BERLIN

Neonazi-Morde: Bremste Beckstein die Ermittlung ?

Damals noch bei der Soko Bosporus: Wolfgang Geier. Die Waffe, die er in der Hand hält, ist identisch mit dem Exemplar, m... Foto: P. Roggenthin

In manchen Momenten muss sich Wolfgang Geier wie im falschen Film fühlen: Im Verhör sitzt der Leitende Kriminaldirektor aus Würzburg auf der falschen Seite des Tisches – an dem Ende, das es für die armen Sünder reserviert ist.

Die halbe Republik schaut zu, als der erste Zeuge im Berliner Untersuchungsausschuss zu den Neonazi-Morden sechseinhalb Stunden „gegrillt“ wird: Als früherer Chef der Soko „Bosporus“ (2005 bis 2008) soll er Auskunft geben, was in Bayern schief lief bei der Suche nach den rechtsextremistischen Tätern in einer der spektakulärsten Mordserien im Deutschland der Nachkriegszeit.

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Natürlich steht der 57-Jährige, auf dessen Schultern damals zeitweise die Hoffnungen von Innenminister Günter Beckstein (CSU) ruhten, unter Rechtfertigungszwang. Als schnelle Erfolge ausblieben, musste er 2008 die Ermittlungen abgeben. Seitdem führt er ein eher beschauliches Leben als Leiter der Verbrechensbekämpfung in Würzburg.

Zum Sündenbock lässt sich Geier aber in Berlin nicht machen. Brisant wird es, als er eine handschriftliche Notiz zückt. „Minister sieht Einzeltätertheorie als kritisch für die Öffentlichkeit“, notierte er im Juni 2006 nach einem Telefonat mit dem Innenministerium in München.

Bei Beobachtern entsteht der Eindruck, Günter Beckstein habe die Ermittler ausgebremst – obwohl Geier intern diese Sichtweise zurückgewiesen hat. Dem Innenminister sei es – bei einem Ausländeranteil von 18 bis 20 Prozent in Nürnberg – nur darum gegangen, nicht Öl ins Feuer zu gießen. Aus Geiers Umfeld heißt es, er habe intern erklärt: „Ich habe nie eine einschränkende Weisung von Beckstein bekommen.“ Dazu will er sich außerhalb des Ausschusses aber nicht äußern, sagte er am Freitag.

Da machte seine handschriftliche Notiz schon mächtig Wirbel. Nicht nur der Dienstherr beobachtet seinen Auftritt. Auch ehemalige Kollegen bei der Polizei in Würzburg, die nun für die Freien Wähler und die SPD tätig sind. Der Fall taugt schließlich als Wahlkampf-Munition.

Harald Schneider, Landtagsabgeordneter aus Karlstadt, bestätigt: SPD und Grüne wollen Becksteins Zeugenaussage abwarten. Bestätigt sich der Verdacht von Pannen, wollen sie einen eigenen Untersuchungsausschuss der Neonazi-Morde in Bayern fordern, wie ihn Sachsen und Thüringen bereits haben. Dann muss Geier erneut in den Zeugenstand.

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