BAMBERG

Oberfrankens Bierkultur: Auf 7000 Einwohner eine Brauerei

Bamberg «Hauptstadt des Bieres»
Rauchbier in Steinkrügen stehen in Bamberg auf dem Tisch. Allein In Bamberg gibt es zehn Brauereien, die über 50 verschiedene Biere herstellen. DAVID EBENER, DPA Foto: Foto:

Oberfranken hat doppelt so viele Brauereien wie alle anderen Regionen Bayerns, mehr Brauereien als jedes Bundesland in Deutschland und als jedes Land Europas. Etwa 1000 verschiedene Biere werden hier gebraut: über das Pils und die dunklen Biere zum Rauchbier, zu den unfiltrierten und ungespundeten Bieren bis zu den Zwickelbieren.

Weltweit einmalige Zahl

160 Brauereien gibt es derzeit in Oberfranken. Diese Vielfalt ist weltweit einmalig. Rein rechnerisch kommt damit auf jeweils 7000 Oberfranken eine Brauerei. Zum Vergleich: In Unterfranken gibt es derzeit 53 Brauereien, womit sich 25 000 Unterfranken eine Brauerei teilen müssen.

70 Prozent für den Export

Die Biermenge ist dabei mit 6,5 Millionen Hektoliter pro Jahr nicht besonders hoch. (Zum Vergleich: In Deutschland werden jährlich 95 Millionen Hektoliter gebraut.) Aber selbst das schaffen die 1,1 Millionen Oberfranken nicht alleine zu trinken. „Wir schätzen, dass rund 70 Prozent der Menge exportiert werden“, sagt Bernd Sauer, Geschäftsführer des Bierlandes Oberfranken. Export ist dabei alles, was die Bezirksgrenze überquert, und beispielsweise in Thüringen, Unterfranken oder Mittelfranken verkauft wird.

Eine riesige, fünf große

Mit der Kulmbacher Brauerei hat Oberfranken eine einzige Großbrauerei. Sie braut alleine 2,5 Millionen Hektoliter. Dann folgen mit Leikeim (Altenkunstadt), Maisel (Bayreuth), Scherdel (Hof), Püls (Weismain) und Kaiserdom (Bamberg) fünf größere Brauereien, die über 60 000 Hektoliter pro Jahr brauen. Im mittleren Segment ab 10 000 Hektoliter gibt es 25 Brauereien. Das Gros der Brauereien liegt unter 10 000 Hektolitern pro Jahr und braut zum Teil seit Jahrhunderten handwerkliche Biere. 130 der 160 Brauereien zählt der Verein Bierland Oberfranken zu dieser Kategorie.

Der Trend hat Tradition

Was weltweit im Trend liegt, nämlich kleine Brauereien, oft nur für ein Wirtshaus, oder Craft-Biere, das hat in Oberfranken Tradition. Vor allem, weil sowohl der Bischof als auch der Kaiser in Oberfranken auch Brauereien auf dem Land genehmigten. Überall anders war das Braurecht den Städten vorbehalten. Die Biersteuer zum einen und die wichtigen Handelsstraßen, die sich durch Oberfranken zogen, haben die Herrschenden dazu bewegt. Ein Beispiel ist der Brauereigasthof Grosch in Rödental bei Coburg. Bevor die Handelskarawanen mit Pferden und Wagen in den Thüringer Wald hinauf zogen, konnten sie sich am Fuß des Berges noch einmal ausruhen und stärken.

Den Brauereigasthof gibt es seit 1492. Martin Luther kehrte hier 1530 ein. Heute nutzt die Brauerei den Besuch als Werbung und braut einen eigenen Luthertrunk.

Von Brauerei zu Brauerei auf Tour

Älteste Brauerei in Oberfranken ist die Klosterbrauerei Weißenohe in der Fränkischen Schweiz – auch wenn sie 20 Jahre ihrer Geschichte nicht braute, und sich deshalb nicht so nennen darf. Sie wurde 1050 gegründet und zeigt, wie die vielen kleinen Brauereien heute den Tourismus ankurbeln können. Zwei Gemeinden und fünf Privatbrauereinen erfanden den „5-Seidla-Weg“ – einen Wanderweg mit zehn Kilometern Länge, der auch die Gräfenbergbahn wiederbelebte, mit der man aus Richtung Nürnberg anreisen kann. 52 Kilometer lang ist die 10-Brauereien-Tour in und um Bad Staffelstein. Der Bequemlichkeit halber ist die Strecke in vier handliche Touren mit neun bis 16 Kilometern geteilt. Bad Staffelstein ist damit, gemessen an der Einwohnerzahl, der Ort in Franken mit der höchsten Brauereiendichte.

Bier-Landkreis

Als „Bier-Landkreis“ liegt Bamberg vorne: 65 Brauereien haben in den 36 Gemeinden des Kreises ihren Sitz. Drei Brauereien (Kundmüller aus Weiher, Grasser aus (Huppendorf/Königsfeld und Drei Kronen aus Scheßlitz) setzten einen gemeinsamen Sud an, um das „36 Kreisla“ zu brauen, ein untergäriges Märzenbier als eigenes „Landkreisbier“.

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