MÜNCHEN

Nationalpark im Frankenwald?

Die Debatte um einen Standort für den von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angekündigten dritten Nationalpark in Bayern bekommt neuen Schwung: Als neuer – und wohl durchaus aussichtsreicher – Kandidat ist neben Spessart, Rhön und Donau-Auen nun auch der Frankenwald in Oberfranken mit im Rennen.

„Das Interesse, an unserem Dialogverfahren teilzunehmen, kam aus der Region selbst“, sagte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) auf Nachfrage im Landtag. Sie freue sich sehr „über dieses positive Signal“ und plane zeitnah einen Besuch vor Ort. Der Kronacher CSU-MdL Jürgen Baumgärtner bestätigte, dass es aus seiner Sicht in der Frankenwald-Region „starke Unterstützung“ für einen Nationalpark gibt: „Ich will deshalb vor Ort eine ideologiefreie Diskussion führen.“

Im Landtag war am Donnerstag allerdings auch zu hören, dass Seehofers Staatskanzlei hinter der Frankenwald-Idee steckt. Denn im Spessart stoßen die Nationalpark-Pläne Seehofers bekanntlich auf großen Widerstand. Rhön und Donau-Auen gelten aufgrund der nicht zusammenhängenden Schutzfläche als nicht ideal. Eine leicht umsetzbare Alternative könnte also notwendig sein, um das Nationalpark-Versprechen doch noch erfüllen zu können.

Der Ministerpräsident selbst zeigte sich am Rande einer Plenarsitzung von dem neuen Vorschlag jedenfalls wenig überrascht: „Den Frankenwald schlage ich schon seit Monaten vor“, sagte er nur. Dem Vernehmen nach kommt wohl vor allem ein großes Stück Staatswald im Nordosten des Landkreises Kronach als Schutzgebiet infrage. Auch ein grenzübergreifendes Projekt mit Thüringen sei möglich, sagte Seehofer.

SPD und Grüne im Landtag sprachen von einem Ablenkungsmanöver der CSU: Aus fachlicher Sicht müssten die Buchenwälder im Steigerwald und Spessart geschützt werden – was aber nicht zuletzt durch örtliche CSU-Politiker massiv behindert werde.

Die Fichtenwälder des Frankenwaldes seien im Grundsatz als Nationalpark sehr wohl geeignet, beteuert dagegen Ministerin Scharf. Anders, als Spessart oder Steigerwald wäre ein Nationalpark Frankenwald aber ein „Entwicklungsnationalpark“: Ein Schutzgebiet, in dem der erwünschte Naturzustand erst über Jahrzehnte entstehen muss.

Wie die bisherigen Kandidaten Spessart, Rhön und Donau-Auen soll nun auch der Frankenwald bis Juli ein staatliches „Prüf- und Dialogverfahren“ durchlaufen. Wann die endgültige Entscheidung fallen soll, bleibt aber weiter offen: „Den Spessart entscheiden wir in jedem Fall noch vor der Sommerpause“, sagte Seehofer auf Nachfrage nur.

Zwar gilt spätestens seit einem Treffen mit Nationalpark-Gegnern in der Staatskanzlei Ende April als ausgemacht, dass das Schutzgebiet nicht in den Spessart kommt. Seehofer beharrt aber auf einem geordneten Verfahren: Man müsse das Für und Wider eines Nationalparks in allen Regionen sorgfältig prüfen. Nur so könne man eine Entscheidung am Ende auch denen, die ein anderes Ergebnis gewollt hätten, plausibel erklären, findet er: „So geht Politik.“

Trotz zum Teil hitziger Debatten vor Ort werde aber „am Ende eine vernünftige Lösung zustande kommen“, glaubt der Regierungschef. Diese Lösung müsse zudem nicht bei der Ausrufung eines neuen Nationalparks stehen bleiben: „Vielleicht kann man ja mehr tun im Naturschutz“, orakelte Seehofer.

Offenbar plant der Ministerpräsident – ähnlich wie kürzlich in der Bildungspolitik – rechtzeitig vor der Landtagswahl im Herbst 2018 ein großes bayernweites Naturschutz-Paket. Erste Gespräche mit CSU-Umweltpolitikern zum Thema haben diese Woche bereits stattgefunden.

Denkbar wäre etwa eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung bestehender Naturschutzgebiete, aber auch mehr publikumswirksame Projekte wie der erfolgreiche Baumwipfelpfad im Steigerwald.

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