WÜRZBURG

Mehr gesprengte Geldautomaten

Geldautomat gesprengt
Die moderne Form des Bankraubes ist hochexplosiv: Die Täter leiten Gas in die Geldautomaten und sprengen sie auf. Der Schäden ist vielfach höher als die Beute. Foto: Axel Vogel (dpa)

Kriminelle haben im ersten Halbjahr wieder deutlich häufiger Geldautomaten in die Luft gesprengt. Das geht aus Daten des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor.

Tendenz steigend

Es ist eine sehr spezielle Art von Bankraub, nicht ungefährlich für die Täter: Kriminelle sprengten in Deutschland im ersten Halbjahr nach Daten des Bundeskriminalamtes (BKA) in 187 Fällen Geldautomaten, um an Bares zu kommen. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres gab es etwa 140 Attacken, im gleichen Zeitraum 2016 waren es rund 180.

Banden aus Osteuropa

Auf diese rabiate Methode sind nach Angaben von Ermittlern Banden aus verschiedenen Ländern Osteuropas spezialisiert. Der Sachschaden bei den Sprengungen ist immens. Die Ermittlungen sind langwierig und schwierig, wie ein Beispiel aus Unterfranken zeigt – einem der seltenen Fälle, in dem ein Sprenger hinterher geschnappt wurde:

Sieben Monate auf der Fährte

Sieben Monate lang blieb die Würzburger Kripo und Staatsanwaltschaft drei Tätern auf der Spur, die in der Nacht zum 5. August 2017 einen Geldautomaten im Vorraum der Bankfiliale in der Luitpoldstraße in Karlburg gesprengt hatten. Nach der lebensgefährlichen Aktion war das Trio mit einer Beute von mehreren zehntausend Euro Beute in einem schwarzen Audi mit Fürther Kennzeichen geflüchtet.

Das Kennzeichen und weitere Ausrüstung zum Sprengen von Automaten wurden im Dezember in einem Waldstück im Landkreis Würzburg aufgefunden. Bei umfangreichen Ermittlungen konnte die Kripo Würzburg einen 33-jährigen Polen als Tatverdächtigen identifizieren.

In Polen festgenommen

Da von dem Mann zunächst jede Spur fehlte, wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft zunächst ein nationaler und anschließend ein europaweiter Haftbefehl erlassen. In Zusammenarbeit mit polnischen Polizisten wurde der Mann im Februar in Polen gefasst. Nachdem die Staatsanwaltschaft Würzburg die Auslieferung beantragt hatte, wurde der Tatverdächtige Anfang März 2018 an die deutschen Behörden überstellt. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Fünf Fälle in Unterfranken

Nach Auskunft von Polizeisprecher Philipp Hümmer wurde in Unterfranken in der ersten Jahreshälfte eine Bank angegangen, im Vergleichszeitrum 2017 waren es zwei, insgesamt im vorigen Jahr fünf Banken im Bezirk, darunter eine in Dittelbrunn (Lkr. Schweinfurt) und Geiselwind (Lkr. Kitzingen). In Großostheim (Lkr. Aschaffenburg) scheiterten sie.

Im vergangenen Jahr hatten nach BKA-Angaben Kriminelle vor allem Bankautomaten in Nordrhein-Westfalen gesprengt. Überdurchschnittlich betroffen waren außerdem Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Baden-Württemberg.

Fast jeder zweite Fall misslingt

Das BKA geht von einem grundsätzlich nach oben zeigenden Trend aus. "Es scheint für Straftäter ein sehr attraktives Betätigungsfeld zu sein", sagte eine BKA-Sprecherin – obwohl die Gefahr des Scheiterns relativ hoch ist: Bundesweit erbeuteten in 80 Fällen im ersten Halbjahr die Täter Geld, 107 Mal blieb es bei dem Versuch.

Hoher Sachschaden

Die Täter leiten oft Gas oder ein Gasgemisch ein und bringen es zur Explosion. Die Sprengungen richten teilweise größere Schäden an als der Diebstahl des Geldes. So erbeuteten beispielsweise Panzerknacker im südhessischen Mörfelden im vergangenen Jahr rund 10.000 Euro. Der Sachschaden belief sich mit 150.000 Euro auf ein Vielfaches. „Bei einzelnen Straftaten entstanden Sachschäden in siebenstelliger Höhe", heißt es im jüngsten BKA-Lagebild. Daten zu den Gesamtschäden wurden nicht genannt.

Gegenwehr der Banken

Banken und Sparkassen versuchen Panzerknackern mit unterschiedlichen Sicherheitsmaßnahmen das Leben schwer zu machen. So können die Automaten beispielsweise mit einer Technik zur Gas-Neutralisierung ausgestattet werden. Eine andere Methode: Bei einer Sprengung wird das Geld eingefärbt.

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