MÜNCHEN

Petition gegen Abschiebung

Petition an den Landtag: Die afghanischen Flüchtlinge (v. links) Jamal Nasir, Javad Saberi und Matin Ameri fordern einen Abschiebestopp. Foto: dpa

Matin Ameri ist 25 Jahre alt, Bauer, ledig. Das sind keine guten Voraussetzungen: Der Asylbewerber aus Parwan im Norden Afghanistans fürchtet die Abschiebung.

Er hat eine zweieinhalbjährige Odyssee hinter sich: durch den Iran, die Türkei, Griechenland, Italien, Deutschland, Schweden, Finnland – und jetzt wieder Deutschland. Überall ist er unerwünscht. In mehreren Ländern wurde er abgeschoben. Nach Afghanistan will er auf keinen Fall zurück. „Es gab täglich Tote“, sagt Ameri. Nun wollen er und andere afghanische Asylbewerber mit einer Landtagspetition einen Abschiebestopp erreichen.

Er ist Turkmene, eine von vielen Minderheiten in Afghanistan. Seit Ende der 1970er Jahre folgt ein Krieg am Hindukusch dem nächsten, und ethnische Rivalitäten spielen dabei eine große Rolle. Die kleineren Volksgruppen haben darunter besonders zu leiden – allein schon, weil sie rein zahlenmäßig schwächer sind. „Afghanistan ist einer der gefährlichsten Orte der Welt“, sagt der 26 Jahre alte Jamal Nasir, der Hauptorganisator der Petition. Doch weil Ameri und Nasir jung sind und ledig, könnte ihnen die Abschiebung drohen.

Eigentlich gilt in Deutschland der Grundsatz, dass keine Flüchtlinge in Kriegsgebiete abgeschoben werden sollen. In Afghanistan sterben zwar jedes Jahr Tausende Menschen bei kriegerischen Auseinandersetzungen, aber das Land zählt im deutschen Asylverfahren offensichtlich nicht als Kriegsgebiet. Seit 2004 können afghanische Flüchtlinge abgeschoben werden– mit Einschränkungen.

Zwangsweise in die Heimat befördert werden können Straftäter – sogenannte Gefährder –, aber auch eben junge, ledige Männer, die sich nichts zuschulden kommen lassen. „Bei Afghanen wird gesagt, dass die Intensität der Gewalt nicht ausreichend ist für einen Abschiebestopp“, sagt Tobias Klaus vom Bayerischen Flüchtlingsrat.

Nur sehr wenige afghanische Flüchtlinge wurden in den vergangenen Jahren tatsächlich abgeschoben. Doch sehr viele leben in Ungewissheit, da ihre Asylanträge abgelehnt wurden und sie in Deutschland nur geduldet sind. Derzeit lebten 414 geduldete Afghanen in Bayern, von denen 250 junge und ledige Männer seien, sagt Klaus. Die afghanischen Flüchtlinge räumen selbst offen ein, dass viele aus Furcht vor der Abschiebung die Klärung ihrer Identität verweigern. Denn nur wer im Besitz gültiger Papiere ist, wird in ein Flugzeug nach Afghanistan gesetzt.

Ein Asylbewerber, der seine wahre Identität geheim hält, geht aber auf der anderen Seite ein hohes Risiko ein – wer nicht kooperiert, kann laut Flüchtlingsrat nicht mit einem erfolgreichen Asylverfahren rechnen, er kann auch keine Stelle annehmen oder keine Deutschkurse besuchen.

Doch für Hunderttausende heimgekehrte Flüchtlinge in Afghanistan ist die Lage trostlos, wie die Vereinten Nationen mehrfach berichtet haben.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Abschiebungen
  • Asylbewerber
  • Asylverfahren
  • Bayerischer Landtag
  • Flüchtlingsräte
  • Petitionen
  • UNO
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!