WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Netzbetreiber: SuedLink-Stromtrasse kommt via Thüringen

Erdkabel       -  SuedLink soll in einer unterirdischen Trasse Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren. Wie das aussieht, zeigt unser Bild einer Baustelle in Nordrhein-Westfalen, wo 2014 eine ähnliche Stromautobahn bereits gebaut wurde.
SuedLink soll in einer unterirdischen Trasse Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren. Wie das aussieht, zeigt unser Bild einer Baustelle in Nordrhein-Westfalen, wo 2014 eine ähnliche Stromautobahn bereits gebaut wurde. Foto: Roland Weihrauch, dpa

Der Netzbetreiber Tennet hat sich weitgehend festgelegt: Er möchte die geplante SuedLink-Stromtrasse nicht über Hessen, sondern über Thüringen nach Bayern führen. Am Dienstag hat das Unternehmen seinen favorisierten Trassenkorridor vorgestellt, der auch am 17. März Teil des Antrags auf Bundesfachplanung werden soll. Auf unterfränkischer Seite sind die Landkreise Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Schweinfurt, Main-Spessart und Würzburg betroffen.

Abzweigung bei Oerlenbach

Die von Tennet bevorzugte Trasse liegt auf bayerischer Seite nahe der A 71 bis Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen), biegt dann nach Westen ab und führt westlich von Würzburg nach Baden-Württemberg zum Endpunkt bei Heilbronn. Die Trasse durch die Rhön entlang der A 7 dürfte mit dieser Priorisierung aus dem Rennen sein; sie wird nur noch als „Alternative“ bezeichnet.

Unverändert bleibt Bergrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) als vorgesehener Standort der Konverterstation erhalten, in der der Gleich- zu Wechselstrom umgewandelt wird. Dort soll er auch ins bestehende Wechselstromnetz eingespeist werden. Bergrheinfeld würde nach dieser Planung nicht mehr direkt an der Stammtrasse liegen, sondern mit einer Stichleitung versorgt.

Regionale Politiker zeigen sich erfreut

Dies wertet die Schweinfurter Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) als Erfolg, weil die Region um das stillgelegte Atomkraftwerk Grafenrheinfeld entlastet werde. Allerdings durchschneidet die Trasse den westlichen Kreis Schweinfurt bei Wasserlosen, wo es in der Vergangenheit scharfe Proteste von Gegnern der Variante entlang der A 7 gegeben hat. Weisgerber betont, dass auch in diesen Abschnitten Erdkabel verbaut würden. Die Erdverkabelung war eine wesentliche Forderung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gewesen.

Der Bundestagsabgeordnete Alexander Hofmann (CSU) aus Zellingen (Lkr. Main-Spessart) ist sozusagen ein direkt Betroffener: Die Vorzugsvariante schrammt an seinem Wohnort rund 15 Kilometer nördlich von Würzburg vorbei, dennoch ist der Politiker erleichtert: Nach einer möglichen Version aus dem September wäre der Kreis Main-Spessart wesentlich mehr betroffen gewesen. Für Hofmann ist die Antragsvariante verträglich, in Gesprächen vor Ort habe er eine „hohe Akzeptanz“ für die Trasse gespürt. Schließlich stehe die Notwendigkeit der Erdverkabelung nicht in Frage.

Der Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel (SPD) aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart) bewertet die nun vorgelegten Pläne positiv. Für ihn bestehen an der Erforderlichkeit der Trasse keine Zweifel. „Die Entscheidung SuedLink als Erdkabel zu verlegen ist ein großer Erfolg. Der nun vorgestellte Verlauf ist sicher diskussionswürdig und eine gute Grundlage für weiterführende Planungen“, so Rützel.

Tennet will Bürgerinitiativen informieren

Für den Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) sind die Pläne keine Überraschung. Sein Landkreis wäre in einem West- oder Ostkorridor ohnehin betroffen gewesen. „Wir werden das weitere Verfahren kritisch begleiten“, äußerte er. Auch Weisgerber forderte die Gemeinden auf, im Planungsverfahren ihre Vorstellungen und Kritik einzubringen.

Tennet-Manager Lex Hartman sagte, beim SuedLink habe es die bislang größte Bürgerbeteiligung beim Netzausbau gegeben: „Uns ist es wichtig, einen Korridor zu finden, der Mensch und Natur möglichst wenig belastet.“ Tennet informierte am Dienstag in Fulda Mandatsträger, am Mittwoch sollen die Bürgerinitiativen in Kassel über Details in Kenntnis gesetzt werden.

Wenn alles glatt geht, soll ab 2025 der Strom fließen

Am 17. März soll der Antrag zum Netzausbau in die Bundesfachplanung eingereicht werden, in der der Korridor immer noch eine Breite von 500 bis 1000 Meter hat. Erst im Planfeststellungsverfahren, das Ende 2018 beginnen soll, werde die genaue Trasse festgelegt, so die Kenntnis des Abgeordneten Hofmann. Ab 2021 soll gebaut werden, ehe ab 2025 Ökostrom aus Norddeutschland in den Süden transportiert werden soll. Mit Informationen von dpa

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