MÜNCHEN

Lehrer zweifeln an Mittelschule

Lehrer und Schulleiter sehen die neuen bayerischen Mittelschulen äußerst skeptisch und bestenfalls als Übergangslösung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Lehrerverbandes BLLV, an der im vergangenen Herbst 1078 Mittelschulpädagogen teilgenommen haben.

Während Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die weiter entwickelte Hauptschule hartnäckig als Erfolgsmodell lobe, sei die Realität an den Schulen eine völlig andere, kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel bei der Vorstellung der Umfrage: „Schein und Sein gehen immer weiter auseinander“, kritisierte Wenzel. Spaenle müsse sich endlich den Problemen stellen, anstatt sich hinter „Süßholz-Rhetorik“ zu verschanzen.

Laut der Umfrage hat sich an den Mittelschulen weder die Unterrichtsversorgung noch die Zukunftsperspektive für die Mittelschüler nennenswert verbessert: So erklärten etwa über neunzig Prozent der befragten Lehrer, nicht mehr Zeit für die einzelnen Schüler zu haben – obwohl ein erklärtes Ziel der Mittelschule war, die individuelle Förderung auszubauen. Nur gut zehn Prozent finden, dass sich durch den Übergang von der Haupt- zur Mittelschule die Qualität der eigenen Schule deutlich verbessert hat.

Auch die Zukunftschancen der Mittelschüler werden von den Pädagogen skeptisch gesehen: Mehr als drei Viertel der Befragten glauben nicht, dass Mittelschüler mit dort erworbenem mittlerem Bildungsabschluss bei der Ausbildungsplatzsuche gleich gute Chancen haben, wie Realschüler mit mittlerer Reife.

Die Umbenennung sei zwar angesichts der Imageprobleme der Hauptschule „nicht falsch“ gewesen, findet Wenzel. Der neue Name könne aber für sich allein die Probleme nicht lösen. Und der Inhalt vieler Mittelschulen sei weitgehend der gleiche, wie der der früheren Hauptschulen: „Deshalb hat sich auch am Image fast nichts geändert“, glaubt der Verbandspräsident.

Etwas positiver sehen die Mittelschullehrer die Entwicklung der Bildungschancen in Stadt und Land: Fast jeder fünfte Befragte sieht hier eine Annäherung. Ebenfalls rund zwanzig Prozent glauben an gleiche Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft der Schüler.

Sehr skeptisch zeigen sich die Mittelschullehrer bei den Zukunftschancen des neuen Schultyps: Knapp achtzig Prozent glauben, dass durch die Zusammenfassung kleiner Hauptschulen in einem Mittelschulverbund Schulschließungen allenfalls hinausgezögert werden. Nur knapp zwölf Prozent halten die Mittelschule für ein „Erfolgsmodell“.

Neben mehr Geld und Lehrern bräuchten die Mittelschulen mehr Freiheiten, regional passende Lösungen zu finden, meint Wenzel. Vor allem aber dürfe der Kultusminister die Situation nicht länger beschönigen: „Spaenle muss sich endlich den Realitäten stellen.“

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