MÜNCHEN

Nationalpark: Das Aus für den Spessart ist sicher

Ausgedehnte Buchenwälder und mächtige Eichen sind Kennzeichen des Spessarts.
Ausgedehnte Buchenwälder und mächtige Eichen sind Kennzeichen des Spessarts. Foto: Johannes Ungemach

Die Bayerische Staatsregierung wird im Spessart – wie auch im Frankenwald – keinen Nationalpark einrichten. Beide Regionen wurden in einer Kabinettssitzung am Dienstag aus dem laufenden Auswahlverfahren genommen.

In der Rhön und auch in den Donau-Auen rund um Ingolstadt soll hingegen der Dialogprozess mit der Bevölkerung vor Ort weitergehen. Ein Nationalpark könnte in beiden Regionen „einen deutschlandweiten Akzent für den Naturschutz setzen“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach der Sitzung in München: Während an der Donau der erste deutsche Auen-Nationalpark entstehen könnte, wäre das Besondere in der Rhön „das länderübergreifende Konzept“ mit Hessen.

Seehofer wollte sich nicht festlegen, ob aus seiner Sicht ein Nationalpark in der Rhön nur mit Hessen eine Chance hätte – oder auch eine rein bayerische Lösung möglich wäre: „Wir müssen nicht jede Diskussion mit einem Entweder-Oder beginnen“, blockte er ab. Er sei jedenfalls sehr dankbar, dass die hessische Regierung gesprächsbereit sei.

Wie bereits berichtet, soll die für einen länderübergreifenden Nationalpark denkbare Gebietskulisse in der Rhön nun gemeinsam von Umweltministerin Ulrike Scharf und Forstminister Helmut Brunner (beide CSU) neu bestimmt werden. Dabei könnten auch Flächen des in der Rhön bereits bestehenden Biosphärenreservats „ohne Einschränkung in den Nationalpark integriert werden“, sagte Scharf vor Journalisten.

Seehofer soll in der Kabinettssitzung darauf gedrängt haben, alle naturschutzfachlich geeigneten Flächen für einen Rhön-Nationalpark in Betracht zu ziehen. Es gehe nun vor allem darum, „eine Gebietskulisse abzustecken, die eine gute Grundlage für die Gespräche mit Hessen bietet“, erklärte Scharf hinterher.

Während der Nationalpark-Stopp im Spessart von Umweltverbänden scharf kritisiert wurde, sieht der unterfränkische CSU-Abgeordnete Peter Winter vor allem einen Erfolg der „fachlichen Argumentation“ der von ihm angeführten Nationalpark-Gegner. „Wir haben nicht emotional, sondern sachlich argumentiert“, findet Winter. Er verlangt nun massive staatliche Investitionen in bestehende Naturschutzkonzepte im Spessart oder auch in ein neues „Spessart-Zentrum“ im Hafenlohr-Tal: „Wir lassen uns nicht vorwerfen, dass wir Investitionen verhindert hätten“, sagte Winter dieser Redaktion. „Schlicht unverschämt“, nennt der Grünen-Umweltexperte Christian Magerl solche Forderungen: CSU-Kritiker wie Winter hätten sich zuvor jeder rationalen Diskussion verweigert. Aber auch Ministerpräsident Seehofer übte Kritik an den prominenten Nationalpark-Gegnern aus den eigenen Reihen: „Der Widerstand kommt sehr stark aus der CSU, auch von Abgeordneten, das ist betrüblich“, sagte er.

Seehofer rügte auch den Diskussions-Stil von Teilen der Nationalpark-Gegner: Obwohl immer klar gewesen sei, dass nur Staatswald für einen Nationalpark infrage komme, sei immer wieder von „Enteignungen und solchen Dingen“ die Rede gewesen. Hier sei „ganz offensichtlich nicht immer die gebotene Sachlichkeit unterwegs“, zürnt Seehofer.

Widerworte vom unterfränkischen CSU-Bezirkschef Gerhard Eck befürchtet Seehofer dagegen offenbar nicht mehr: Der Innenstaatssekretär und erklärte Nationalpark-Gegner habe sich auch in der Kabinettssitzung „sehr konsensual“ verhalten, berichtete der Regierungschef: „Er akzeptiert die Entwicklung, das Verfahren, die Klarheit.“

Seehofer bekräftigte erneut, an seinen Nationalpark-Plänen festzuhalten: „Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen: Wir stehen zu dieser Entscheidung.“ Überall in Bayern sei eine klare Mehrheit der Bevölkerung für einen neuen Nationalpark: „Die Flucht vor einem Thema, nur weil es Diskussionen auslösen könnte, das ist keine Politik.“

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