MÜNCHEN

Landtags-CSU empört über Parteichef Seehofer

Die unverhohlenen Lästereien von CSU-Chef Horst Seehofer am Montag auf einer Weihnachtsfeier der Partei werfen Wellen.
Horst Seehofer
Horst Seehofer Foto: dpa

Die zweite Weihnachtsfeier in dieser Woche verlief für CSU-Chef Horst Seehofer immerhin unfallfrei: Am Dienstagabend hatte der Landtag zum besinnlichen Zusammensein geladen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) forderte in ihrer Rede zwar Mitmenschlichkeit auch in der Politik ein. Neue Zitate von dem als Gast geladenen Ministerpräsidenten gab es aber nicht.

Trotzdem waren Seehofers Lästerattacken gegen Parteifreunde auf einer CSU-Weihnachtsfeier am Montag an den Abgeordnetentischen das Thema des Abends. Seehofer hatte dort – wie berichtet – unter anderem CSU-Finanzminister Markus Söder als „vom Ehrgeiz zerfressen“ bezeichnet und ihm „zu viele Schmutzeleien“ vorgeworfen. Auch andere führende CSU-Politiker wie Peter Ramsauer („Zar Peter“) und Ex-Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg („Glühwürmchen“) hatten dort den Zorn des Parteichefs zu spüren bekommen.

Auch am Mittwoch herrschte bei den CSU-Landtagsabgeordneten noch eine Mischung aus Empörung über Seehofer und ungläubiger Fassungslosigkeit: „Warum nur macht der das?“, war dabei die am häufigsten gestellte Frage. Auch bedächtige Abgeordnete suchen für eine Antwort nicht zuletzt beim Charakter des CSU-Chefs: Zwar habe Seehofer ein Talent als „Menschenfischer“ und beim Erkennen von Themen, mit denen man politisch punkten kann, heißt es. Im Zwischenmenschlichen gebe es aber Defizite. In der Tat kursieren in der CSU-Spitze Geschichten über direkte Attacken oder versteckte Fouls des Parteichefs.

Vor allem die persönlichen Angriffe auf Söder sorgen in der Landtags-CSU jedoch richtig für Ärger: „Das sind Sonnenkönig-Allüren, die ich in keiner Weise akzeptiere“, empört sich etwa der Nürnberger CSU-MdL Herrmann Imhof. Er erwarte in einer Partei „gegenseitige Loyalität“, sagt der Sozialpolitiker. „Denn wenn sich dieser Stil durchzieht, dann macht am Ende jeder, was er will.“ Imhofs Erwartungshaltung an Seehofer ist deshalb klar: „Das darf kein zweites Mal vorkommen.“

Ähnlich unverblümt äußert sich der unterfränkische CSU-MdL Eberhard Sinner: Statt zu lästern solle Seehofer „seine Leute motivieren, denn er braucht sie“, findet der frühere Staatskanzleichef: „Er sollte es lassen. Sonst haben wir hier bald den russischen Staatszirkus. Und er ist der Oberclown Popov.“

Doch warum nur hat Seehofer ausgerechnet Markus Söder so abgewatscht – obwohl er ihn erst vor wenigen Wochen quasi offiziell zu einem seiner „Kronprinzen“ erklärt hatte? War es nur eine Laune? Oder steckt Kalkül dahinter?

Die Erklärungsversuche, die dazu am Mittwoch im Landtag kursierten, konnten allesamt nicht recht befriedigen – bis auf einen: Seehofer und Söder, beides bekanntlich sehr selbstbewusste Herren, sind zuletzt angeblich öfter hart aneinandergeraten. Und Seehofer wollte zeigen, wer der Herr im Haus ist.

Söder soll mindestens dreimal mit Rücktritt gedroht haben. „Mach's doch selber!“, soll er seinem Parteichef entgegengeschleudert haben. Aus Seehofers Umgebung wiederum ist zu hören, dass „der Chef“ mit der Arbeit seines Finanzministers nicht zufrieden ist: Markus Söder drücke sich vor bundespolitischer Kärrnerarbeit. In der Steuerpolitik etwa sei von der CSU deshalb kaum etwas zu hören.

Sympathisanten Söders erzählen dagegen, der Finanzminister sei in München einer der Letzten in der CSU, die sich zumindest intern trauen, Seehofer zu widersprechen. Was die beiden Herren dazu sagen, blieb am Mittwoch offen: Seehofer war in Berlin. Und Söder schweigt.

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