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Klimaschutz: Söder will jährlich eine Million Bäume pflanzen

Klimaschutz: Söder will jährlich eine Million Bäume pflanzen
Der bayerische Staatswald – hier im Spessart – soll laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) künftig nicht mehr Gewinne erzielen, sondern vor allem dem Klimaschutz dienen. Foto: Patty Varasano

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will aus Gründen des Klimaschutzes eine radikale Wende bei der Bewirtschaftung des Staatswalds: "Unser Staatswald soll zum Klimawald werden", kündigte er am Mittwoch in München an. Anstatt wie bisher mit den staatlichen Wäldern einen Gewinn für den Staatshaushalt zu erwirtschaften, sollen die Bayerischen Staatsforsten künftig ökologische Ziele bei der Waldpflege in den Mittelpunkt stellen: "Statt am Wald zu verdienen, müssen wir ihn klimafest umbauen", erklärte Söder. Die Staatsforsten sind seit 2005 ein gewinnorientiertes Staatsunternehmen und bewirtschaften derzeit rund 755.000 Hektar Wälder in Bayern.

Finanzielle Angebote für Privatwaldbesitzer

Konkret kündigte Söder ein bayernweites Aufforstungsprogramm an: In den kommenden fünf Jahren sollen unter dem Strich jährlich rund eine Million Bäume zusätzlich in den Staatswäldern gepflanzt werden. Gleichzeitig will Söder den Waldumbau massiv vorantreiben und bis zu 25 Millionen Bäume ersetzen: "Wir brauchen wärmeverträglichere Baumarten, um auf den Klimawandel zu reagieren", sagte er. Die Wälder seien der "größte Schatz" Bayerns: Der Erhalt und der Aufbau der Wälder sei deshalb für ihn die klimapolitisch wichtigste Aufgabe.

Privatwaldbesitzern will Söder zudem finanzielle Angebote machen, diesem Weg zu folgen. Ein detailliertes Konzept für den Waldumbau soll Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) im September vorlegen.

"Statt am Wald zu verdienen, müssen wir ihn klimafest umbauen."
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Größere neue Schutzgebiete oder gar einen Nationalpark will Söder zur Bewahrung der Wälder allerdings nicht schaffen: "Ein Nationalpark könnte die Lage beim Klima-Waldumbau sogar verschlechtern", warnte er.  Denn dort könnten auf Hitze oder Trockenheit empfindlich reagierende Baumarten wie etwa die Fichte nicht mehr durch widerstandsfähigere Sorten ersetzt werden. Denkbar sei allerdings, auf Basis des im Steigerwald entwickelten Trittstein-Konzeptes weitere Flächen im Staatswald stillzulegen, kündigte Söder an: "Wir müssen wilde und sehr alte Wälder besonders schützen."

Söder hatte die heftig umstrittenen Pläne seines Amtvorgängers Horst Seehofer (CSU) etwa in Rhön, Spessart oder Steigerwald einen dritten bayerischen Nationalpark zu gründen, Anfang 2018 selbst einkassiert und später einen neuen Nationalpark im Freistaat ausgeschlossen. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, bekräftigte er nun: "Ich will keine neuen Schutzgebiete." Der Streit um solche Schutzgebiete lenke gar von der eigentlichen Aufgabe ab, findet Söder: "Wir müssen die grundlegende Richtung dieses bayerischen Naturerbes neu justieren."

Bienen-Volksbegehren verlangt bereits Vorrang für Artenschutz

Ganz freiwillig kommt Söders Schwenk im Staatswald allerdings nicht: Das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen", dem Söders CSU/Freie-Wähler-Regierung in Kürze im Landtag offiziell zustimmen will, schreibt nämlich bereits den Erhalt der biologischen Vielfalt im Staatswald als vorrangiges Ziel fest. Am "Runden Tisch" hatten sich CSU und Freie Wähler allerdings offenbar die Einschränkung zusichern lassen, dass dabei "die Nutz-, Schutz-, und  Erholungsfunktion" der Staatswälder erhalten bleibe. In den Regierungsparteien dürfte deshalb die aktuelle Ankündigung Söders, neben dem Artenschutz nun auch dem Klimaschutz Vorrang im Wald gewähren zu wollen, für Diskussionen sorgen.

Die Dynamik der Erderwärmung beschleunige sich, deshalb dürfe man keine Zeit mehr verlieren, erklärte Söder diesen Kurswechsel. Er wolle sich auch persönlich nicht irgendwann vorhalten lassen, nicht gehandelt zu haben: "Politiker müssen keine Hellseher sein", findet er. "Aber sie müssen die Zeichen der Zeit erkennen."

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