München

Landarztquote soll gegen Ärztemangel helfen

Vor allem im ländlichen Franken hat die Versorgung mit Hausärzten Lücken. Eine Landarztquote in der Medizinerausbildung soll dem Problem nun langfristig entgegenwirken.
Vor allem in Nordbayern droht eine Unterversorgung mit Hausärzten. Im Freistaat soll nun eine Landarztquote beim Medizinstudium für Besserung sorgen. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

Mit einer Landarztquote will die CSU/Freie-Wähler-Koalition dem drohenden Ärztemangel vor allem in Nordbayern entgegenwirken: Ab dem Wintersemester 2020 sollen 5,8 Prozent oder exakt 110 Medizinstudienplätze in Bayern an Bewerber vergeben werden, die sich dazu verpflichten, nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einem medizinischen "Bedarfsgebiet" zu arbeiten. Ein weiteres Prozent der Studienplätze wird für künftige staatliche Amtsärzte reserviert.

Auch ohne Einser-Abitur eine Chance auf den Arzt-Beruf

Eine nicht perfekte Abiturnote sei für diese Bewerber kein Ausschlusskriterium mehr, erklärte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) im Landtag: "Auch Bewerber ohne Einser-Abitur, aber mit fachlichen und emotionalen Kompetenzen für den Arztberuf, bekommen eine Chance." Konkret sollen bei der Auswahl der Bewerber neben einem bestandenen Mediziner-Eingangstest etwa berufliche Qualifikationen im Gesundheitsbereich sowie ein ausgeübtes Ehrenamt zählen.

Bricht ein junger Mediziner nach dem Studium die Landarztverpflichtung, droht eine saftige Strafe von 250 000 Euro. "Diese Summe entspricht in etwa den Kosten, die der Freistaat für eine Medizinerausbildung aufwendet", erklärte Huml.

Drohende Ärztelücken in Lohr, Gerolzhofen oder Lichtenfels

Schon heute gibt es in Bayern Engpässe bei der Versorgung mit Hausärzten, aber auch mit Kinder- oder HNO-Ärzten. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB), droht aktuell in 14 Regionen vor allem in Nordbayern ein Ärzte-Notstand – darunter in Lohr (Lkr. Main-Spessart), Gerolzhofen (Lkr. Schweinfurt), im nördlichen Landkreis Schweinfurt sowie im oberfränkischen Lichtenfels. Die Situation dürfte sich in den nächsten Jahren noch verschärfen, weil derzeit mehr als ein Drittel der Hausärzte in Bayern über 60 Jahre alt ist.

Grüne und FDP lehnten die Landärztequote im Landtag ab. "Mit Planwirtschaft lässt sich der Ärztemangel nicht beseitigen", kritisierte die Grünen-Abgeordnete Christina Haubrich: Ärzten auf Jahrzehnte einen Berufsweg vorzuschreiben, helfe nicht, "junge Leute für diesen Beruf zu begeistern". Der AfD-Abgeordnete Andreas Winhart sprach von einem staatlichen "Knebelvertrag": Der Effekt der Maßnahme greife zudem erst nach der langen Medizinerausbildung in mehr als zehn Jahren. Während die AfD sich bei der Abstimmung enthielt, stimmte die SPD mit der Regierung: Eine Landarztquote sei "einen Versuch wert", erklärte die SPD-Sozialpolitikerin Ruth Waldmann: "Auch wenn sie sicher nicht die Lösung aller Probleme ist."

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