MÜNCHEN

So lief das TV-Duell Söder gegen Hartmann

TV-Duell zur Landtagswahl
18 Tage vor der Landtagswahl in Bayern fand das einzige TV-Duell zwischen Ministerpräsident Markus Söder (links, CSU) und Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) statt. Foto: Sven Hoppe, dpa

Der Ministerpräsident kommt als erster zum Fernsehduell in der historischen Gaszählerwerkstatt im Münchner Norden – standesgemäß in der Dienstlimousine. Pünktlich zur Ankunft haben sich rund zwei Dutzend seiner jugendlichen Wahlhelfer von „Team Söder“ aufgestellt, um für Stimmung und schöne Bilder zu sorgen. „Markus, Markus“, rufen sie und halten CSU-Wahlschilder in die Luft.

„Wird spannend heute“, sagt Söder und lässt sich mit der Gruppe fotografieren. Ob er trainiert habe, fragt ein Journalist. Söder grinst. „Für was? Fürs Foto?“, fragt er selbstbewusst zurück – fast so, als wäre sein Grüner Kontrahent Ludwig Hartmann nicht ganz seine Gewichtsklasse.

Der kommt – wie es sich für einen Grünen gehört – natürlich mit der U-Bahn. Eine „leichte Anspannung“ fühle er schon, räumt Hartmann unumwunden ein. Hat er trainiert für das Fernseh-Duell? „Ruhe gegönnt“ habe er sich. Und sich „inhaltlich noch Mal geschärft“, antwortet Hartmann. Schließlich gehe es beim Wort-Wettkampf mit Söder „um die Zukunft unseres Landes“.

Im Vorfeld gab es Ärger mit der SPD

So ein Fernseh-Duell gab es vor einer Landtagswahl in Bayern noch nie: CSU gegen Grüne. Ein Franke gegen einen Oberbayern. Söder gegen Hartmann. Mächtig Ärger hatte es im Vorfeld gegeben, weil der BR den Grünen Spitzenmann eingeladen hatte – und nicht SPD-Herausforderin Natascha Kohnen. „Völlig absurd“, nannte die SPD die Auswahl nach aktuellen Umfrageergebnissen. Der BR verteidigte sich mit Hinweis auf die aktuellen Machtverhältnisse in Bayern. In Umfragen war die SPD zuletzt auf nur noch knapp zwölf Prozent zurückgefallen.

Beim letzten Duell vor fünf Jahren zwischen Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD) hatten rund 1,3 Millionen Zuschauer eingeschaltet. Damals hatte es allerdings zumindest zeitweise eine realistische Chance auf einen Machtwechsel gegeben. Diesmal schwächelt die CSU zwar erheblich. Dass Hartmann diesmal Ministerpräsident werden könnte, ist dagegen äußerst unwahrscheinlich. So fällt es Söder leicht, im Duell mit Hartmann den generösen Staatsmann zu geben: „Da liegen wir doch fast zusammen“, sagt er fast gönnerhaft zu seinem Konkurrenten als es um mehr ökologisches Bauen geht. Als Hartmann beim Thema Wohnen über München spricht, belehrt er ihn aber auch: „Bayern ist schon mehr als München.“

Gemeinsam wandern, aber wohl keine Koalition 

TV-Duell zur Landtagswahl
Die beiden Kontrahenten Markus Söder und Ludwig Hartmann. Foto: Sven Hoppe (dpa)

Söder hat ohne Zweifel mehr Talkshow-Erfahrung, als Nachwuchs-Mann Hartmann. Und das lässt er seinen Konkurrenten auch spüren: „Stimmen Sie mir zu“, fährt er dem Konkurrenten etwa in die Parade. Als der ungerührt weiterspricht, grinst er: „Sie stimmen mir zu.“

Die Debatte ist trotzdem lebhaft. Moderator Christian Nitsche kommt gefühlt minutenlang kaum zu Wort. Hartmann, als Schnellsprecher bekannt, argumentiert engagiert und lebhaft, manchmal etwas hastig. Söder bringt seine Botschaften („Bayern wollen kein Parlament mit sieben Parteien“) gekonnt unter – und lässt selbst massive Anwürfe seines Konkurrenten meist ruhig, manchmal aber auch sehr selbstbewusst an sich abperlen. Eine „Verbotspartei“ seien die Grünen, sagt er etwa: „Das ist kein Vorwurf, das ist ein Fakt.“

Es geht um Wohnen, Flächenversiegelung, Flüchtlinge, Bildung, Sicherheit, auch um Söders Kreuze in Behörden. „Es geht doch nicht bei jeder Entscheidung darum, Stimmen zu gewinnen“, behauptet Söder. „Das stimmt doch nicht“, stöhnt Hartmann, als Söder spricht.

Am Ende sind sich beide immerhin darin einig, dass sie gerne zusammen wandern gehen würden, eine gemeinsame Koalition wohl schwierig werden würde. Ob das Duell einen Einfluss auf das Wahlergebnis hat, bleibt dagegen offen.

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