BERLIN/WÜRZBURG

Mahnfeuer gegen die B 26n

Bei Verfechtern wie Gegnern in der Region geplanten Verkehrsprojekte des Bundes steigt die Spannung. Die einen hoffen, die anderen bangen. Noch bis März.
Die B 26n, auch „Westumgehung Würzburg“ oder „Main-Spessart-Autobahn“ genannt, ist das mit Abstand umstrittenste Straßenprojekt in Unterfranken. Foto: Ivo Knahn / Montage: Jutta Glöckner

In zwei Monaten soll der erste Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP 2015) veröffentlicht werden, das haben die Partner der Großen Koalition in Berlin vereinbart.

Bayern hat für die Fortschreibung des BVWP 30 Bahn- und 184 Straßenprojekte angemeldet, davon 34 in Unterfranken. Besonders groß ist das Interesse am Bedarfsplan dort, wo die autobahnähnlich konzipierte Bundesstraße B 26n (neu) die Landkreise Schweinfurt, Main-Spessart und Würzburg durchschneiden soll.

Die „Westumgehung Würzburg“ oder „Main-Spessart-Autobahn“ ist das mit Abstand umstrittenste Straßenprojekt in Unterfranken.

Hoffnung auf geringe Dringlichkeit

Der überarbeitete Fernstraßenbedarfsplan – der gültige datiert von 2003 – bewertet rund 2000 von den Bundesländern angemeldete Projekte im Bereich Schienen- und Straßenverkehr neu und priorisiert die Maßnahmen nach ihrer Dringlichkeit. Erstmals werden „Vorhaben zur Engpassauflösung“ in einer zusätzlichen Kategorie „Vordringlicher Bedarf Plus (VB+)“ eingestuft. Sie sollen „prioritär umgesetzt“ werden, sofern sie ökologisch verträglich sind. Den Stempel VB+ wird die B 26n wohl kaum bekommen, zumindest hofft das Gerhard Kraft vom Verein „Bürger und Kommunen gegen die B26n“.

Großer Lobbydruck

Ganz aus dem Bedarfsplan verschwinden dürfte das Fernstraßenprojekt aber nicht, vermutet der Grünen-Politiker aus Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) und spricht vom „großen Lobbydruck“ für die Fernstraße, die unter anderem von der IHK Würzburg-Schweinfurt gefordert wird.

„Wir müssen mit allem rechnen“, sagt Kraft. Auch damit, dass am Ende „irgendwo Geld herkommt für die B26n“. Kraft weiß, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verstärkt auf die Finanzierung von eigentlich unbezahlbaren Verkehrsprojekten durch Private setzt. Die Investoren aus der Wirtschaft lassen sich die Partnerschaft mit der Öffentlichen Hand gut bezahlen und kassieren in der Regel für Jahrzehnte die Lkw-Maut.

500 Millionen Euro Kosten

Die seit 2001 geplante B 26n soll auf rund 50 Kilometer die A7/A70 bei Werneck (Lkr. Schweinfurt) und die A3 bei Helmstadt (Lkr. Würzburg) verbinden und 500 Millionen Euro kosten. Bisher ist das Projekt von Werneck bis Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) als vordringlich eingestuft, der Rest der Strecke ist im weiteren Bedarf.

Haben die Fachleute des Ministeriums bei der umfänglichen Prüfung für den BVWP 2015 neue Erkenntnisse zum Kosten-Nutzen-Verhältnis der B 26n gewonnen? Auf die Frage bekamen Vertreter der Initiative gegen die B26n bei ihrem Besuch in Berlin im Herbst keine Antwort. Selbst Abgeordnete kämen an die Rohdaten für den neuen BVWP nicht heran, heißt es.

Staatsregierung hinter dem Projekt

Weiß Manfred Goldkuhle mehr? Der Vorsitzende der Initiative „Pro B26n“ aus Karlstadt hat ausgiebig für die Straße getrommelt, zuletzt mit einer Resolution, die im Dezember an Bayerns Heimatminister Markus Söder (CSU) übergeben wurde. Die Staatsregierung steht nach wie vor hinter dem Projekt, sagt Goldkuhle und hofft, dass sich die Aussichten für den Bau der B26n wenigstens nicht verschlechtern. Wie in Berlin entschieden wird, kann auch er nicht sagen.

Die Gegner der „Rennstrecke“ zwischen A7 und A3 wollen die Zeit des Wartens auf den neuen BVWP nicht einfach verstreichen lassen und machen noch einmal mobil. Für den 13. Februar, einen Samstag, planen sie eine Kette aus Mahnfeuern in zwölf Gemeinden, die entlang der geplanten B 26n liegen. Die Zeichen des Widerstandes gegen Naturzerstörung und „Steuerverschwendung“ sollen um 18 Uhr entzündet werden.

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