WÜRZBURG/STOCKHOLM

Schwedischer Sommer in Würzburg

Der Würzburg-Besuch von Silvia verspricht mehr als Glanz und Glamour: Die schwedische Königin engagiert sich für Flüchtlingskinder.
Koönigin Silvia von Schweden besucht Insel Mainau
Königin Silvia von Schweden kommt am 9. September nach Würzburg. Foto: Felix Kästle (dpa)

Für Asa Petersson wird der Mittwoch kein gewöhnlicher Tag. Seit über zwei Jahrzehnten arbeitet die gebürtige Schwedin fern der Heimat, seit 2011 ist sie Geschäftsführerin der Mainfranken GmbH. Und in dieser Funktion darf sie an diesem Mittwoch Königin Silvia in Würzburg begrüßen. „Oh ja, das ist für mich etwas Besonderes“, sagt die 46-Jährige.

Noch als Kind hat sie die ersten Auftritte der deutschen Olympia-Hostess an der Seite ihres Königs Carl Gustaf registriert, die Traumhochzeit 1976 war auch bei Peterssons ein Fernsehereignis. Klar, dass die Schwedin auch heute von Würzburg aus das Geschehen rund um den Thron verfolgt. „Die schwedische Monarchie hat zuletzt eher noch an Zustimmung gewonnen“, ist ihr Eindruck.

Zu verdanken sei dies neben dem engagierten Auftreten von Königin Silvia vor allem auch den drei Kindern, die im Volk viele Sympathien genössen. Wie gut passt es da, dass just zum Würzburg-Besuch ihrer Majestät bekannt wurde, dass Kronprinzessin Victoria nach der kleinen Estelle (drei Jahre) im März ein zweites Kind erwartet.

Der werdenden Oma werden am Mittwoch viele Herzen zufliegen, wenn sie sich zwischen 15.30 und 16 Uhr auf dem roten Teppich vor der Würzburger Residenz zeigt, für Fotos posiert – und voraussichtlich auch die eine oder andere Hand schüttelt. „Vielleicht scheint sogar die Sonne“, hofft Asa Petersson. „Ansonsten haben wir eben schwedischen Sommer“, lacht sie.

Silvia ist das erste Mal offiziell in Würzburg. In Deutschland ist die Familie indes immer wieder unterwegs – gerne auch privat. Das liegt vor allem an den vielfältigen verwandtschaftlichen Beziehungen. Die Königin wurde als Silvia Sommerlath am 23. Dezember 1943 in Heidelberg geboren.

Zu den Familien ihrer drei Brüder bestehen vielfältige Kontakte. Und auch Carl Gustaf hat Verwandtschaft in Deutschland, sogar in Franken. Seine Mutter ist Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha. Im Oktober 1932 heiratete sie in Coburg den schwedischen Erbprinzen Gustav Adolf von Bernadotte.

Letzterer kam 1947 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, da war der gemeinsame Sohn, der heutige schwedische König Carl Gustaf, nicht einmal ein Jahr alt. Mutter Sibylla starb 1972 noch vor der Inthronisierung von Carl Gustaf an Krebs.

Der König und seine Familie pflegen die Verbindung zu den Cousins und Cousinen in Franken sehr rege. Kronprinzessin Victoria war beispielsweise vor einem Jahr, im September 2014, in Coburg bei der Taufe ihres Patenkindes Katharina Victoria Elizabeth Cheryl von Sachsen-Coburg und Gotha dabei.

So schön der königliche Klatsch auch sein mag, der Besuch von Silvia in Würzburg hat einen ernsten Hintergrund, einen sehr aktuellen noch dazu. Die 71-Jährige nimmt in Würzburg an einer Tagung teil, in deren Mittelpunkt die Betreuung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen steht.

Veranstalter ist die von Silvia gegründete Childhood Foundation, Kooperationspartner vor Ort die Mainfranken GmbH. Bei der Regionalentwicklungsgesellschaft ist die Willkommenskultur mittlerweile ein Schwerpunkt-Thema geworden. „Mainfranken wird internationaler“, sagt AAsa Petersson. Jetzt gelte es die Veränderungsprozesse gut zu managen. „Vielfalt bietet viele Chancen.“

Rund 200 Teilnehmer werden zu der Tagung unter dem Titel „Sichere Orte für Flüchtlingskinder – Hilfe und Zukunft“ erwartet, rund 90 Prozent davon aus der Region. Eingeladen sind Vertreter der Jugendämter, Mitarbeiter der Jugendhilfe, Lehrer, Erzieher, Vertreter von Sportvereinen sowie Unternehmer aus Mainfranken. Gemeinsam mit den Experten wollen sie eine „Würzburger Charta“ erarbeiten, in der unter anderem Forderungen an die Politik formuliert werden, wie bürokratische Hemmnisse abgebaut werden könne, die heute noch oft verhindern, dass junge Leute, die aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan geflüchtet sind, eine Ausbildung nicht nur beginnen, sondern auch erfolgreich abschließen können.

Nach einem Grußwort von Königin Silvia spricht zum Auftakt der Tagung Johannes-Wilhelm Rörig, der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs über „Sexuelle Gewalt – Schutz und Hilfe für Flüchtlingskinder“. Jörg Fegert, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Ulm, referiert über „Ursachen und Folgen der Traumatisierung von Flüchtlingskindern in Deutschland“.

„Ausbilden statt abschieben“ ist der Vortrag von Hubert Schöffmann, dem bildungspolitischen Sprecher der bayerischen Industrie- und Handelskammern, überschrieben. Anschließend diskutieren die Experten in Workshops weiter. Am Nachmittag wird bei einer Pressekonferenz eine erste Bilanz gezogen. Bei der Childhood-Foundation und der Mainfranken GmbH hofft man, dass dann auch möglichst viele der bis zu 40 akkreditierten Reporter und Fotografen, darunter viele Vertreter der Regenbogenpresse, dabeibleiben.

Mit Glanz und Glamour geht es dann am Abend weiter. In der Residenz steigt die schon länger ausverkaufte Charity-Gala mit 200 Gästen. 350 Euro kosteten die Tickets für die Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Childhood-Stiftung mit Empfang im Garten, Defilee, klassischer Musik und einem festlichen Menü. Im Rahmen der Gala zeichnet die Mainfranken GmbH zusammen mit Königin Silvia Mainfrankens familienfreundlichste Arbeitgeber aus.

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