BAYREUTH

Polizeischutz für Mollath-Gutachter

Den Namen seines prominentesten Patienten kennt ganz Deutschland: Gustl Mollath, das mögliche Opfer eines angeblichen Justizkomplotts, hat Dr. Klaus Leipziger, dem Chefarzt der forensischen Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth, großen Ärger eingebracht. Und womöglich eine Heidenangst: Leipziger ist von einem anonymen Anrufer auf üble Art und Weise bedroht worden.

Die Bedrohung bestätigten sowohl der betroffene Chefarzt selbst als auch Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz. Laut Schmalz sei Leipziger im Zusammenhang mit dem umstrittenen Fall Mollath in einem anonymen Anruf als Lügner bezeichnet und mit einer schweren Körperverletzung bedroht worden. Der Drohanrufer konnte bislang nicht ermittelt werden. Wie diese Zeitung aus zuverlässiger Quelle erfuhr, steht der Chefarzt unter Polizeischutz.

Leipziger selbst erklärte auf Anfrage, er habe den Anruf zur Anzeige gebracht, weil die Intensität der Drohung eindeutig zu weit gegangen sei. Über seine persönlichen Empfindungen wollte er sich nicht äußern – wohl aber auf die möglichen Ursachen für den Hass, der ihm entgegenschlägt: Er gehe davon aus, dass der Drohanruf auf eine Stimmung zurückzuführen sei, die durch teilweise einseitige Berichterstattung in den Medien hervorgerufen worden sei. Eine Medienkampagne zugunsten Mollaths? Seit November befassen sich die zwei Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Olaf Przybilla und Uwe Ritzer, nahezu täglich mit dem Fall.

Damals bekam die SZ den internen Revisionsbericht der Nürnberger Hypovereinsbank zugespielt, dessen Inhalt Behauptungen Mollaths stützte, nach denen seine Frau Teil eines illegalen Schwarzgeldsystems innerhalb der Bank gewesen sei. Mollath war, wie mehrfach berichtet, wegen gefährlicher Körperverletzung an seiner Ehefrau angeklagt worden.

Im Prozess vor dem Landgericht in Nürnberg hatte ein Gutachter dem Angeklagten eine schwere psychische Erkrankung attestiert: Mollath wurde wegen Schuldunfähigkeit zwar freigesprochen, wegen Gemeingefährlichkeit aber in die Psychiatrie eingewiesen. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg, wie berichtet, auf Anweisung von Justizministerin Beate Merk die Wiederaufnahme des Mollath-Verfahrens beantragt – „einmalig in der Justizgeschichte“, wie Olaf Przybilla meint.

Am Montag wurde bekannt, dass Gustl Mollaths Anwalt einen Nürnberger Richter und Chefarzt Leipziger angezeigt hat – wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung.

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