“ beschrieben werden: Ist also etwa das Würzburger Herzogschwert unverzichtbar für die Wittelsbacher Sammlung in der Münchner Residenz? Oder könnte es mit direktem Bezug zu seiner Geschichte in Würzburg besser präsentiert werden?

Der Bayreuther SPD-MdL Christoph Rabenstein forderte vor allem die Beschäftigung mit identitätsstiftenden Kunstwerken wie eben dem Herzogsschwert oder dem Bamberger Domschatz. Denn das zuständige Ministerium verweise zwar in einer Stellungnahme zu Recht darauf, dass in den letzten Jahren viele Kunstwerke aus staatlichem Besitz nach Franken gebracht worden seien. „Die wirklich wichtigen Sachen waren aber nicht dabei“, findet Rabenstein.

Die Münchner FDP-MdL Anette Bulfon forderte „mal ein Zeichen zu setzen“: Hinter den fränkischen Forderungen stecke ein „sehr tiefes Gefühl – das nehme ich sehr ernst“. Auch der oberbayerische Grüne Sepp Dürr sieht ein „legitimes Anliegen“, hält aber die Diskussion für „komplett schief“: Es gehe nicht um Franken allein, denn „alles, was die Wittelsbacher haben, ist Beutekunst“. Das „wahre Übel“ der Kulturpolitik in Bayern „ist doch der Zentralstaat“.

Ex-Kunstminister Thomas Goppel (CSU) nannte es mit Blick auf die Petition „rotzig, über Eigentumsverhältnisse einfach so hinweg zu gehen“. Die meisten fränkischen Kunstwerke in München gehören bis heute dem Haus Wittelsbach. Und die Entscheidung über den Ausstellungsort liege nun einmal bei den Eigentümern, findet Goppel. Sein Parteifreund Freller meint jedoch: „Das Thema wird immer wieder aufkommen, bis eine Lösung zur allgemeinen Zufriedenheit gefunden ist.“

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