MÜNCHEN

Kann ein Mops ein Jagdhund sein?

Darauf sollten Halter beim Welpenkauf achten
Ein Mops, der geborene Jäger und Bewacher? Kommt drauf an, aus welcher Perspektive man ihn betrachtet. SPD-Mann Herbert Woerlein ist sich sicher: Das geht gar nicht. Und er wähnt die Jäger auf seiner Seite. Foto: Victoria Bonn-Meuser, dpa

Wenn Jäger beieinander sitzen, gibt es viel zu reden – gerne auch über andere Jäger. Die Jäger aus dem Landkreis Augsburg, die in Fischach beim SPD-Landtagsabgeordneten Herbert Woerlein am Tisch saßen, sind auf einige ihrer Kollegen gar nicht gut zu sprechen. Der Grund sind deren Hunde.

Angeblich, so wurde Woerlein berichtet, seien immer wieder Jäger mit Hunden unterwegs, die zur Jagd nicht taugen. Sogar Möpse seien in den Revieren schon gesichtet worden – also Vierbeiner, die weder als Spürhunde noch für ihre läuferische Kondition noch für ihren Jagdeifer bekannt sind. Und das habe Konsequenzen für die „Nachsuche“: Wildtiere, die zum Beispiel bei Verkehrsunfällen verletzt wurden und sich irgendwo im Unterholz verkriechen, würden nicht schnell genug gefunden und müssten deshalb qualvoll verenden.

Woerlein tat, was ein bayerischer Abgeordneter offenbar tun muss. Er brachte das Thema direkt vom Stammtisch in den Landtag und beantragte den „Erlass einer landesgesetzlichen Regelung zur Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdhunden“. Alle anderen Bundesländer, so trug er am Mittwoch im Agrarausschuss vor, hätten eine solche Regelung. „Nur in Bayern dürfen nicht geprüfte Hunde auf die Tiere losgelassen werden“, sagte Woerlein.

Die Ausschussvorsitzende und Allgäuer Abgeordnete Angelika Schorer (CSU) hatte zwar zuvor noch versucht, das Thema auch mit Humor zu nehmen. Schon alleine der lange Titel des Antrags zeige, so Schorer, „das ist ein besonderes Thema“. Doch ihre Kollegen von der CSU verstanden keinen Spaß. So ein Gesetz sei „überflüssig wie ein Kropf“, grantelte der Traunsteiner Abgeordnete Klaus Steiner (CSU). Die stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion, Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth, merkte an: „Ich glaube nicht, dass einer, wenn er mit einem Mops zur Jagd geht, hohes Ansehen bei den Jägern genießt.“ Und ihr Allgäuer Kollege Eric Beißwenger (CSU) sagte: „Wer da alles seine Möpse mit in den Wald nimmt, das wage ich nicht zu beurteilen.“ Aber es gebe bisher weder Beschwerden von Jägern, noch von unteren Naturschutzbehörden und somit keine Notwendigkeit, gesetzgeberisch tätig zu werden.

Auch die Allgäuer Abgeordneten der Freien Wähler und der Grünen stellten sich auf diesen Standpunkt. „Wir würden hier nur neue Bürokratie schaffen“, sagte Leopold Herz (Freie Wähler). Praktiker nähmen zur Jagd ohnehin nur Hunde mit, die brauchbar seien.

Wenn es in der Praxis keine Probleme gebe, sei es nicht zu rechtfertigen, neue Regelungen und neue Bürokratie zu schaffen, betonte auch Ausschussvize Ulli Leiner (Grüne). „Deshalb können wir dem Antrag, auch wenn er gut gemeint ist, nicht zustimmen.“

Alles Argumentieren Woerleins war vergeblich. Er versuchte zwar, Zweifel an der „Selbstkontrolle der Jäger“ anzumelden. Die Anregung für eine Regelung sei schließlich direkt aus der Jägerschaft gekommen. Doch „eine breite Allianz der Vernunft“ (Beißwenger) aus CSU, Freien Wählern und Grünen lehnten den SPD-Antrag ab. Die Debatte im Landtag ist damit beendet, in Fischach vermutlich noch nicht.

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