MÜNCHEN

Müller-Brot: Vorwürfe gegen Behörden

Nach dem Skandal um Hygienemängel bei der Großbäckerei Müller-Brot steht die Lebensmittelaufsicht in Bayern massiv in der Kritik. „Es ist ein Skandal, dass das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter den Augen des damaligen Gesundheitsministers Söder zweieinhalb Jahre braucht, um die Öffentlichkeit zu informieren“, sagte die SPD-Verbrauchersprecherin Sabine Dittmar am Sonntag und forderte eine vollumfängliche Aufklärung. „Was haben die sieben amtlichen Kontrollen seit 9. Juli 2009 ergeben? Welche Beanstandungen gab es, welches Ungeziefer wurde gefunden?“

Vor wenigen Tagen waren die gravierenden Hygienemängel bei Müller-Brot in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Neu sind diese Probleme allerdings nicht: Die Lebensmittelkontrolleure haben die Bäckerei wegen Mäusekot und ähnlicher Mängel bereits seit zweieinhalb Jahren im Visier.

„Warum haben die Behörden die Bevölkerung so lange nicht informiert?“, fragte Dittmar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast neun Monaten. „Da fragt man sich schon, ob hier das Unternehmen vor den Verbrauchern geschützt wurde. Eigentlich sollte es umgekehrt sein“, so die Abgeordnete.

Die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Mechthild Heil, bezeichnete die Lebensmittelkontrollen als zu „lax“. „Es muss von Ländern und Kommunen sichergestellt werden, dass genügend Kontrolleure in den Betrieben sind“, forderte Heil im Magazin „Focus“. Müller-Brot darf auch bis auf weiteres nicht produzieren, wie am Freitagabend bekannt wurde. Dies hatten die Behörden nach einer erneuten umfassenden Kontrolle der Produktionsstätte in Neufahrn bei München entschieden.

Die bisherigen Reinigungen und Sanierungen seien nicht ausreichend, um den Ansprüchen an eine hygienisch einwandfreie Herstellung von Lebensmitteln zu genügen, teilte das Landratsamt Freising mit.

Die Gründer-Familie von Müller-Brot zeigte sich entsetzt von dem Skandal. „Unser Name wird durch den Dreck gezogen“, sagte Evi Müller der Münchner „Abendzeitung“. Ihr Vater Hans hatte das Unternehmen gegründet und 2003 an einen der heutigen Geschäftsführer verkauft. „Wir sind alle zutiefst geschockt“, sagte Evi Müller. „Solche Mängel gab es bei uns nicht. Ich möchte meine Familie davon distanziert sehen.“

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