München

Schulminister: Mehr Elternwille bei der Einschulung

Die Eltern sollen künftig entscheiden, ob im Sommer geborene Kinder eingeschult oder zurückgestellt werden. Die SPD fordert stattdessen eine "flexible Grundschule".
Für mehr Flexibilität bei der Einschulung: Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).
Für mehr Flexibilität bei der Einschulung: Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Foto: Peter Kneffel, dpa

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat die Einführung eines "Einschulungskorridors" für ABC-Schützen schon ab dem kommenden Schuljahr gegen Kritik verteidigt: "Mit dem Korridor stärken wir die Entscheidungsfreiheit der Eltern und erleichtern das Verfahren", sagte er in München.

Ab dem Schuljahr 2019/2020 sollen Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, nach Beratung und Empfehlung der Grundschule selbst entscheiden, ob ihr Kind sofort oder erst ein Jahr später eingeschult wird. Auch bisher konnten diese pro Jahr rund 30000 "Kann-Kinder" um ein Jahr zurückgestellt werden - allerdings lag die Entscheidung letztlich bei der Grundschule.

"Mit dem Korridor stärken wir die Entscheidungsfreiheit der Eltern."
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

"Auf diese Weise sind bereits bislang rund zwanzig Prozent der Juli-Kinder, dreißig Prozent der August-Kinder und fünfzig Prozent der September-Kinder zurückgestellt worden", erklärte Piazolo. Er erwarte deshalb nicht, dass sich dieser Anteil mit der Neuregelung dramatisch verändern werde. Auch sollten die Eltern in den Grundschulen "nicht in die Richtung beraten werden, mehr Kinder später einzuschulen", forderte er. Denn für die Mehrheit der "Kann-Kinder" gelte: "Schule ist gut." 

Für Kinder, die zwischen 1. Oktober und 31. Dezember sechs Jahre alt werden, ändere sich durch die Neuregelung nichts: Diese Kinder sind noch nicht schulpflichtig, können aber auf Wunsch der Eltern vorzeitig eingeschult werden, wenn die Grundschule zustimmt, so der Minister.

Auch die schnelle Einführung der Neuregelung zum kommenden Schuljahr verteidigte Piazolo: Den Schulen bleibe noch ausreichend Zeit, um die Eltern zu beraten. Das Verfahren selbst sei unbürokratisch und einfach: Die Eltern müssten ihrer Sprengel-Grundschule nur bis spätestens 3. Mai 2019 die Verschiebung der Einschulung ihres Kindes schriftlich mitteilen. Ohne eine solche Erklärung werde das Kind allerdings im September schulpflichtig, erklärte der Minister.

SPD: Statt Korridor flexible Grundschule für alle

Der Lehrerverband BLLV befürchtet wegen der schnellen Einführung jedoch "Aufregung, Verwirrung und Stress, letztlich zu Lasten der Kleinsten". An vielen Schulen laufe die Information für das nächste Schuljahr bereits, kritisierte Verbandschefin Simone Fleischmann. Jetzt müssten die Schulen überhastet "neu informieren". Eltern, Lehrer und vor allem die Schulanfänger würden so überfordert: "Das ist sehr schade, denn eigentlich ist das Anliegen sinnvoll und gut", so Fleischmann.

Ein Zeit-Korridor sei ohnehin nicht genug, um Eltern, die bei der Einschulung ihres Kindes unsicher sind, wirklich zu helfen, findet die SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr. Notwendig sei vielmehr eine "flexible Grundschule", bei der die ersten zwei Schuljahre je nach Bedarf in ein bis drei Jahren durchlaufen werden können: "Das bringt viel mehr als ein Einschulungskorridor allein."

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